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Mauerbau am 13. August 1961

Berliner Mauer - das unmenschliche Bauwerk

Der Mauerbau am 13. August 1961 hat eine ganze Epoche geprägt. 28 Jahre lang teilte die Mauer Berlin, trennte Familien, zerstörte Lebenswege – und forderte zahlreiche Menschenleben. Generationen von Deutschen litten unter den Folgen der deutschen Teilung.

Passanten sehen in der Sebastianstraße (Westberliner Seite) Grenzsoldaten beim Mauerbau zu. Für die Berliner Bevölkerung kommt der Mauerbau am 13. August 1961 völlig überraschend. Foto: Bundesregierung/Lehnartz

Der 13. August 1961 ist ein Sonntag. In den frühen Morgenstunden beginnen Bauarbeiter an den Sektorengrenzen zwischen Ost- und Westberlin Stacheldrahtsperren zu errichten. Einheiten der Volkspolizei, der Transportpolizei und der sogenannten Betriebskampfgruppen unterbinden jeglichen Verkehr an den Sektorengrenzen. An den Verbindungsstraßen zwischen Ost und West wird das Pflaster aufgerissen.

Am Abend des Tages sagt der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt im Abgeordnetenhaus: "Der Senat von Berlin erhebt vor aller Welt Anklage gegen die widerrechtlichen und unmenschlichen Maßnahmen der Spalter Deutschlands, der Bedrücker Ost-Berlins und der Bedroher West-Berlins."

Berliner Bevölkerung völlig überrascht

Für die Berliner kommt der Mauerbau völlig überraschend. Hatte doch DDR-Staatschef Walter Ulbricht noch am 15. Juni gesagt: "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen." Doch kaum zwei Monate später ist der Satz nicht mehr gültig.

Von einem Tag auf den anderen sind Familien zerrissen, Freunde und Nachbarn getrennt. In den darauffolgenden Tagen und Wochen kommt es zu bewegenden Szenen: Verzweifelte Menschen versuchen über die Absperrungen hinweg Kontakt zu ihren Angehörigen aufzunehmen. Viele sehen ihren Weg nur in der Flucht.

Bald bezahlen die ersten ihre Fluchtversuche mit dem Leben. Wie der 24-jährige Günter Litfin aus Berlin-Weißensee, der am 24. August 1961 in der Nähe der Charitè erschossen wurde. Er war der erste Mauertote, der durch Waffengewalt starb.

Opfer der deutschen Teilung

Die Absperrungen um Berlin werden zu einer fast 160 Kilometer langen, schwer bewachten Grenzanlage ausgebaut. Damit gelang es dem DDR-Regime zwar, die massenhafte Fluchtbewegung zu stoppen. Die Sehnsucht nach Freiheit blieb bei vielen DDR-Bürgerinnen und Bürgern aber weiter bestehen.

In den kommenden Jahren und Jahrzehnten versuchen die Menschen immer wieder die Mauer und die innerdeutsche Grenze zu überwinden – trotz Stacheldraht, Minen und Schießbefehl. Und trotz des Wissens, dass auf versuchte "Republikflucht" hohe Gefängnisstrafen standen.

Etwa 71.000 Menschen mussten zwischen 1961 und 1989 Haftstrafen verbüßen, weil sie von einem Teil Deutschlands in den anderen wollten. 327 Männer und Frauen bezahlten ihre Fluchtversuche mit dem Leben, allein an der Berliner Mauer kamen mindestens 139 Menschen ums Leben. Zigtausende mussten berufliche und private Nachteile hinnehmen, weil sie Ausreiseanträge gestellt hatten.

Am 5. Februar 1989 fielen die letzten Todesschüsse an der Mauer als Grenzsoldaten die Flucht des 20-jährigen Chris Gueffroy verhinderten.

Die Zahlen zu den Todesopfern an der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze stammen aus dem "Totenbuch II" vom Juni 2017. Grundlage dieses Buches ist eine Studie des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität Berlin.

DDR missachtete Freizügigkeitsrecht

"Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren", lautet Artikel 13 Absatz 2 der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte". Mit ihrem Beitritt zu den Vereinten Nationen 1973 hatte die DDR die Menschenrechtsdeklaration und damit auch das Recht auf Freizügigkeit anerkannt.

Das SED-Regime respektierte es – wie auch andere Menschenrechte – jedoch nicht. Im Gegenteil: Von Jahr zu Jahr wurde die Grenze undurchlässiger. Mit ungeheurem Aufwand versuchte die DDR, "Republikfluchten" zu verhindern. Schon wer mit einem Schlauchboot an die Ostsee unterwegs war, machte sich in den Augen des Staatssicherheitsdienstes verdächtig. Und selbst in Reisebüros hatte die Stasi ihre Spitzel.

Noch im Januar 1989 behauptete SED-Chef Erich Honecker, die Mauer werde in 50 und auch in 100 Jahren noch stehen. Es sollte nicht sein einziger Irrtum in diesem schicksalsträchtigen Jahr bleiben.

Bund fördert Aufarbeitung und Gedenken

Heute ist die Teilung Berlins und Deutschlands Geschichte. Am 9. November 1989 setzte die Friedliche Revolution der deutschen Teilung und dem Regime in der DDR ein Ende - die Mauer fiel.

Es bleibt notwendig, an das Unrecht der SED-Diktatur zu erinnern und der Opfer zu gedenken. Gerade junge Menschen sollen und müssen über diese Zeit und die Unterschiede zwischen Demokratie und Diktatur aufgeklärt werden. Der Bund unterstützt deshalb Gedenkstätten und andere Orte, die ganz gezielt an die deutsche Teilung und ihre Opfer erinnern.

Zentraler Ort der Erinnerung ist die Gedenkstätte Berliner Mauer, die seit 1998 auf dem früheren Grenzstreifen an der Bernauer Straße errichtet wurde. Eine wichtige Rolle spielen aber auch die Erinnerungsstätte auf dem Gelände des früheren Notaufnahmelagers Marienfelde als zentrales Museum in Deutschland zum Thema Flucht und Ausreise aus der DDR. Wichtig ist auch der sogenannte Tränenpalast, die frühere Grenzabfertigungsstelle am Berliner Bahnhof Friedrichsstraße, dessen Dauerausstellung anschaulich vom deutschen Alltag angesichts von Teilung und Grenze erzählt.

Freitag, 11. August 2017

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Chronik 1989/1990

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