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Deutsch-Amharischer Konzertabend

Mehrsprachig und musisch

Künstlerinnen und Künstler aus Europa und Äthiopien untersuchen gemeinsam Formen von Musik und Dichtkunst in ihren Kulturen, entwickeln sie weiter und schaffen so Neues. Ein krönender Abschluss des Projekts, das von der Kulturstiftung des Bundes gefördert wird, war ein Konzert in Berlin.

Konzert Poetry Jazz: Wax and Gold. Konzert in der Akademie der Künste, Berlin, 2017 Impressionen vom Konzert "Poetry Jazz: Wax and Gold" in der Akademie der Künste Berlin. Foto: Maria del Pilar Garcia Ayensa/Studio Olafur Eliasson/Institut für Raumexperimente e. V.

Wer hat hierzulande schon einmal den Klang der Amharischen Sprache vernommen? Und wo wird diese Sprache überhaupt gesprochen? Die Antwort lautet: Äthiopien. Höchste Zeit, auch die dortige Kultur hierzulande sicht- und hörbar zu machen. Eine Projektreihe des Instituts für Raumexperimente brachte Kulturschaffende verschiedener Nationen in Berlin zusammen. Das Ziel war, die kulturellen, musikalischen und lyrischen Bräuche Äthiopiens sowie Europas zu erforschen und zusammenzuführen. So gab es am vergangenen Samstag in der Berliner Akademie der Künste einen Deutsch-Englisch-Amharischen Konzert- und Poesieabend.

Ermöglicht wurden diese interkulturellen Begegnungen durch die Kulturstiftung des Bundes. Diese fördert mit dem Fonds TURN künstlerische Kooperationen zwischen Deutschland und afrikanischen Ländern. Das Konzert "Poetry Jazz, Wax and Honey, I'm home" ist das Ergebnis der Zusammenarbeit der Akademie der Künste Berlin sowie des Instituts für Raumexperimente Berlin mit der Lesebühne "Tobiya Poetic Jazz" in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens.

"Wachs und Gold"

Poetisch, sinnlich und systemkritisch ist die lyrische Kunst in Äthiopien. Live-Poetry-Auftritte sind ein Ausdrucksmittel derjenigen, die ihre Kritik an Politik und Gesellschaft vor einem breiten Publikum äußern wollen. Die Texte sind darüber hinaus künstlerisch und unterhaltsam.

Als Bezeichnung für diese literarische Gattung hat sich die Bezeichnung "Wachs und Gold" eingebürgert. Das Gold steht dabei sinnbildlich für den verborgenen Inhalt der Sprache und bezieht sich auf die Bedeutungsebene. Das Wachs, Metapher für die sprachliche Oberfläche der Verse, verhüllt den Inhalt und offenbart ihn nur den Kundigen.

Musik vermittelt zwischen den Kulturen

In Äthiopien wird diese Art von Poesie mit Musik dargeboten. Jazz-Elemente und traditionelle Weisen verbinden sich mit der Lyrik zu einem Gesamtkunstwerk, das in regionalen Radiosendern längst zum Standardprogramm gehört. All diese wurde von äthiopischen Künstlerinnen und Künstlern nach Berlin importiert und hier mit Kulturschaffenden aus Europa erprobt und erweitert. So entstand eine neue, mit zeitgenössischen Elementen angereicherte Dichtungsform. Das Konzert in der Akademie der Künste in der deutschen Hauptstadt ist Teil einer mehrteiligen Deutsch-Äthiopischen Veranstaltungsreihe.

Künstlerische Kulturreflexion

Der Erkenntnisgewinn liegt nicht nur auf künstlerischer Ebene. Vielmehr wirkt die Kunst hier einmal mehr völkerverständigend. Sie zeigt, dass interkulturelle Zusammenarbeit zur Reflexion eigener und fremder Kulturen führt. Die Konzentration auf das Gemeinsame ist dabei bereichernd, sowohl persönlich als auch mit Blick auf die Gesellschaft als Ganzes.

Der Fonds TURN fördert Austausch und Kooperation zwischen deutschen und afrikanischen Kulturinstitutionen, Künstlerinnen und Künstlern. Der Fonds gehört zum Programm der Kulturstiftung des Bundes, die jährlich mit rund 35 Millionen Euro aus dem Haushalt von Kulturstaatsministerin Monika Grütters finanziert wird.

Mittwoch, 9. August 2017