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Martin-Gropius-Bau Berlin

Zwischen den Welten

Der britische Künstler Ed Atkins stellt seine größte Installationsarbeit im Martin-Gropius-Bau Berlin aus. Auf irritierende und verstörende Art zielt er darauf ab, was im Alltag zu oft vergessen wird: ein kritisches Hinterfragen der Menschlichkeit im digitalen Zeitalter.

Wie viel Menschlichkeit steckt in den virtuellen Welten, die von Menschen geschaffen und bevölkert werden? Kann ein computergenerierter Babyavatar bei Menschen aus Fleisch und Blut Mitleid erzeugen? Und überhaupt: Was genau macht Menschlichkeit eigentlich aus? Der britische Künstler Ed Atkins widmet seine bislang umfangreichste Installation "Old Food" den existentiellen Fragen des Daseins.

Die Ausstellung "Old Food" ist noch bis zum 7. Januar im Martin-Gropius-Bau Berlin zu sehen. Sie ist Teil des Programms der Berliner Festspiele. Die Bundesregierung finanziert die Berliner Festspiele mit dem Martin-Gropius-Bau als Teil der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin.

Baby aus Bits und Bytes

Drei Figuren tauchen immer wieder in Atkins großformatigen Videoinstallationen auf: ein kahlköpfiges Baby, ein Junge in Teenie-Jahren und ein alter Mann. Tränen, Schweiß, Eiter und Schleim quillen aus Augen, Nase und Mund. Die überzogen künstlichen Figuren starren, stöhnen, blinzeln. Grotesk und abstoßend sind ihre Gesichter in schonungsloser Großaufnahme dargestellt. Unbehagen und Ekel regen sich bei der Betrachtung - abwechselnd mit der Erinnerung daran, dass hinter diesen digital erzeugten Wesen lediglich ein Programm abläuft und hier keine echten Menschen zu sehen sind.

Überzeichnete Künstlichkeit

Das Altern, der Ausstoß von Körpersekreten und Empfindsamkeit sind Merkmale eines organischen Lebens. Atkins überzeichnet diese Merkmale in seinen künstlich erschaffenen Personen, setzt sie der analogen Vergänglichkeit in Form von materieller Kleidung entgegen und fordert so die Auseinandersetzung mit dem materiellen Menschsein heraus.

Falsche Idylle

Andere Bildschirme zeigen eine idyllische Naturlandschaft. Grashalme wiegen leicht im virtuellen Wind, animierte Vögel zwitschern hell aus den Bäumen und ein computergeneriertes Klavier steht merkwürdig unter einem Baum, wie ein Fehler im Programm. Die Innenansicht einer Blockhütte erscheint täuschend echt. Ein Feuer flackert gemütlich, aber befremdlich kalt durch die Monitorwände.

Kleider machen Leute

Als Gegenpol stellt Atkins Berge an Kostümen aus dem Fundus der Deutschen Oper Berlin aus. Dicht an dicht hängen Gewänder, Anzüge und Kleider unterschiedlicher Epochen auf Kleiderstangen, die bis unter die Decke reichen. Aufgehängte Hüllen echter Körper, die sinnbildlich für die Eigenschaften lebendiger Menschen stehen: der Schutz vor Kälte, das Empfinden von Scham und der Sinn für Stil.

Donnerstag, 5. Oktober 2017