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Grünes Band

Vom Todesstreifen zum Naturparadies

Die Fläche der früheren deutsch-deutschen Grenze ist heute das "Grüne Band". Der rund 1.400 Kilometer lange ehemalige "Todesstreifen" hat sich zum "Naturparadies" gewandelt. Damit das so bleibt, braucht Deutschlands längstes Biotop Schutz und Weiterentwicklung.

Schild "Naturschutzgebiet" bei der Gedenkstätte Point Alpha in der Nähe von Rasdorf in Thüringen.. Das "Grüne Band", hier nahe Rasdorf in Thüringen, ist ein naturbelassenes Zeugnis deutscher Geschichte. Foto: Sebastian Bolesch

"Das Grüne Band ist von herausragender Bedeutung für den Naturschutz. Deutschlands einziger länderübergreifender Biotopverbund besteht in großen Teilen aus wertvollen Grünlandbiotopen", erläutert Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

Natur erfahren und Geschichte erleben

Das "Grüne Band" zieht sich durch fast alle deutschen Landschaften - von den norddeutschen Niederungsgebieten bis hin zu den Mittelgebirgen. Über Jahrzehnte konnte sich die Natur entlang des ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifens nahezu ungestört entwickeln.

Bundesumweltministerin Hendricks wanderte zwischen Hoyersburg in Sachsen-Anhalt und Lübbow in Niedersachsen am "Grünen Band". So verschaffte sich die Ministerin einen Eindruck von dieser vielfältigen Landschaft auf engstem Raum. Das Salzfloragebiet bei Hoyersburg etwa ist ein Lebensraum für Pflanzen, die sonst nur an Meeresküsten vorkommen. Die Brietzer Teiche nördlich von Salzwedel wiederum sind ein Mosaik von Feuchtbiotopen für Amphibien, Libellen und Vögel, die im Flachwasser jagen. Auch Kraniche lieben das Gebiet. Hingegen mutet der Erlenbruchwald des Bürgerholzes Salzwedel wie ein Urwald an.

Auch historisch ist es bedeutsam, diese früher kaum überwindbare Grenze als ein lebendiges – grünes - Denkmal der neueren Zeitgeschichte zu bewahren. Denn auf dem rund 190 Kilometer langen Vier-Länder-Grenzradweg zwischen Wendland und Altmark gibt es zahlreiche Grenzerfahrungspunkte. So kann man zum Beispiel den früheren Wachturm bei Hoyersburg als Aussichtspunkt besteigen. Möglich ist auch, die Reste geschleifter Dörfer und historischer Siedlungsplätze zu besichtigen.

Lebensräume schützen

Im "Grünen Band" gibt es aber auch Lücken. Um die Artenvielfalt zu erhalten, ist eine umfassende Vernetzung der Biotope überlebenswichtig: Arten müssen zwischen den vorhandenen Gebieten wechseln oder sich in neuen Lebensräumen ansiedeln können. Dies fördert den genetischen Austausch und somit die Anpassungsfähigkeit an neue Umweltbedingungen. Hierfür ist es nötig, die Schutzgebiete durch Lebensraumkorridore miteinander zu verbinden. Bei den Lückenschluss-Projekten arbeiten der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Anrainer vor Ort eng zusammen.

"Grünlandbiotope sind bundesweit von Vernichtung bedroht", mahnt Hendricks. "Dass sie im 'Grünen Band' noch vorhanden sind, ist der langjährigen Zusammenarbeit des BUND mit extensiv arbeitenden Landwirten zu verdanken. Das 'Grüne Band' ist ein Leuchtturmprojekt, das auch in der Diskussion um die Zukunft der Landwirtschaft Vorbildcharakter für gutes Zusammenwirken von der Landwirtschaft mit Naturschutz entfalten kann" , so die Ministerin weiter.

Nationales Naturerbe

Gleich nach dem Fall der deutsch-deutschen Grenze im Jahr 1989 hat der BUND ein erstes Treffen ost- und westdeutscher Naturschützer organisiert. Dabei wurde in einer gemeinsam verabschiedeten Deklaration der Begriff "Grünes Band" geprägt. Das "Grüne Band" bietet Lebensraum für mehr als 1.200 bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Es verbindet ganze neun Bundesländer auf besondere Weise miteinander.

Im November 2005 wurde das Grüne Band als Nationales Naturerbe eingestuft. Das Biotop wurde außerdem in die Nationale Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt der Bundesregierung (NBS) aufgenommen.

Das "Grüne Band" geht durch ganz Europa

Nicht nur in Deutschland waren die Menschen viele Jahre durch Streckmetallzäune und Minenfelder voneinander abgeschnitten. Der Eiserne Vorhang durchzog ganz Europa. Von der Barentssee im Norden bis ans Schwarze Meer im Süden waren Ost und West getrennt.

Heute verbindet das "Grüne Band Europa" auf einer Strecke von 12.500 Kilometern 24 Staaten über Naturregionen, die entlang der Grenzen entstanden sind. Um die Zusammenarbeit bei der Pflege des "Grünen Bandes Europa" zu fördern, Besonderheiten vor Ort zu berücksichtigen und die Koordination zu erleichtern, wurden vier Hauptabschnitte mit Regionalkoordinatoren aufgeteilt: Fennoskandien, Ostseeregion, Zentraleuropa und Balkan.

Das Bundesumweltministerium fördert seit 2003 über das Bundesamt für Naturschutz (BfN) die Initiative "Grünes Band Europa".

Dienstag, 15. August 2017