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Trauerakt für Helmut Kohl

Abschied von einem großen Europäer

Beim europäischen Trauerakt in Straßburg hat die Kanzlerin den verstorbenen Altkanzler Kohl als einen "den Menschen zugewandten Weltpolitiker" gewürdigt. In Deutschland schlossen sich die Trauerfeierlichkeiten mit einem Trauerzug in Ludwigshafen an. Im Dom zu Speyer fand das Requiem zum Gedenken an den Altkanzler statt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht in Straßburg beim Trauerakt für Helmut Kohl. Merkel dankte dem verstorbenen Altkanzler Kohl für die Chancen, die "wir als Deutsche und Europäer erhalten haben". Foto: Bundesregierung/Kugler

Bei einem Pontifikalrequiem im Dom zu Speyer gedachten viele politische Weggefährten und Freunde des Altkanzlers Helmut Kohl. Unter den Trauergästen waren auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert.

Am Samstagvormittag gab es erstmals in der Geschichte der EU einen europäischen Trauerakt. Die drei EU-Institutionen – Europäischer Rat, Europäisches Parlament und Europäische Kommission – hatten dazu gemeinsam eingeladen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in ihrer Trauerrede im Europäischen Parlament in Straßburg, Helmut Kohl verkörpere eine Epoche. "Er hat das Europa mitgeschaffen, in dem wir heute leben". Ost- und Westeuropa seien vereint, es gebe einen gemeinsamen Markt, keine Grenzkontrollen und eine gemeinsame Währung. "Das bleibt mit dem Namen Helmut Kohl verbunden", sagte Merkel.

Merkel: "Auf ihn war Verlass"

Viele Menschen hätten sich an ihm gerieben, aber das trete nun zurück. Die Kanzlerin hob hervor, was sie immer an ihm imponierte. Das sei sein Gespür für das politisch Machbare gewesen, wie auch seine unerschütterliche Überzeugungen, die ihn leiteten: "Auf ihn war Verlass". Er sei auf die Menschen zugegangen. Er habe enge Kontakte gesucht und gepflegt. Er habe Vertrauen aufgebaut. "Er war ein den Menschen zugewandter Weltpolitiker", so Merkel. Er habe es verstanden Brücken zu bauen und es geschafft, dass am Ende seiner Amtszeit Deutschland vereint und mit seinen Nachbarstaaten in Frieden, Freiheit und Freundschaft verbunden war.

Bedenken gegenüber vereintem Deutschland zerstreut

Helmut Kohl sei es gewesen, der die Einheit wollte, als andere noch zögerten. Seine tiefe europäische Überzeugung und das Vertrauen, das er weltweit genoss, hätten dabei geholfen, die Sorgen und Bedenken gegenüber einem vereinten Deutschland zu zerstreuen. "Gemeinsam mit seinen Partnern bettete er die deutsche Einheit in die europäische Einigung ein. Ein Werk des Friedens, ein Werk der Freiheit und ein Werk der Einheit."

Die Kanzlerin erinnerte daran, dass Europa das Werk von Generationen sei und jede Generation ihre eigenen Antworten finden müsse. Dabei käme es auf das an, was Helmut Kohl auszeichnete: "Auf das Wissen um die Geschichte, auf die Weitsicht, auf die Nähe zu den Menschen, auf den Blick auf das Machbare und Zumutbare."

Dankbarkeit und Demut

Die Kanzlerin erinnerte am Ende ihrer Rede noch einmal daran, dass ohne Helmut Kohl das Leben der Menschen, die bis 1990 hinter der Mauer lebten, völlig anders verlaufen wäre. "Natürlich auch meines". Dass sie hier stehe, daran habe Helmut Kohl entscheidenden Anteil. "Danke für die Chancen, die Sie mir gegeben haben, Danke für die Chancen, die Sie vielen anderen eröffnet haben. Danke für die Chancen, die wir als Deutsche und Europäer durch Sie erhalten haben," sagte die Kanzlerin. Sie verneige sich vor ihm und seinem Angedenken in Dankbarkeit und Demut.

