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Expertentreffen der G20

Resistente Keime wirksam bekämpfen

Erstmals haben sich G20-Experten für öffentliche Gesundheit und Tiergesundheit getroffen, um über die Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen zu sprechen - eine Initiative der deutschen G20-Präsidentschaft. Deutschland ist in diesem Feld Vorreiter: Die Abgabe von Antibiotika an Tierärzte hat sich seit 2011 mehr als halbiert.

Fleckvieh steht in Bösleben auf einer Weide In Deutschland hat sich hat sich der Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung seit 2011 mehr als halbiert. Foto: Ronny Hartmann

"Resistente Keime sind unsichtbare Feinde, die vor Landesgrenzen nicht haltmachen." Das hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe zu Beginn der ersten Tagung von Experten der G20 für öffentliche Gesundheit und Tiergesundheit betont. Umso wichtiger sei es, der wachsenden Gefahr gemeinsam entgegenzutreten und "von den Erklärungen zu den Taten" zu gelangen.

Schutz von Mensch, Tier und Umwelt

Diesem Ziel dient auch die Fachkonferenz in Berlin, die erstmals in diesem Format stattfindet. Die G20-Gesundheitsminister hatten das Expertentreffen in der sogenannten "Berliner Erklärung" verabredet. Mit ihrem engen Austausch wollen die G20-Länder die internationalen Anstrengungen "zum Schutz von Mensch, Tier und Umwelt vor gefährlichen Keimen" weiter vorantreiben, so Gröhe. Zwei Tage lang befassen sich die Teilnehmer mit der Frage, wie die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen begrenzt und die Wirksamkeit von Antibiotika erhalten werden kann.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt zeigte sich "froh und stolz", dass nun in solch hoher Qualität der wichtige Austausch über eines der drängendsten Themen unserer Zeit stattfinde. Die Experten der Human- wie Tiermedizin verlassen damit ausgetretene Pfade.

Diese Zusammenarbeit sei ganz im Sinne des "One-Health-Ansatzes". Dieser sieht vor, den Antibiotikaeinsatz sowohl beim Menschen als auch in der Tierzucht disziplinübergreifend zu analysieren. Es sei notwendig, "dass wir uns weiterhin gemeinsam, vernetzt und als Ganzes bemühen, den Bedarf für Antibiotikaeinsätze zu minimieren", so Schmidt.

Deutschland ist Vorreiter

Beim Treffen der G20-Gesundheitsminister im Mai 2017 hatten alle Teilnehmer zugesagt, bis Ende 2018 mit der Umsetzung Nationaler Antibiotika-Aktionspläne zu beginnen. Sie wollen sich für eine Verschreibungspflicht stark machen und die Antibiotika-Forschung vorantreiben. Mit der bereits 2015 verabschiedeten Deutschen Antibiotika Resistenzstrategie (DART 2020) nimmt Deutschland eine Vorreiterrolle ein. Zum G20-Gesundheitsministertreffen im Mai hatte die Bundesregierung einen Zwischenbericht zum Stand der deutschen Anstrengungen vorgelegt.

In der Abschlusserklärung des G20-Gipfels in Hamburg haben sich alle teilnehmenden Staaten dazu bekannt, auf Grundlage des "One-Health-Ansatzes" antimikrobielle Resistenzen zu bekämpfen. Gemeinsam wollen die G20-Staaten einen verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika fördern. Dazu gehört beispielsweise, ihren Einsatz in der Tiermedizin allein auf therapeutische Zwecke zu begrenzen. Durch mehr Zusammenarbeit wollen die G20 Grundlagenforschung und Produktentwicklung verbessern.

Weniger Antibiotika abgegeben

Ein wichtiges Ziel im Kampf gegen die gefährlichen Resistenzen ist es, weniger Antibiotika in der Tierhaltung einzusetzen. Für Deutschland hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erfreuliche aktuelle Zahlen vorgelegt: Seit 2011 hat sich die Abgabe von Antibiotika an Tierärzte mehr als halbiert.

Auch Antibiotika, die für Menschen von besonderer Bedeutung sind (sogenannte Reserveantibiotika), werden – je nach Wirkstoffklasse - etwas weniger oder gleichbleibend oft abgegeben. "Unser Minimierungskonzept wirkt", so der Bundeslandwirtschaftsminister. Um vor allem die Abgabe von Reserveantibiotika weiter zu reduzieren, müssten Veterinär- und Humanmedizin auch weiterhin eng zusammen arbeiten.

Mittwoch, 13. September 2017