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Mit Fipronil belastete Eier

Mehr Transparenz und schnellere Information

Im Fipronil-Skandal fordert Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt eine lückenlose Aufklärung und die unverzügliche Weitergabe von Informationen. Zur Verbesserung des Informationsflusses sind deutsche Verbindungsbeamte in die Behörden der Niederlande und Belgiens entsandt worden.

Viele weiße Eier auf Palletten Die Behörden haben belastete Eier-Chargen zurückgerufen. Sie nehmen nun eierhaltige Produkte in den Blick. Foto: picture alliance / Huisman Media

Nach aktuellem Kenntnisstand sind in 16 EU-Mitgliedstaaten Eier geliefert worden, die mit Fipronil belastet sind (Stand: 11. August). Die EU-Kommission hat nun angekündigt, am 26. September mit Vertretern der Mitgliedstaaten die Konsequenzen zu beraten. Ziel des Treffens ist es, aus dem aktuellen Fall Verbesserungen für die Koordination zu vereinbaren und das Schnellwarnsystem RASFF zu optimieren.

Bereits am 7. August hatte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in Telefonaten mit seinem belgischen und niederländischen Amtskollegen eine bessere Zusammenarbeit im Fipronil-Skandal vereinbart. Volle Transparenz und schnelle Informationen seien ihm zugesagt worden, so Schmidt.

Auch der Informationsfluss zwischen den EU-Staaten müsse verbessert werden, hatte er im ARD-Morgenmagazin am 8. August betont. Dazu habe er mit dem EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit telefoniert. Die Verbraucher sollten sich auf das Schnellwarnsystem verlassen können.

Jetzt im Fokus: Produkte mit belasteten Eiern

Mit allergrößter Wahrscheinlichkeit könne ausgeschlossen werden, dass noch belastete Eier auf dem Markt seien, erklärte Schmidt. Die Chargen-Nummern seien bekannt und ließen sich rückverfolgen. Jetzt gehe es "eher darum draufzuschauen, was mit den verarbeiteten Eiern wird". Man könne die Chargen bis zu den Produzenten, beispielsweise Nudelherstellern, verfolgen. Die ersten Produkte wurden bereits am 4. August zurückgerufen.

Schmidt kündigte an: "Wir werden ein Monitoring durchführen, das heißt, es werden die Produkte gescreent, die auf dem Markt sind." Notwendig sei eine lückenlose Aufklärung, betonte der Minister. "Auch wenn die gefundenen Werte sehr gering sind, Fipronil hat nichts in Lebensmitteln zu suchen." Das Monitoring, welches die Bundesregierung mit den Bundesländern vereinbart hat, soll in Kürze anlaufen.

Über zehn Millionen Eier, die mit dem Insektizid Fipronil belastet sind, waren in den vergangenen Tagen nach Deutschland gelangt. Ein Teil davon kam in den Handel. Die zuständigen Behörden der Lebensmittelüberwachung in den Bundesländern haben die belasteten Eier-Chargen zurückgerufen. Fipronil war in Eiern aus Belgien und den Niederlanden nachgewiesen worden. Auch Eier aus deutschen Betrieben waren betroffen.

Kriminelle Strukturen aushebeln

"Die Ursache für die aufgetretene Belastung von Eiern und auch verarbeiteten Produkten ist kriminelles Handeln", stellte der Bundeslandwirtschaftsminister klar. "Und das muss bestraft werden." Deswegen sei es gut, dass sich Staatsanwaltschaften in Belgien, in den Niederlanden und jetzt auch in Deutschland mit diesem kriminellen Handeln beschäftigen, um Verantwortliche einer Bestrafung zuzuführen.

In Belgien und in den Niederlanden wurden Erzeugerbetriebe für Eier mit einem Mittel behandelt, das mit Fipronil verunreinigt war. Nach derzeitigem Ermittlungsstand kam das verunreinigte Mittel, das in den Niederlanden eingesetzt wurde, auch in vier Betrieben in Niedersachsen zum Einsatz.

Fipronil ist ein Schädlingsbekämpfungsmittel. Es wird unter anderem gegen Flöhe, Läuse, Zecken, Schaben und Milben eingesetzt. Bei lebensmittelliefernden Tieren darf es nicht angewendet werden. Im Tierversuch zeigte sich, dass es giftig für das Nervensystem ist und die Leber schädigt.

lebensmittelwarnung.de informiert über Rückrufe

Das Portal "lebensmittelwarnung.de" des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) informiert über die Stempelnummern der Legehennen-Betriebe, in denen Eier mit Fipronil-Belastung nachgewiesen wurden. Verbraucher, die bereits vor einigen Tagen Eier erworben haben, sollten den Stempelaufdruck der Eier mit den betroffenen Chargen abgleichen. Stimmen die Chargennummern überein, sollten die Eier zurückzugeben oder entsorgt werden.

Das Portal informiert auch über Produkte, in denen belastete Eier verarbeitet wurden, und entsprechend zurückgerufen werden.

Verzicht auf Eier ist nicht notwendig

Unabhängig von den Rückrufen fragen sich viele Verbraucher, ob der Verzehr von Eiern unbedenklich ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärte am 8. August, dass nach neuen amtlichen Analysen in Deutschland bis zu 0,45 Milligramm Fipronil pro Kilogramm Ei gemessen wurden. Nach derzeitigem Erkenntnisstand sei eine akute gesundheitliche Gefährdung der betrachteten Verbrauchergruppen, einschließlich Kinder, aber unwahrscheinlich, so das BfR. Der Grenzwert liegt bei 0,72 Milligramm. In Belgien waren Werte von bis zu 1,2 Milligramm pro Kilogramm Ei ermittelt worden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat beispielhaft errechnet, dass bei dem höchsten bisher gemessenen Gehalt von 1,2 mg Fipronil/Kilogramm Ei in Belgien ein Kind mit einem Körpergewicht von 16,15 Kilogramm rein mathematisch betrachtet an einem Tag 1,7 Eier essen kann, ohne dass der gesundheitliche Richtwert überschritten wird. Ein Erwachsener von 65 Kilogramm Körpergewicht kann demnach sieben Eier an einem Tag (einmalig oder innerhalb von 24 Stunden) ohne Überschreiten des Richtwerts essen. Wird diese Zahl nicht überschritten, ist eine gesundheitliche Gefährdung unwahrscheinlich. Der gesundheitliche Richtwert schließt gemäß BfR auch sensible Bevölkerungsgruppen wie Schwangere mit ein.

Was tun die Behörden zum Schutz der Verbraucher?

Im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist ein Lagezentrum eingerichtet worden, in dem die Informationen aus den Bundesländern und dem Europäischen Schnellwarnsystem RASFF zusammenlaufen und ausgewertet werden. Über das Schnellwarnsystem tauschen die Behörden der Mitgliedstaaten Informationen über gesundheitsgefährdende und nicht verkehrsfähige Lebensmittel aus.

Dienstag, 22. August 2017