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Klimawandel

Wenn das Wetter verrücktspielt

Der Verkehr lahmgelegt, voll gelaufene Keller, überflutete Städte: Fast überall in Deutschland kam es diesen Sommer zu heftigen Regenfällen und Hochwasser. Experten gehen davon aus, dass die Erderwärmung dafür verantwortlich ist. Die Bundesregierung reagiert mit einer Doppelstrategie auf den Klimawandel.

Kinder radeln auf einer überschwemmten Straße in Wolfenbüttel, Norddeutschland. Wolfenbüttel Ende Juli: Für Starkregen und Hochwasser ist vermutlich der sogenannte Treibhauseffekt verantwortlich. Foto: Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Ein Sommer mit Extremwetter: Starkregen legt den Bahnverkehr in Frankfurt lahm, Menschen in Goslar werden evakuiert, in Hildesheim werden Dämme gebaut und die Innenstadt von Wolfenbüttel wird gesperrt.

"Trog Mitteleuropa" nennen Fachleute dieses Sommerwetter. In Mitteleuropa sorgt es immer häufiger für heftigen Regen und eine steigende Hochwassergefahr. Die erhitzte Atmosphäre, der sogenannte Treibhauseffekt, ist vermutlich verantwortlich dafür, sagen Fachleute.

Höhere Temperatur bringt mehr Nässe

Denn schon wenn Luft sich um ein Grad erwärmt, kann sie sieben Prozent mehr Wasser aufnehmen. Und so funktioniert auch das Tief Mitteleuropa: Die Luft saugt sich wie ein Schwamm voll Wasser, zieht östlich an den Alpen vorbei und regnet in Mittel- und Osteuropa ab.

Das passiert immer öfter. In Deutschland ist die Temperatur seit 1881 durchschnittlich um 1,4 Grad gestiegen. Folglich transportiert die Luft deutlich mehr Feuchtigkeit. Weltweit hat sich die Temperatur um knapp ein Grad erhöht - die Entwicklung in Deutschland liegt also deutlich über dem Durchschnitt.

Zukünftig wichtig: Hohe Dämme und Mückenmittel

Doch das ist nur eine Auswirkung des erhitzten Klimas. Es führt auch zu heißeren und längeren Hitzewellen und stärkeren Stürmen. Über die vergangenen hundert Jahre ist der Meeresspiegel in Deutschland um bis zu 20 Zentimetern gestiegen. Das erfordert einen anderen Küstenschutz.

Auch Pflanzen und Tiere reagieren auf die Überhitzung der Atmosphäre: Die asiatische Tigermücke etwa fühlt sich bereits in Teilen Bayerns heimisch. Und norddeutsche Landwirte beginnen sich für Weinanbau zu interessieren.

Der Trend zu immer höheren Temperaturen bleibt ungebrochen: Weltweit betrachtet war 2016 als drittes Jahr in Folge das wärmste Jahr seit den Temperaturaufzeichnungen. Und das setzt sich auch 2017 fort, prognostiziert der aktuelle Jahresbericht der Weltorganisation für Meteorologie.

Was tut die Bundesregierung?

Die Bundesregierung reagiert mit einer Doppelstrategie auf den Klimawandel: Mit Maßnahmen zum Klimaschutz und mit Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels.

Zentral für den Klimaschutz ist der Deutsche Klimaschutzplan. Er setzt ehrgeizige Ziele für alle Lebensbereiche, um weniger Treibhausgase zu produzieren. Deutschland hat seit dem Vergleichsjahr 1990 seinen CO2-Ausstoß bereits um rund 27 Prozent reduziert.

Als großes Klimaschutz-Programm kann die Energiewende gelten: Sie stellt die Produktion von Strom und Wärme langfristig um. Weg von der Verbrennung fossiler Energieträger mit hohem CO2-Ausstoß hin zur Energie aus Sonne, Wind und Wasser ohne CO2-Ausstoß. Gleichzeitig hilft Energiesparen dem Klimaschutz, deshalb dienen zahlreiche Förderprogramme der Bundesregierung diesem Ziel. So fördert etwa die KfW energiesparendes Bauen und Wohnen mit Zuschüssen und günstigen Krediten für Privatpersonen, Unternehmen und Kommunen.

Auf internationaler Ebene ist Deutschland dem Pariser Klimaschutzabkommen der UN beigetreten. Darin verpflichten sich die Staaten dazu, den Anstieg der Erwärmung auf unter zwei Grad zu beschränken. Der deutsche Klimaschutzplan ist Fahrplan, um dieser Verpflichtung in Deutschland nachzukommen. Mit seiner Einsparung über die vergangenen 20 Jahre bleibt Deutschland weiterhin Klimaschutz-Vorreiter. Zudem setzt sich Deutschland für einen funktionierenden Emissionshandel in der EU und weltweit ein.

Gleichzeitig gibt es in Deutschland seit 2008 die Klimafolgen-Anpassungsstrategie. Sie beschäftigt sich mit Maßnahmen, die Städte und Landwirtschaft rüsten sollen gegen die Symptome des Klimawandels: etwa durch Verstärkung der Deiche, einem neuen Hochwasserschutzgesetz und Strategien gegen neue exotische Pflanzen- und Tierarten, die heimische Arten bedrohen. Oder mit ganz praktischen Handlungsempfehlungen: So gibt es ganz neu einen Leitfaden, der Kommunen unterstützt, angemessen auf Hitzeperioden zu reagieren.

Was kann jeder einzelne tun?

Information und Vorsorge sind wichtig für den wirksamen Schutz vor Extremwetter. Apps des Deutschen Wetterdienstes und des Bundesamts für Bevölkerungsschutz etwa informieren rechtzeitig über drohende Unwetter oder Hitzewellen.

Oft ist eine gute Vorsorge der beste Schutz: Nicht nur die Notfallpläne von Bund, Ländern und Kommunen sind wichtig und funktionieren meist reibungslos. Auch selbst Bescheid zu wissen, hilft, größere Schäden zu vermeiden. Hinweise für eine ordentliche Vorsorge gibt beispielsweise der Ratgeber des Bundesamts für Bevölkerungsschutz.

Und gegen die Erhitzung des Klimas kann jeder mit seinem eigenen "Klimaschutzplan" etwas tun: Ein möglichst umweltschonender Lebensstil mit vielen gut überlegten Entscheidungen im Alltag hilft dabei. Ideen dazu finden sich im Nachhaltigen Warenkorb des deutschen Nachhaltigkeitsrats.

Donnerstag, 17. August 2017

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Heute aktuell:

  • Nordkorea Neue Sanktionen der EU
  • Gabriel bei UN-Generalversammlung Fairer Interessenausgleich aller Nationen
  • Abkommen vorläufig in Kraft CETA bringt große Vorteile für EU