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Haus der Kulturen der Welt

Unendliches Leben

Die Ausstellung "Art Without Death" im Berliner Haus der Kulturen der Welt verknüpft historisches Material russischer Künstler der Avantgarde mit zeitgenössischen Positionen. Im Mittelpunkt steht dabei der russische Kosmismus.

Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt: Anton Vidokle, Filmstill aus 'Immortality and Resurrection for All', 2017 Der zeitgenössische Filmkünstler Anton Vidokle greift die kosmistische Utopie der Unsterblichkeit neu auf. Foto: Anton Vidokle, Filmstill aus 'Immortality and Resurrection for All', 2017

Der Tod, seine Überwindung und das Leben danach - diese Themen sind die Evergreens von Philosophie, Kunst und Religion. Die Ausstellung "Art Without Death" im Haus der Kulturen der Welt (HKW) ergründet die zeitgenössische Perspektive auf die Strömung des Russischen Kosmismus. Diese Bewegung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts machte sich aus ihrer Begeisterung für Wissenschaft und Technik die Unsterblichkeit - als oberstes Ziel der Technologieentwicklung - zum Leitmotiv. Das ewige Leben für alle sollte zur wahren sozialen Gerechtigkeit, zur Befreiung von irdischen Beschränkungen des Lebens, zur Errichtung des Kosmos auf Erden führen.

Die Ausstellung "Art Without Death" ist noch bis zum 3. Oktober 2017 zu sehen. Sie findet im Rahmen des vierjährigen Projektes "100 Jahre Gegenwart" im Haus der Kulturen der Welt statt. Das HKW ist Teil der Kulturveranstaltungen des Bundes GmbH, die aus dem Haushalt der Kulturstaatsministerin gefördert wird.

Bilder aus der Vergangenheit

"Art Without Death" zeigt historische Werke der Fotografie über Malerei bis hin zu Collage und weist auf ihre gemeinsame Idee des unendlichen Daseins hin. Die kosmistischen Werke von Künstlerinnen und Künstlern wie Alexander Rodtschenko, Gustavs Klucis oder Ksenija Ender - einige schlicht mit "Konstruktion" betitelt - sind Visionen technischer Entwicklungen der Zukunft. Abstrahierte Bilder von Menschen, Klängen und Bewegungen zeugen vom Umdenken in der künstlerischen Formensprache.

Filme aus der Gegenwart

Der russische Künstler Anton Vidokle überträgt in einer Trilogie aus drei etwa halbstündigen Filmen die philosophischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Ideen des Kosmismus in die Gegenwart. Zugleich schafft er Querverbindungen zu aktuellen ethischen Fragen. So verbindet Vidokle zum Beispiel Aufnahmen von Friedhöfen und Museen mit surreal inszenierten Personen sowie synthetischen Klängen und Zitaten aus kosmistischen Schriften. Er spürt den Einflüssen des Kosmismus im postsowjetischen Raum nach und führt den Utopiegedanken zeitgenössisch fort.

Blicke in die Zukunft

Das Haus der Kulturen der Welt präsentiert Vidokles Filme in drei voneinander getrennten Kinoräumen, deren Gestaltung von muslimischen Friedhöfen in Kasachstan und dem Lenin-Mausoleum inspiriert worden sind. Hierin kommt die Beschäftigung mit der Vergänglichkeit zum Ausdruck.

Diese Ausstellungsarchitektur von Nikolaus Hirsch und Michel Müller lässt die Besucher und Besucherinnen nicht nur voll und ganz in das Werk Vidokles eintauchen. Die konzentrierte Betrachtung der Filme zieht die Zuschauerinnen und Zuschauer mitten hinein in die veränderte Zeitwahrnehmung, die die Kosmisten als Folge von Unsterblichkeit zu erfassen versuchten.

Montag, 11. September 2017