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Welt-Polio-Tag

Nie wieder Kinderlähmung

Seit mehr als 25 Jahren gibt es in Deutschland keinen Fall von Kinderlähmung mehr. Das ist nicht überall so. Ziel der Weltgesundheitsorganisation ist es, Polio weltweit auszurotten. Die Hoffnung darauf besteht – dank vielfältiger Impfprogramme.

Ein nicht identifizierter Gesundheitsbeamter verwaltet einen Polio-Impfstoff an ein Kind in Kawo Kano, Nigeria Ein Tropfen gegen Kinderlähmung: Mit flächendeckenden Impfungen will man Polio in Afrika begegnen. Foto: picture alliance / AP Photo

Hauptsächlich sind Kinder betroffen, aber auch Erwachsene können daran leiden: Polio, auch Kinderlähmung genannt. Polio ist hoch ansteckend und führt zur Lähmung von Armen und Beinen, manchmal auch zur Lähmung der Lunge. Daher kann die Krankheit tödlich verlaufen. Es gibt keine Heilung. Aber man kann die Krankheit verhindern, durch Impfen.

Seit 1988 ist es gelungen, die Zahl der Polio-Erkrankungen weltweit um 99,9 Prozent zu reduzieren. Das ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Aber da Polio sich rasant überträgt - nicht nur durch persönlichen Kontakt, sondern auch durch kontaminiertes Wasser - ist die Krankheit erst besiegt, wenn sie überall auf der Welt ausgerottet ist.

Impfen, um Polio weltweit auszurotten

Impfungen sind am ehesten dort möglich, wo es stabile Gesundheitssysteme gibt. Die Bundesregierung unterstützt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei ihren Anstrengungen, die gesundheitliche Situation weltweit zu verbessern – mittlerweile mit einem jährlichen Betrag von 750 Millionen Euro im Jahr. Sie hilft der internationalen Impfallianz GAVI, bei der bis zum Jahr 2020 300 Millionen Kinder in den ärmsten Ländern der Welt auch gegen Polio geimpft werden können.

Polio nur noch in drei Ländern

Die WHO vermeldet nur noch aus drei Ländern der Welt Polio: in Pakistan, Afghanistan und Nigeria. Auch hier sind die Zahlen rückläufig. Doch erst wenn sich nachweisen lässt, dass mehr als drei Jahre kein Polio-Fall aufgetreten ist, gilt eine Region als poliofrei.

Um Polio dauerhaft von der Erde zu verbannen, darf Polio nirgendwo mehr auf der Welt auftreten. Die Impfanstrengungen dürfen nicht nachlassen. Denn die Vergangenheit hat gezeigt: Polioviren können leicht eingeschleppt werden. So kam es im Jahr 2010 zu einem Polio-Ausbruch in Tadschikistan, der sich nach Russland hin ausbreitete – in eine Region also, die vorher als poliofrei galt.

Impfen, damit Europa poliofrei bleibt

Im Mai 1988 beschloss die 41. Weltgesundheitsversammlung, dass eines der WHO-Ziele die vollständige Ausrottung des Polio-Virus ist. Im Juni 2002 konnte die WHO die Europäische Region als poliofrei zertifizieren. Die europäischen Staaten haben sich verpflichtet, darauf zu achten, dass die Poliofreiheit bestehen bleibt.

Bis in die 1950er Jahre hinein gab es keine Vorbeugung gegen die hochansteckende Infektionskrankheit. 1961 kam es zu einem schweren Ausbruch von Polio in der Bundesrepublik. 1962 startete ein flächendeckender Einsatz gegen die Krankheit.

Nur ein Stückchen Zucker

Mancher erinnert sich: Unter dem Motto "Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam" wurde auf Zuckerstückchen ein Lebendimpfstoff verabreicht. Die Zahlen der Erkrankungen gingen rapide zurück. Seit 1998 gibt es in Deutschland eine Impfempfehlung mit einem inaktivierten Impfstoff (Totimpfstoff) gegen Kinderlähmung.

"Ich kann mich an die Impfung noch aus meiner Kindheit – damals in der DDR – erinnern; dieser Zuckerwürfel, den man da bekam und der ein bisschen anders schmeckte. Aber zum Schluss hat sich das eben als sehr, sehr wichtig herausgestellt", so Kanzlerin Merkel in ihrem Podcast vom 21. Oktober.

Impfen ist gut verträglich

Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten Maßnahmen zum Schutz vor ansteckenden Krankheiten. Eine wachsende Zahl der Menschen in Deutschland lässt sich impfen. Vor allem bei Kindern hat sich die Impfquote in den letzten zehn Jahren kontinuierlich erhöht.

Alle belastbaren Daten zeigen, dass moderne Impfstoffe gut verträglich sind. Unerwünschte Nebenwirkungen werden nur in ganz seltenen Fällen beobachtet. Sollte der Verdacht einer Impfkomplikation aufkommen, besteht dafür eine gesetzliche Meldepflicht. Auch nach ihrer Zulassung unterliegen Impfstoffe so einer ständigen Kontrolle.

Aufklärung statt Zwang

Geimpfte schützen nicht nur sich, sondern auch ihre Umgebung, da sie mögliche Infektionsketten unterbrechen. Die Bundesregierung setzt weiterhin auf die Aufklärung zum Impfen. Denn oft liegt die Ursache für fehlende Impfungen nicht an einer grundsätzlichen Ablehnung des Impfens sondern an mangelnden Informationen.

So macht etwa die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verstärkt bei Erwachsenen auf den Impfschutz aufmerksam. Zudem sieht das 2015 in Kraft getretene Präventionsgesetz Regelungen vor, um den Impfschutz zu verbessern. Dazu gehört nicht nur die Pflicht der Eltern, vor dem Kita-Eintritt ihres Kindes eine ärztliche Impfberatung nachzuweisen. Ungeimpfte Kinder können auch vorübergehend vom Besuch einer Kita oder Schule ausgeschlossen werden, um einen Krankheitsausbruch zu verhindern.

Der Welt-Polio-Tag, ausgerufen durch UNICEF und die WHO, findet seit 1998 immer am 28. Oktober statt. Er fällt auf den Geburtstag des US-amerikanischen Bakteriologen Jonas Salk, des Entdeckers des Polio-Impfstoffes. Der Tag will zur Erst-Impfung oder zur Auffrischungs-Impfung motivieren. Denn nur Impfen kann eine Rückkehr der Krankheit verhindern.

Samstag, 28. Oktober 2017

Zusatzinformationen

Podcast der Kanzlerin

Heute aktuell:

  • Merkel in China Fair und kooperativ zusammenarbeiten
  • EU-Datenschutz-Grundverordnung Einheitlicher Schutz in ganz Europa