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Entwicklung ländlicher Räume

Das Bürgeramt wird mobil

Das Einkaufen, der Arztbesuch oder das Beantragen eines neuen Passes sind auf dem Land häufig mit langen Wegen verbunden. Die Stadt Wittstock an der Dosse setzt auf das mobile Bürgerbüro. Die Bundesregierung unterstützt Projekte der "ländlichen Entwicklung" vielfältig.

Drei Menschen vor dem mobilen Bürgerbüro der Stadtverwaltung Wittstock/Dosse. Der mobile Bürgerservice wurde auch für die Briefwahl zur Bundestagswahl 2017 genutzt. Foto: Stadtverwaltung Wittstock/Dosse

Wittstock an der Dosse ist flächenmäßig eine der größten Städte Deutschlands. Für ältere Einwohner und vor allem für die Bewohnerinnen und Bewohner der 18 Ortsteile sind die Wege zur Verwaltung oft schwierig und lang.

Die Stadtverwaltung hat reagiert. Sie hat das mobile Bürgerbüro ins Leben gerufen. Fünfmal pro Woche fahren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bürgerbüros und des Außendienstes "raus". Von April bis September besuchen sie jeden Ortsteil einmal im Monat. Von Oktober bis März bedarfsorientiert. In den größten Ortsteil, nach Freyenstein, kommt der Bürgerservice sogar ganzjährig alle 14 Tage. So funktioniert bürgernahe, dienstleistungsorientierte Stadtverwaltung auch in dünn besiedelten Gebieten.

Mobiles Büro, mobile Bürokoffer

In besonderen Fällen kommt das Bürgerbüro direkt zu den Menschen nach Hause. Etwa wenn sie das Haus nicht verlassen können. Möglich macht das der mobil einsetzbare Bürokoffer.

Das mobile Angebot umfasst das gesamte Leistungsspektrum eines Bürgerbüros: Die Bürger erhalten hier Meldebescheinigungen, können sich Zeugnisse beglaubigen lassen, Personalausweise oder Wohngeld beantragen. Auch Kfz-Um- und Abmeldungen sind möglich.

Das Bürgerbüro – ein umgebautes Feuerwehrfahrzeug – ist für die Menschen vor Ort eine große Entlastung. Es ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie auf dem Land alltägliche Besorgungen erleichtert werden können, wenn neben Einkaufsmöglichkeiten auch Post- und Bankfilialen schließen.

Infoportal "zukunft.land.de"

Das Beispiel des mobilen Bürgerbüros ist nur eine Erfolgsgeschichte auf dem Internetportal "zukunft.land". Diese Webseite des Bundeslandwirtschaftsministerium wendet sich an Praktiker in Gemeinden und Landkreisen. Hier erhalten sie schnellen Zugriff auf wichtige Hintergrundinformationen wie Fördermöglichkeiten, Forschungs- und Umfrageergebnisse sowie praxisnahe Literatur und können von Erfahrungen und Erkenntnissen anderer profitieren.

Mit einer Vielzahl an Karten bietet der digitale Landatlas des Portals Einblicke in die ländlichen Regionen Deutschlands. Wie weit ist es bis zum nächsten Hausarzt oder Lebensmittelgeschäft? Wie groß ist die land- und forstwirtschaftliche Fläche? Solche und ähnliche Fragen helfen bei der Suche nach passenden Antworten.

Bundesprogramm "Ländliche Entwicklung"

Das Bundesprogramm "Ländliche Entwicklung" besteht aus vier Modulen. Das Online-Portal "zukunft.land" ist eines davon.

Das Modul "Modell- und Demonstrationsvorhaben in zentralen Zukunftsfeldern ländlicher Entwicklung" ist ausgerichtet auf "Regionalität und Mehrfunktionshäuser". Die sogenannten Mehrfunktionshäuser kombinieren beispielsweise Dorfläden mit Landarztpraxen, Pflegestützpunkten, Vereinsräumen – bringen sie mit Büchereien, dem Gemeindeamt, einem Café, der Post oder Bank unter ein Dach.

Das Modul "Land(auf)Schwung" richtet sich an strukturschwache ländliche Regionen und an unternehmerische Menschen vor Ort. Auf der Grundlage eines "Regionalbudgets" können sie selbst über innovative Ideen und deren Umsetzung entscheiden. Eine Jury wählte 13 Förderregionen aus, die bis Juni 2018 jeweils eine Förderung von 1,5 Millionen Euro erhalten.

Wettbewerbe bilden ein viertes Modul. Durch sie werden beispielhafte ländliche Entwicklungsprojekte honoriert. So blickt der Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" auf eine lange Geschichte zurück. Seit 1961 würdigt er alle drei Jahre bürgerschaftliches Engagement. Der Wettbewerb "Kerniges Dorf! Umbau gestalten!" zeichnet Ideen und Strategien der Innenentwicklung in Gemeinden oder Ortsteilen mit bis zu 5.000 Einwohnern aus.

Die Bundesregierung stellt in diesem Jahr rund 55 Millionen Euro für ihr Programm "Ländliche Entwicklung" bereit. In dem Bundesprogramm geht es um Zukunftsperspektiven für den ländlichen Raum. Es bündelt Modell- und Demonstrationsvorhaben, Wettbewerbe, Forschungsaktivitäten und Kommunikationsmaßnahmen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium koordiniert die Aktivitäten und ist Vernetzungsstelle.

Neue Impulse für ländliche Regionen

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat in den vergangenen vier Jahren viel dafür getan, damit das Leben auf dem Land lebenswert bleibt. Allein in diesem Jahr fördert es die ländlichen Räume mit 820 Millionen Euro. Es stärkt Kommunen damit den Rücken: Bundesweit stehen 40 Millionen Euro für die "Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" bereit. Das Geld ermöglicht Investitionen beispielsweise in nichtlandwirtschaftliche Kleinstbetreibe, in kleine Infrastrukturprojekte oder in die Umnutzung dörflicher Bausubstanz.

Das Ministerium hat eine neue Abteilung zu Fragen der ländlichen Entwicklung eingerichtet. Ein wichtiges Zeichen, das zeigt, wie wichtig der Bundesregierung das Thema ist.

Wie geht es weiter?

Am 20. September hat der Sachverständigenrat Ländliche Entwicklung seine Empfehlungen für künftige Entwicklung ausgesprochen. Einen besonderen Fokus legte das Gremium auf die Wirtschaftskraft und Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen. Zudem sprachen sich die Sachverständigen für eine nationale Digitalisierungsstrategie für ländliche Räume aus. Auch Gemeinwohlleistungen der Landnutzung sollten ihrer Ansicht nach stärker honoriert werden.

Freitag, 13. Oktober 2017