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Max Giesinger im Interview

Demokratie ist "sinnvollste Regierungsform"

Beim diesjährigen Tag der offenen Tür der Bundesregierung ist auch Popstar Max Giesinger dabei. Der deutschsprachige Sänger feierte mit Songs wie "80 Millionen" und "Wenn sie tanzt" große Charterfolge. Im Interview spricht er nicht nur über kommende Projekte, sondern verrät auch, was er als Bundeskanzler tun würde.

Max Giesinger Max Giesinger wurde am 3. Oktober 1988 in Waldbronn im Schwarzwald geboren. Foto: Kai Marks

Der Tag der offenen Tür der Bundesregierung steht unter dem Motto "Lust auf ein Date mit der Demokratie?" Was bedeutet es Ihnen, hier aufzutreten?

Die "Demokratie" ist eine der größten Errungenschaften unserer Zeit. Auch wenn es hier und da immer wieder Probleme mit ihr gibt, ist sie für mich die sinnvollste Regierungsform. Hier aufzutreten ist für mich also etwas sehr Besonderes. Es gibt einen Special-Unplugged-Auftritt von mir und meinem Gitarristen.

Viele werfen Ihrer Generation ja vor, unpolitisch und uninteressiert am Weltgeschehen zu sein. Was sagen Sie dazu?

Über die letzten Jahre hat sich eine allgemeine Politikverdrossenheit eingestellt. Wenn sich der Otto-Normal-Verbraucher aufregt, dann teilt er irgendeinen dementsprechenden Artikel auf Facebook. Ein Klick und schon hat man das Gefühl, was für die Allgemeinheit getan zu haben. Das ist natürlich einfacher, als mit wehenden Fahnen auf den Straßen aufzumarschieren. Auf der anderen Seite leben wir momentan in relativ sicheren Zeiten. Wir stecken nicht mehr im Kalten Krieg, wo die Welt kurz vorm dritten Weltkrieg stand.

Besonders für Kinder und Jugendliche sind Popstars oft große Vorbilder. Was raten Sie jungen Menschen?

Lasst euch nicht von eurem Umfeld limitieren. Studier' nicht nur BWL, weil deine Eltern das wollen. Sondern hör in dich hinein und zieh dein eigenes Ding durch. Und bleib an deinen Träumen dran. Rückschläge gehören immer dazu.

Musiker wie Bono oder Bob Geldof nutzen ihren Celebrity-Status für gute Zwecke. Welchen Stellenwert hat soziales und politisches Engagement für Sie?

Als Künstler hat man ein großes Sprachrohr und es macht natürlich total Sinn, das zu nutzen. Ich bin Botschafter der Herzenssache in Ba-Wü. Dort setz ich mich für Kids ein, mit denen es das Leben nicht so gut gemeint hat.

Wenn man sich als Künstler politisch einsetzen will, setze ich da großes politisches Know-How voraus. Um da selbst ein gutes Gefühl dafür zu bekommen, muss ich mich einfach noch mehr in politische Belange reinfuchsen. Da hab ich bisher leider nicht so den riesen Plan. Was ich weiß, ist, dass es unglaublich wichtig ist, wählen zu gehen, damit wir bei der nächsten Bundestagswahl keine bösen Überraschungen bekommen.

Ihr Song "80 Millionen" wurde während der Fußball-EM 2016 zum Hit und stieg bis auf Platz 2 der deutschen Charts. Wie hat dieser Erfolg Ihr Leben verändert?

Mein Leben hat sich massiv verändert. Ich bin seither ununterbrochen auf Tour und habe wirklich viel zu tun. Mit meinem musikalischen Durchbruch ist für mich selbstverständlich auch ein großer Traum in Erfüllung gegangen und es fühlt sich einfach verdammt gut an, wenn man ein langersehntes Ziel erreicht.

Ich wollte schon immer Konzerte spielen. Am besten so viele wie möglich. 2016 waren es um die 120. Dieses Jahr spielen wir 150 Mal. Da gibt es natürlich auch Zeiten, wo man sich manchmal wünscht, einfach mal eine Woche zu Hause zu sein und wieder ein bisschen mehr Zeit für die Familie zu haben. Aber das wird auch irgendwann wieder ein bisschen ruhiger werden.

Wird es zur Fußball-WM 2018 auch einen Song von Max Giesinger geben?

Bisher ist nichts geplant und ich glaube auch, dass es schöner ist, wenn so etwas spontan entsteht. Bei "80 Millionen" war das so und auch bei "Auf uns" von Andreas Bourani. Die Nation wählt ihren Fußball-Hit. Ich glaube nicht, dass so ein Lied entsteht, wenn man sich hinsetzt und sagt: "So, ich schreib jetzt mal 'ne Fußballhymne".

Das Lied "Wenn sie tanzt" haben Sie Ihrer Mutter gewidmet. Es hat viele Menschen sehr berührt. Was steckt dahinter?

Da steckt eine echte Geschichte dahinter. Meine Mutter hat früher immer viel gearbeitet und ist abends spät nach Hause gekommen. Wenn sie gestresst war, konnte sie mit Hilfe der Musik immer unglaublich gut abschalten. Irgendwann dachte ich mir: "Warum nicht die Geschichte in ein Lied packen?"

Während Sie in einer Castingshow zunächst auch englischsprachige Songs interpretiert haben, singen Sie auf Ihren Soloalben in Deutsch. Was war dafür ausschlaggebend?

Ich habe beides für mich ausprobiert und habe nach meinem Gefühl entschieden, was sich für mich besser anfühlt. Die ersten deutschen Lieder habe ich 2006 geschrieben und die habe ich auch noch irgendwo auf dem Rechner rumliegen. Als Künstler freut man sich natürlich über den derzeitigen Deutschpop-Hype.

Können Sie uns etwas über Ihre bevorstehenden Projekte verraten?

Im Herbst wird nochmal ein letzter Tour-Teil zu meinem aktuellen Album "Der Junge, der rennt" kommen. Danach geht's für mich ins Ausland. Neue Lieder schreiben und mal ein bisschen reflektieren, was die letzten zwei Jahre so passiert ist.

Mal angenommen, Sie würden für einen Tag den Platz von Bundeskanzlerin Merkel einnehmen – was würde Max Giesinger als Kanzler tun?

Na, mal ehrlich: Ein Tag würde ja niemals ausreichen, um einen Gesetzesentwurf durchzubringen. Falls Angie die Nummer hat, würde ich Trump immer wieder anrufen und auflegen - einfach nur, um zu nerven.

Zu guter Letzt: Was würden Sie von Angela Merkel wissen wollen, wenn Sie ihr persönlich begegnen?

Wie gehen Sie denn seit Jahren mit dem ganzen Stress und Druck um, der auf Ihren Schultern lastet?

Dienstag, 22. August 2017

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