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Katharina Sieverding in der Akademie der Künste

Im großen Stil

Die Berliner Akademie der Künste präsentiert Werke der Fotokünstlerin Katharina Sieverding. In ihren Arbeiten bezieht die Düsseldorferin Stellung zu gesellschaftspolitischen Fragen - ganz im Sinne der Bildhauerin und Malerin Käthe Kollwitz. Sieverding ist diesjährige Preisträgerin der Kollwitz-Preises.

Plakat von Katharina Sieverding "Deutschland wird deutscher" am U-Bahnhof Alexanderplatz Deutschland wird deutscher: Plakat von Sieverding aus dem Frühjahr 1993. Foto: Katharina Sieverding, VG Bild-Kunst, Bonn 2017/Foto: studio111a

Mit der Auszeichnung würdigt die Akademie der Künste Sieverdings Werke, die künstlerischen wie politischen Anspruch haben und damit Kollwitz' Andenken zu ihrem 150. Geburtstag gerecht werden. Die Ausstellung gibt einen umfangreichen Überblick über das öffentliche Wirken und Handeln der Preisträgerin.

"Identität als Individualität und Dividualität und als kollektives Individuum" - dieser etwas sperrige Titel ist ein Grundthema Katharina Sieverdings. Die gebürtige Pragerin beschäftigt sich mit dem Menschen als Subjekt, seiner Einbindung in die Gesellschaft und die Wechselwirkungen zwischen Individuum und Kollektiv, die sich daraus ergeben.

Scharfsinnige Kunst im öffentlichen Raum

Ihre Fotografien und Collagen sollen mehr Menschen erreichen als bloß diejenigen, die Museen besuchen. So zieht Sieverding für viele ihrer großformatigen Arbeiten ganz andere Ausstellungsflächen vor: U-Bahnhöfe, öffentliche Wände, ganze Stadtgebiete. Beispielsweise besiedelte ihre Plakataktion "Deutschland wird deutscher" 1993 den öffentlichen Raum Berlins. Das Motiv: Ein schwarz-weiß-Selbstportrait zeigt den Kopf der Künstlerin, umrahmt von Klingen. Die Künstlerin als Zielscheibe eines Messerwerfers. Dazu prangt der Titel der Plakataktion mittig auf dem Bild.

Gegenwart, Vergangenheit, Zeitlosigkeit

Mit dieser damals sehr kontrovers diskutierten Intervention reagierte die Künstlerin auf die zu der Zeit bereits zunehmenden europaskeptischen und nationalistischen Tendenzen in Deutschland.

Das Plakat ist heute in einem der beiden Ausstellungsräume der Akademie zu sehen und zeigt, wie aktuell diese Phänomene sind. Sein Archivcharakter zählt auch zu den Interessensfeldern Sieverdings. Das Archiv als kulturelles Gedächtnis reflektiert, bewahrt und ist ein Angebot, aus der Vergangenheit zu lernen. Ihr Werk wirkt wie eine Mahnung.

Unmittelbar und aussagekräftig

Die ausgestellten Bilder und Montagen verweisen auf zurückliegende und aktuelle Aktionen, die Sieverding in Deutschland, teils inspiriert durch ihre Reisen nach China, in die Sowjetunion oder die USA, verwirklicht hat. Sie bedecken großflächig die Wände und erfordern ein paar Schritte Abstand für die vollständige Betrachtung. Als Wegbereiterin der großformatigen Fotokunst in den 60er Jahren hat Sieverding schon damals die Zusammenhänge zwischen Bildsprache, Medienrezeption und den Einfluss auf das Subjekt untersucht.

Bewegte Bilder

Im zweiten Ausstellungsraum werden wechselnde Fototrios an die Wand projiziert. "TESTCUTS 1966 - 2010" heißt die Installation, die aus fotografischen Teststreifen besteht - eigentlich Nebenprodukte des Produktionsprozesses, die Sieverding zu jeweils dreiteiligen Collagen verbindet und in zeitlich versetzten Diashows nebeneinanderstellt. Die abgebildeten Situationen und Menschen stehen durch die sich kontinuierlich verschiebenden Bildzusammenstellungen in immer neuen Kontrasten, immer neuen Beziehungen zueinander. In der Betrachtung wird der menschliche Reflex der Zuschreibungen und Kontextualisierungen offenbar.

Die Katharina-Sieverding-Ausstellung ist noch bis zum 27. August zu sehen. Die Akademie der Künste widmet sich als internationale Gemeinschaft von Künstlerinnen und Künstlern der Förderung von bildender Kunst, Baukunst, Musik, Literatur, darstellender Kunst sowie Film- und Medienkunst. Sie wird mit rund 19 Millionen Euro aus dem Haushalt der Kulturstaatsministerin gefördert.

Dienstag, 8. August 2017