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Ausstellung im Bode Museum

Kulturen auf Augenhöhe

Unter dem Titel "Unvergleichlich" stellt das Berliner Bode Museum Kunstwerke aus der eigenen Sammlung afrikanischen Skulpturen gegenüber. Interessierte können die Ausstellung bei dem Aktionstag "Auf dem Weg zum Humboldt Forum" der Staatlichen Museen zu Berlin am 25. November bei freiem Eintritt besuchen.

Exponate der Ausstellung Unvergleichlich im Bode-Museum: Kunst aus Afrika. Werke aus Europa treffen im Bode Museum auf ebenbürtige Kunst aus Afrika. Foto: Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Zwei Skulpturen von Raubkatzen flankieren den Eingang zur Ausstellung "Unvergleichlich" im Berliner Bode Museum, die 22 Kunstwerke aus Afrika in einen Dialog mit 22 Kunstwerken aus dem Europa des Mittelalters bringt. Der Titel warnt vor einem direkten Vergleich einzelner Werke und provoziert dennoch genau das: Die eine Skulptur ist ein Bronzelöwe, um 1500 in Niedersachsen gefertigt. Die andere ist ein Messingleopard aus dem 17. Jahrhundert und kommt aus dem ehemaligen Königreich Benin.

Die Ausstellung "Unvergleichlich" ist Teil der Ausstellungsreihe "Neue Nachbarn", die die Sammlungen aus dem Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst im Vorfeld der Eröffnung des Humboldt Forums in neuen Kontexten präsentiert. Mit dem Aktionstag "Auf dem Weg zum Humboldt Forum" am 25. November laden die Staatlichen Museen zu Berlin Besucherinnen und Besucher bei freiem Eintritt in die Ausstellungen auf der Museumsinsel und am Kulturforum ein.

Der unvermeidliche Impuls des Vergleichs führt zum zentralen Thema der Ausstellung: Inwiefern prägen die eigenen Wertvorstellungen, Konventionen und Geschichtskonstruktionen den Prozess des Wahrnehmens? Wie beeinflusst die Art der Ausstellung die eigene Interpretation?

Macht und Deutungshoheit

Die Ausstellung lässt die Betrachtenden unweigerlich Querverbindungen zwischen den gegensätzlichen Skulpturenpaaren ziehen. Da sind formalästhetische oder technische Gemeinsamkeiten erkennbar, genauso ähneln sich manche künstlerische Haltungen oder ein Nutzungskontext im Grundsatz. Dennoch wurden die afrikanischen Skulpturen in Europa lange als ethnologisches, nicht als künstlerisches Material eingeordnet und klassifiziert.

Einige Künstlerinnen und Künstler waren beim Ankauf namentlich bekannt, fanden aber in europäischen Ausstellungen keine Erwähnung. Stattdessen wurden ihre Werke zur verallgemeinernden Darstellung eines angeblich exotischen, unzivilisierten und primitiven Afrikas herangezogen.

Rassistische Interpretationen aufdecken

Während europäische Skulpturen als Qualitätsmerkmale einer Hochkultur in Kunstmuseen standen, wurde ebenbürtigen Kunstwerken afrikanischer Kulturen diese ästhetische Wertschätzung nicht zuteil. Zum Beispiel fertigten Künstler der zentralafrikanischen Fang Holzstatuen mit Behältnissen an, die religiös aufgeladene Gegenstände beinhalteten. Diese spirituelle Praxis wurde hier in Europa belächelt und als Geisterglauben abgetan.

Die "Unvergleichlich"-Schau stellt diesem Kunstwerk ein Abbild eines Bischofs zur Seite: Eine europäische Reliquienbüste aus dem 16. Jahrhundert, die den Splitter einer menschlichen Rippe birgt. Trotz der Ähnlichkeit beider Werke in der Nutzung wurde die Bischofsbüste nie als primitiv herabgestuft.

Die Bräuche und die Kunst afrikanischer Kulturen trotzdem als vorzivilisatorisch abzugrenzen, spielte der Legitimation von Kolonialismus und Sklavenhandel zu.

Messingleopard aus dem Königreich Benin aus dem 17. JahrhundertBild vergrößern ... und der Messingleopard aus dem Königreich Benin (17. Jahrhundert). Foto: SMB, Ethnologisches Museum, Martin Franken

Gemeinsame Nenner der Kulturen

Die Ausstellung bündelt die Menschheitsthemen, die kulturübergreifend in der Kunst verhandelt wurden: Geburt und Tod, Macht und Glauben. Dies zeigt, wie viel mehr Gemeinsames als Trennendes die verschiedenen Kulturen auch in der Kunst aufweisen. "Unvergleichlich" entlarvt eurozentristische Blicke und nimmt eine respektvolle Haltung gegenüber außereuropäischen Kulturen ein. Dabei reflektiert die Schau auch die Herkunft der einzelnen Werke.

Das Bode Museum gehört zu den Staatlichen Museen zu Berlin und wird über die Stiftung Preußischer Kulturbesitz von Bund und Ländern gemeinsam getragen. Der Bund trägt drei Viertel der laufenden Betriebskosten.

Donnerstag, 23. November 2017