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"Runder Tisch Meeresmüll"

Gemeinsam gegen Müll in Nord- und Ostsee

Wie lässt sich weiterer Meeresmüll vermeiden? Darüber berät ein Runder Tisch, der in Berlin zum zweiten Mal tagte. Neben Bund und Ländern sind auch Fischerei-Industrie, Schifffahrt und die Zivilgesellschaft daran beteiligt, um die nationalen Maßnahmen gegen Meeresmüll voranzubringen.

Plastikmüll aus dem Meer. Plastik zählt zum häufigsten Müllvorkommen im Meer, auch in Nord- und Ostsee. Foto: picture alliance / dpa

An den Stränden von Nord- und Ostsee werden kiloweise Müll eingesammelt – hauptsächlich Plastikabfälle. Jedes Jahr gehen in der Ostsee rund 10.000 Stellnetze verloren, die jahrelang herrenlos weiterfischen. Giftgasmunition aus den Weltkriegen sind eine zusätzliche Zeitbombe. Und allein auf dem Meeresgrund der Nordsee werden rund 600.000 Kubikmeter an Abfällen vermutet. Der zweite "Runde Tisch Meeresmüll" beriet vor diesem Hintergrund in Berlin, wie die Vermüllung gestoppt werden kann.

"Überfischung, Übersäuerung und Vermüllung. Diese drei Schlagworte kennzeichnen die Notlage, in der sich unsere Meere befinden. Ein 'business as usual' können wir uns nicht mehr leisten." Das sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks beim Runden Tisch. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit werde die Verschmutzung der Meere als drängendes Problem gesehen.

Vermüllung von Nord- und Ostsee auch durch Verpackungen

Die häufigsten Müllfundstücke an den Stränden der Nord- und Ostsee sind Zigarettenstummel und Verpackungen, aber auch Glas- und Plastikflaschen sowie Flaschendeckel, Seile und Netze. So werden an der Nordsee durchschnittlich 400 Müllteile je 100 Meter Strand eingesammelt; an der Ostsee sind es im Schnitt 70 auf 100 Meter Strand. Neben Fischerei und Aquakulturanlagen verursachen Tourismus und Freizeitaktivitäten Müll.

Zu siebzig Prozent bestehen die Müllfunde in Nord-und Ostsee aus Kunststoffen. Die fatalen Folgen: Kunststoffe werden teilweise zerrieben und Meerestiere aller Art fressen diese kleinen Plastikteile, die sie für Nahrung halten. Sie verhungern daraufhin. Seevögel und Fische verfangen sich in Seilen und Netzen und strangulieren sich. Der Müll zerstört Ökosysteme und beeinträchtigt den Erholungswert für die Menschen und - am Ende der Nahrungskette - auch seine Gesundheit.

Erfolgreiche Zusammenarbeit am Runden Tisch

Wie in Deutschland weiterer Meeresmüll aus land- und seeseitigen Quellen vermieden und geborgen werden kann, war Thema des zweiten Treffens des Runden Tisches Meeresmüll. Der Runde Tisch orientiert sich einerseits an den Vorgaben der europäischen Meeresstrategie-Richtlinie. Das Ziel: Meere ohne Belastungen durch Abfälle. Andererseits ist es nötig, auch auf nationaler Ebene Maßnahmen und Lösungsvorschläge zu entwickeln.

Der Runde Tisch kommt seit 2016 auf Initiative des Bundesumweltministeriums, des Umweltbundesamtes und des Landes Niedersachsen jährlich zusammen. An ihm nehmen auch die Vertreter der Schifffahrt, der Fischerei, der Kunststoff-, Reifen- und Kosmetikindustrie sowie Umweltverbände und Kommunen teil. Gut 130 Fachleute bringen sich ein. Er ist zugleich Informationsplattform und Denkfabrik. Die so erarbeiteten Maßnahmen und Regionalen Aktionspläne sind von einem breiten Konsens geprägt.

Die EU-Richtlinie zum Schutz der Meere trat am 15.07.2008 in Kraft und war bis zum 15.07.2010 in nationales Recht zu ratifizieren. Die Richtlinie ist die Umweltsäule der europäischen Meeresstrategie. Das Ziel lautet, bis 2020 einen guten Zustand der europäischen Meeresgewässer zu erreichen und zu erhalten. Die Mitgliedstaaten müssen dafür einen Definitionsrahmen erarbeiten sowie nationale Aktionspläne für Maßnahmen und ihre Umsetzung.

