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Ausstellung in der Nationalgalerie

Frequenz-Raum-Kunst

Starthilfe für innovative Ideen: In der neuen Ausstellungsreihe "Rundgang 50Hertz" zeigt die Nationalgalerie in Berlin Werke junger Künstlerinnen und Künstler. Zum Auftakt sind Abschlussarbeiten von vier Kunststudentinnen aus Berlin, Hamburg und Leipzig zu sehen.

Staatlichen Museen zu Berlin, Emma AdlerEEEEF#GE, 2015 Videostill, Video, 7 Min., Loop Besitz der Künstlerin© Emma Adler Werk von Emma Adler in der Ausstellung „Rundgang 50 Hertz“ Foto: Emma AdlerEEEEF#GE, 2015 Videostill, Video, 7 Min., Loop Besitz der Künstlerin/Emma Adler

Erwartbare Gemäldewände im White Cube eines Museums - auf altbewährte Ausstellungskonzepte stößt man hier nicht. Die Schau "Rundgang 50Hertz" erprobt neuartige Formen für zeitgenössische Inhalte. Emma Adler, Asana Fujikawa, Susanne Keichel und Cosima zu Kyphausen sind vier junge Absolventinnen der Kunsthochschulen Berlin-Weißensee, Hamburg sowie der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Ihre Werke reichen von Malerei über Skulptur bis zur multimedialen Rauminstallation. Politische, sozialkritische und das jeweilige Medium reflektierende Inhalte haben die Absolventinnen in diesen Formaten umgesetzt.

Ambitionierte Nachwuchsförderung

Bis 2019 zeigt die Nationalgalerie in Berlin in einer jährlichen Sommerausstellung Abschlussarbeiten, die an den Kunsthochschulen in Berlin, Hamburg und Leipzig entstanden sind. Die Staatlichen Museen zu Berlin sind über die Stiftung Preußischer Kulturbesitz vom Bund und allen Ländern finanziert. Drei Viertel der laufenden Betriebskosten trägt Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Gezeigt werden die Werke im Erdgeschoss des Unternehmenssitzes von 50Hertz, einem Stromübertragungsnetzbetreiber.

Architektur, Keramik, Fotografie

Ganz besonders ist auch die räumliche Einbettung der Werke. Der Architekt Florian Stirnemann hat mit seiner Konstruktion aus gewölbten, ineinander verschobenen Wänden Ausstellungsflächen konzipiert, die eine statische Raumwahrnehmung brechen. Die Architektur ermöglicht eine innovative Blickführung und zollt jedem Kunstwerk einzigartige Aufmerksamkeit. Matilda Felix hat die Ausstellung kuratiert.

Metapher der Metamorphose

Asana Fujikawa hat mit ihrer Arbeit "Waldmenschen" ein Narrativ aus Mythologien aufgegriffen: Ihre Keramikskulpturen sind Hybride - Mischwesen aus Bäumen und Menschen. Eibenzweige ranken aus menschlichen Torsos, die mit orangefarbenen Waldarbeiterlatzhosen bekleidet sind. Skurril und düster ist diese märchenartige Welt, die die Hamburger Künstlerin mit ihren Werken erzählt: In der unaufhaltsamen Verwandlung zur Eibe versuchen die Waldarbeiter, ihre Seelen in selbst erschaffene Behältnisse zu retten. Im mythologisch verdichteten Motiv der Metamorphose verarbeitet die Künstlerin grundlegende Fragen zum Umgang des Menschen mit Veränderungsprozessen.

Reflexion der Kulturvermittlung

Cosima zu Knyphausen hat mit "El Gran Cuadro" eine Reihe an Malereien erstellt, die motivisch um ein Bild des Malers Johann Moritz Rugendas aus dem 19 Jahrhundert oszillieren. Sein Bild - es zeigt eine indianische Wäscherin am Fluss - wurde zum Kultbild Chiles. Cosima zu Knyphausens zeitgenössische Variationen eröffnen alternative Perspektiven auf das Originalmotiv. Sie hinterfragen die Methode der Abbildung fremder Kulturen und die identitätsstiftende Funktion von Bildern.

Arbeit am Bild

Mittelpunkte der Fotoreihe "Fluchtlinien" von Susanne Keichel sind die gesellschaftsstrukturellen Reaktionen auf Migration. Sie hat Menschen mit Migrationshintergrund, Geflüchteten-Unterkünfte und Pegida-Demonstrationen besucht und einzelne Momente fotografisch festgehalten. Ihre Motivation liegt nicht in der Dokumentation. Vielmehr setzt sich die Künstlerin mit der Lesbarkeit von politischer Fotografie auseinander, ihrer Einordnung sowie ihrer Ent- und Rekontextualisierung.

Irritation und Interaktion

Emma Adler verschränkt mit ihrer Installation "EEEEF#GE" Realität und digitales Abbild. Ihre Arbeit zeigt eine metallische Spule, sonderbar skulptural auf einem Sockel platziert. Im Fernseher davor ist eine Aufnahme ebenjener Spule zu sehen, um die Blitze zucken. Dazu ertönt eine digital erzeugte Melodie. Das Notenblatt mit Liedtext ist der Ablage am Fernseher zu entnehmen. Künstlich und entfremdet, irritiert die maschinenhafte Musik in Kombination mit der Einladung zum Mitsingen. Die Arbeit ist Ausdruck von Adlers Beschäftigung mit den Themen Digitalisierung, Fake News, Original und Abbild.

Die Ausstellung im Erdgeschoss des Unternehmenssitzes von 50Hertz ist noch bis 13. August zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Donnerstag, 10. August 2017

Zusatzinformationen

Heute aktuell:

  • Raketen- und Nukleartests Nordkorea: Konflikt politisch lösen
  • Podcast Merkel: Ohne UNO eine schlechtere Welt
  • Rohingya-Minderheit Humanitäre Hilfe für Menschen in Myanmar