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Startup mit Senioren

Omas Apfelkuchen 2.0

Apfelkuchen nach Omas Art kommt immer gut an. Das dachten sich auch Katharina Mayer und Katrin Blaschke und machten sich vor gut drei Jahren mit einer ungewöhnlichen Geschäftsidee selbstständig. Sie setzen dabei ganz auf das Können Älterer.

Bärbel Neumann (grüne Schürze), Irmgard Pertel (lila Schürze) und Norbert Kuck backen für das Unternehmen Kuchentratsch in München. Bei .kuchentratsch treffen sich Seniorinnen und Senioren zum gemeinsamen Backen und Tratschen. Foto: Katrin Blaschke (CC BY-ND 2.0) www.flickr.com/photos/133830856@N07/21683915753

Die Kuchen-Manufaktur ".kuchentratsch" steht und fällt mit ihren backenden Seniorinnen und den Spezialitäten, die sie Tag für Tag produzieren. Von Apfelkuchen über Käsekuchen bis zu Zupfkuchen reicht die Palette der Köstlichkeiten nach Rezepten aus alter Zeit.

"Nach Omas Art" ist zu einem Prädikat geworden, das so manche Produktverpackungen ziert. Wenn es ums Kochen und Backen geht, kann älteren Frauen kaum jemand etwas vormachen, dachten auch Katrin Blaschke und Katharina Mayer. Die beiden jungen Münchnerinnen profitieren vom positiven Image backender Seniorinnen. Ihr Konzept: Ältere Damen backen traditionelle Rezepte. Und das kommt, wie Blaschke sagt, "total gut an. Es bestellen definitiv viele bei uns Kuchen, weil er eben von Oma gebacken ist". Mittlerweile haben die Bäckerinnen männliche Verstärkung bekommen: Vier Senioren haben sich zum Team gesellt.

Firma mit sozialem Anspruch

Der Startschuss zu .kuchentratsch fällt im April 2014. Katharina Mayer bringt aus ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau praktische Kenntnisse aus der Gastronomie mit. Außerdem hat sie sich in ihrem Bachelor-Studium in Sozial- und Gesundheitsmanagement mit sozialen und gesellschaftlichen Problemen auseinandergesetzt. Gemeinsam mit ihrer Freundin Katrin Blaschke will sie eine Kuchenmanufaktur gründen. Sie soll älteren Menschen die Möglichkeit geben aktiv zu bleiben, sich zu integrieren und eine Tätigkeit auszuüben, die ihnen Spaß macht.

Katharina Mayer (links) und Kartrin Blaschke, die beiden Gründerinnen von .kuchentratschBild vergrößern Katharina Mayer (links) und Kartrin Blaschke, die beiden Gründerinnen von .kuchentratsch Foto: Michael Ruder (CC BY-ND 2.0)

Außerdem fördert das gemeinschaftliche Kuchenbacken den Austausch mit Gleichgesinnten und bringt den Bäckerinnen und Bäckern etwas Geld ein: Wer bei .kuchentratsch backt, ist auf 450-Euro-Basis angestellt, kann also seine Rente etwas aufbessern.

Eine Anlaufstelle für Seniorinnen und Senioren, verbunden mit einer konkreten Aufgabe: So wollen die beiden Gründerinnen ihr Unternehmen verstanden wissen. Ihren sozialen Anspruch verknüpfen sie mit Aspekten des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit: Das Mehl kommt aus der Region, die Eier sind von Hühnern aus der näheren Umgebung. Und die Milch stammt von Kühen aus dem Voralpenland.

Während einer Pilotphase wird getestet und probiert. Die beiden Jungunternehmerinnen engagieren backbegeisterte Seniorinnen aus dem Bekanntenkreis, machen sich auf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. Hürden sind zu überwinden: Die Eintragung in die Handwerksrolle ist eine. Geeignete Räumlichkeiten zu finden und sie nach den geltenden Hygienevorschriften einzurichten, eine andere. Unterstützung finden die beiden Münchnerinnen während der Gründungsphase bei Social Impact Start, einem Stipendium für soziale Startups, das das Bundesfamilienministerium im Rahmen des Projekts "Gründungsunterstützung für Sozialunternehmen II" fördert.

Kuchen jetzt auch online bestellbar

Eine Bilanz, rund drei Jahre später: Die beiden Gründerinnen betreiben ihr Unternehmen heute hauptberuflich. Sie haben einen festen Stamm von Kunden - Firmen und Cafés, die regelmäßig Kuchen bestellen. Auch Privatkunden bestellen gern für Geburtstagsfeiern, Hochzeiten oder andere Partys.

Die Aufträge sorgen dafür, dass sich das Geschäft positiv entwickelt: "Wir wachsen und gedeihen", freut sich Katrin. "Und seit zwei Monaten kann man unsere beliebtesten Kuchen nun sogar deutschlandweit online bestellen", erzählt sie. Möglich machen diesen Erfolg nicht zuletzt die 26 backenden Damen und vier Herren die inzwischen bei .kuchentratsch arbeiten. Eine von ihnen ist Oma Regina.

Oma Regina - genau so will sie genannt werden - ist 68 Jahre alt, verwitwet und hat zwei Kinder. Früher hat sie als Krankenschwester gearbeitet, seit drei Jahren ist sie in Rente. Eine Freundin hatte in der Zeitung von .kuchentratsch gelesen. "Da sie weiß, dass ich gerne backe", erzählt Oma Regina, "hat sie gesagt: Komm, das schauen wir uns an. Und so bin ich mit ihr hierhergekommen".

Spaß und Anspruch ans eigene Tun

Seit fast drei Jahren fahren die beiden nun jeden Montag zu .kuchentratsch und backen dort bestellte Kuchen - oder auch eine freie Auswahl: "Karottenkuchen, Zitronenkuchen, Schokoladenkuchen, Kirschkuchen, Apfelkuchen - eine ganze Palette", sagt Oma Regina.

Oma Regina ist eine der backenden Seniorinnen von .kuchentratschBild vergrößern Mit Spaß bei der Sache: Oma Regina ist eine der backenden Seniorinnen von .kuchentratsch Foto: Michael Ruder (CC BY-ND 2.0)

Die Rezepte zu diesen Köstlichkeiten haben die Seniorinnen und Senioren zum Teil selbst mitgebracht. Das Gros ist klassisches Backwerk, Muffins und Cookies gibt es bei .kuchentratsch allerdings auch.

Fünf bis sechs Kuchen - je nach Aufwand - backt Oma Regina an einem Tag. Ihre Arbeit macht ihr großen Spaß. "Das Zusammensein mit den anderen hier, das ist so toll und locker. Und die beiden Initiatorinnen, die Katrin und Katharina, die finden wir total nett", sagt die Seniorin und fügt hinzu, dass sie das Zubrot, das sie bei .kuchentratsch verdient, gut gebrauchen kann. Dann sagt sie - und man spürt, das ist ihr wichtig -, dass sie bei allem Spaß das Backen durchaus ernst nimmt und deshalb mit Konzentration und Anspruch an die Arbeit geht. "Das ist schon unser Bestreben, hier gute Ware abzuliefern", so Oma Regina. "Der Kunde will ein gescheites Produkt, sonst bestellt er nichts mehr."

Mittwoch, 9. August 2017

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