Systematische Entsorgung von Schiffsabfällen in den Häfen

Ein Ergebnis der Arbeit des Runden Tisches ist beispielsweise der Ausbau von Entsorgungsstellen für Schiffsabfälle in den Häfen. In vielen Häfen wurden zusätzliche Entsorgungsstellen eingerichtet. Hier können die Schiffe "kostenlos" Abfälle entsorgen, der bereits an Bord getrennt erfasst wurde. Was noch fehlt: Eine einheitliche Kostenregelung, die in der Hafengebühr enthalten ist. Außerdem bedarf es einer möglichst einheitlichen Systematik für die getrennte Entsorgung. Daran anschließend ist die systematische Weiterverarbeitung dieser Abfälle, auch durch Recycling, nötig. Diese Erfahrungen will Deutschland in den Runden Tisch des EU-Umweltnetzwerkes einbringen. Ziel ist ein möglichst EU-weit einheitliches System für die getrennte Entsorgung.

Die Beseitigung von Müll in den Meeren und die Reinigung vom Meeresgrund sind weitere große Herausforderungen. Die Gespräche mit der Fischerei-Industrie tragen dazu bei, dass Fischerei-Geräte nicht mehr im Meer entsorgt werden. In den Gesprächen des Runden Tisches geht es beispielsweise um eine elektronische Kennzeichnung von Netzen, um diese leichter wiederauffindbar zu machen, wenn sie verloren gehen. Geplant ist auch, Meeresgebiete mit treibendem Müll zu kartographieren.

Beide Maßnahmen sind wichtige Instrumente, um Abfall aufzuspüren. Es gibt jedoch auch Erfolge zu verzeichnen: Inzwischen bergen über 120 Fischer Müll aus Nord- und Ostsee. "Wir sind noch lange nicht am Ziel und wir werden uns noch viele Maßnahmen ausdenken müssen. Dafür brauchen wir viele kluge Köpfe und viel Einsatz", betonte Ministerin Hendricks. Sie dankte allen Teilnehmern für ihr Engagement.

Plastik prägt den Konsumalltag

Meeresmüll.Bild vergrößern Fakten zum Meeresmüll. Foto: Bundesregierung

Der schnelle "Coffee to go", die "hygienisch" in Plastik abgepackten Lebensmittel, Kleidung aus Synthetikfasern, Heimwerkerartikel, Baumaterialien, Spielzeug – der Alltag ist von Plastik und Plastikverpackungen geprägt.

Ein Großteil dieser Verpackungen oder Kunststoffartikel landet nicht im Mülleimer oder der Wertstofftonne, sondern in der Umwelt. Der nächste Regen spült sie in den heimischen Fluss und dieser entwässert ins Meer.

Meeresmüll ist eine Folge der Wegwerfkultur – und davon, wie produziert und konsumiert wird. Auch die sogenannten "Bioplastikprodukte" können nicht vollständig abgebaut werden. Weltweit werden jedes Jahr rund 299 Millionen Tonnen an Kunststoffen produziert. Mindestens zehn Prozent davon gelangen früher oder später ins Meer.

Wer Meeresmüll vermeiden will, muss auf dem Land anfangen und die Entstehung von Müll verringern. Hier gebe es gute Fortschritte, so Hendricks. Sie verwies auf die Selbstverpflichtung des Einzelhandels, die Verwendung von Plastiktüten zu reduzieren. Weiterhin habe der Bund mit dem neuen Verpackungsgesetz dafür gesorgt, dass es höhere Recyclingquoten für Kunststoffabfälle gebe. Auch werden die Weichen gestellt, um den Einsatz von Plastik in der Produktion zu verringern. So gebe es mit der Kosmetikindustrie Gespräche, um die Verwendung von Mikroplastik in Pflegeprodukten zu beenden.

Internationale Anstrengungen sind weiter notwendig

Meeresmüll ist ein weltweites Problem. Rund um den Globus werden 100 bis 140 Millionen Tonnen an Abfällen in den Meeren vermutet. Mega-Müll-Strudel gibt es inzwischen nicht nur im Pazifik, sondern auch im Atlantik Nationale wie europäische Anstrengungen brauchen deshalb dringend internationale Vereinbarungen, um dem globalen Problem Meeresmüll wirksam begegnen zu können.

Deutschland habe das Bewusstsein über die Notlage der Meere entscheidend vorangebracht, sagte Hendricks. Sie verwies auf die erste Weltozeankonferenz der Vereinten Nationen. "Im Jahr 2017 sind wir international deutlich vorangekommen bei der gemeinsamen Verständigung über das Problem, aber auch bei der Entwicklung von ersten Lösungsvorschlägen", so die Bundesumweltministerin.

Merkel: "Brauchen internationale Abkommen"

Auch die G20 befassten sich auf dem Gipfeltreffen 2017 in Hamburg mit dem Thema Meeresmüll. Wie wichtig internationale Abkommen sind, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Interview am 11.September nochmals deutlich unterstrichen: "Was diese Vermüllung anbelangt, so haben wir in unserer G20-Präsidentschaft das auch zum Thema gemacht. Wir versuchen hier, mit all den internationalen Akteuren wirklich darauf hinzuweisen, dass das ein jahrzehntelanges Drama ist für die Fische, für die Fauna und auch für die Pflanzen in den Meeren. Wir brauchen hier internationale Abkommen."

Mittwoch, 13. September 2017

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