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Bioökonomie

Smartphone-Display aus Zucker

Das Smartphone fällt auf den Boden – schon geht das Display zu Bruch. Viele Verbraucher kennen das Problem. Doch Forscher im Bereich der Bioökonomie haben Lösungen parat – und nicht nur für die digitale Welt.

Laptop, Tablet und Smartphone in Benutzung Der biobasierte Kunststoff-Touchscreen ist nur ein Beispiel für die Innovationskraft der Bioökonomie. Foto: mauritius images / Tetra Images

Schon seit 2015 ist es auf dem Markt: Das Handy mit einem biobasierten Kunststoff-Touchscreen. Grundlage dafür ist ein Isosorbid, das chemisch aus Zucker hergestellt wird. Der biobasierte Kunststoff zeigt viele Vorteile. Gegenüber den konventionell verwendeten Polycarbonaten besitzt er besondere Hitzebeständigkeit, Stoßfestigkeit, Transparenz und eine geringe optische Verzerrung.

Der biobasierte Kunststoff-Touchscreen ist nur ein Beispiel für die Innovationskraft der Bioökonomie. Viele derartige Produkte sind im Alltagsleben bereits fest integriert, ohne dass das Verbrauchern immer bewusst ist. Automobilhersteller etwa nutzen Flachs für Teile der Karosserie, Textilhersteller verwenden Reststoffe der Lebensmittelindustrie für neue Hightech-Fasern. Und bereits in den 1980er Jahren wurden mit Hilfe von Bakterien neuartige Krebsmedikamente hergestellt.

Die Bioökonomie ist eine besonders rohstoffeffiziente Wirtschaft, die auf erneuerbare Ressourcen anstelle fossiler Rohstoffe setzt. Sie stellt Produkte, Verfahren und Dienstleistungen für alle Bereiche eines modernen, zukunftsfähigen Wirtschaftssystems bereit.

Weiteres Beispiel: Bio-Dünger aus Klee

Die Bundesregierung fördert mit einer Vielzahl von Maßnahmen die Entwicklung und Markteinführung innovativer Produkte. Mit ihrer Unterstützung ist es dem Dresdner Start-up "grünerdüngen" gelungen, ein neues Düngemittel durch ein spezielles Ernte- und Aufbereitungsverfahren aus reinem Bio-Klee herzustellen. Das Start-up entwickelte Pellets, die als Dünger beim Gemüseanbau in die Erde gebracht werden können.

Angewendet werden können diese vor allem beim ökologischen Gemüseanbau. Aber auch für Hobbygärtner sind die Klee-Pellets interessant, denn sie sind einfach anzuwenden und wohlriechend. Der Biodünger, genannt KleePura, wird seit Juni 2017 im Naturkostfachhandel angeboten. Er soll ab 2018 auch in regionalen Baumärkten erhältlich sein.

Dass der grüne Dünger den hohen Stickstoffbedarf im ökologischen Gemüseanbau decken kann, konnte eine dreijährige Untersuchung belegen, die vom Bundeslandwirtschaftsministerium innerhalb des Förderprojektes "BÖLN" finanziert wurde.

Darüber hinaus erhielten die Forscher durch das Programm "EXIST-Existenzgründungen aus der Wissenschaft" ein Stipendium des Bundeswirtschaftsministeriums. Ziel war es, den komplett biobasierten Klee-Dünger auf den Markt zu bringen. Im November 2017 wurde der Bio-Dünger mit dem Sächsischen Umweltpreis ausgezeichnet.

Für alle Bioökonomie-Interessierten gibt es die Plattform "biooekonomie.de", eine Initiative des Bundesforschungsministeriums. Die Plattform informiert über aktuelle Themen der Bioökonomie, hier tätige Branchen und neue Produkte. Auch Förderangebote und geförderte Projekte werden vorgestellt. Wer immer auf dem Laufenden sein will, kann den wöchentlichen Newsletter abonnieren.

Deutschland nimmt Spitzenstellung ein

Für viele Branchen in Deutschland ist der Einsatz nachwachsender Rohstoffe schon heute Routine, stellte der "Fortschrittsbericht zur Nationalen Politikstrategie Bioökonomie" der Bundesregierung im August 2016 fest. Drei Jahre nach dem Kabinettsbeschluss über die Nationale Politikstrategie Bioökonomie kam der Fortschrittsbericht zu einer positiven Gesamtbewertung: Deutschland nimmt in der Bioökonomie mittlerweile international eine Spitzenstellung ein.

Die Bandbreite der von der Bundesregierung geförderten Maßnahmen ist groß. Sie reichen von der Initiative "Eine Welt ohne Hunger" des Bundesentwicklungsministeriums, bis zur geförderten Kooperationen von Wirtschaft und Wissenschaft. Die Initiative "KMU-innovativ: Biotechnologie–BioChance" erleichtert Biotechnologieunternehmen den Start in den Markt. Diverse Forschungsvorhaben beschäftigen sich mit nachhaltiger Pflanzenzüchtung zur Ernährungssicherung und Energiegewinnung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Ausbildung von Fachkräften, die die innovative Forschung in den verschiedenen Bereichen der Bioökonomie vorantreiben.

Der Fortschrittsbericht stellt auch fest: Die Entwicklung der Bioökonomie hängt nicht allein von Forschung und Wirtschaft ab – die Akzeptanz durch die Verbraucher ist entscheidend. Diese müssen bereit sein, biobasierte Produkte auch zu nutzen.

Die Nationale Politikstrategie Bioökonomie wurde im Juli 2013 von der Bundesregierung beschlossen. Sie baut auf der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung auf und ist eng verzahnt mit der 2010 beschlossenen "Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030". Im August 2016 legte die Bundesregierung den Fortschrittsbericht zur Politikstrategie Bioökonomie vor.

Freitag, 10. November 2017