Tajani: Helmut Kohl war "ein mutiger Mensch"

Die Rede der Kanzlerin war die letzte von insgesamt acht Reden bei dem Trauerakt in Straßburg. Zunächst hatte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani gesprochen. Er würdigte Helmut Kohl als "einen mutigen Menschen, einen Vertreter der Freiheit und der Demokratie. Er habe die Hand ausgestreckt auf die jungen Demokratien Europas. "Das Europa von Helmut Kohl hatte keine Angst eine Zukunft anzubieten und zu gestalten."

Juncker: Kohl nutzte die Gunst der Stunde

Sichtlich bewegt nahm der Präsident der Kommission, Jean-Claude Juncker, Abschied von Helmut Kohl, "einem treuen Freund". "Helmut Kohl war ein deutscher Patriot und ein europäischer Patriot", so Juncker. Es habe für ihn keinen Widerspruch gegeben zwischen dem, was deutsch ist und dem, was europäisch sein muss. Daher sei es auch sein Wunsch gewesen, dass die Trauerfeier europäisch sei.

Kohl habe den Mantel Gottes, der durch die Geschichte geweht sei, zu greifen gewusst. "Er hat die Gunst der Stunde genutzt, andere wären gescheitert." Neben vielen anderen Verdiensten habe Helmut Kohl auch den Blick nach Osten und Mitteleuropa gerichtet. "Er war sich seiner historischen Verantwortung gegenüber Polen stets bewusst, genau wie Willy Brandt." Juncker erinnerte an einen Moment, wo er Helmut Kohl hat weinen sehen. Es war der 13. Dezember 1997, da beschloss der Europäische Rat die Erweiterungsverhandlungen mit den osteuropäischen Staaten, Malta und Zypern aufzunehmen. Dieser Moment habe zu den schönsten seines Lebens gehört. "Dann wurde es still und er hat geweint. Und er war nicht der Einzige", erinnert sich Juncker.

Helmut Kohl habe alle Mitgliedstaaten gleichermaßen respektiert: Große und kleine fühlten sich verstanden. Juncker erinnerte noch einmal daran, als Kohl und der französische Präsident Mitterrand sich in Verdun bei der Hand nahmen: "Dort besiegelten sie die Brüderlichkeit zwischen Deutschland und Frankreich." Juncker verneigte sich vor dem "imposanten Lebenswerk".

Tusk: Kohl war Wegbereiter der europäischen Einigung

EU-Ratspräsident Donald Tusk würdigte Kohl als Wegbereiter der europäischen Einigung. "Seine Vision ging über die deutschen Grenzen und die deutschen Interessen hinaus." Kohl habe sich zudem große Verdienste beim Versöhnungswerk mit Polen erworben. Kohl habe verstanden, dass "die ersten, die der Berliner Mauer Risse beigebracht haben, die Werftarbeiter von Danzig waren", so Tusk.

Der damalige US-Präsident Bill Clinton nimmt in Straßburg beim Trauerakt für Helmut Kohl Abschied.Bild vergrößern Clintons Abschiedsworte: Du hast das gut gemacht in deinem Leben. Und wir, die wir dabei sein durften, lieben dich dafür. Foto: Bundesregierung/Kugler

"Ich habe ihn geliebt"

Danach sprachen auf Wunsch der Witwe Helmut Kohls und als Privatpersonen der ehemalige spanische Premierminister Felipe González, der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten Bill Clinton und der russische Premierminister Dmitri Medwedew. Gonzaléz bezeichnete Kohl als "Zugpferd der europäischen Einigung." Er habe das Gefühl, einen Freund verloren zu haben, mit dem er historische Momente erleben durfte.

Bill Clinton sagte im Bezug auf den verstorbenen Altkanzler: "Ich habe ihn geliebt." Kohl habe eine Welt gewollt, in der Zusammenarbeit "als besser gilt als der Konflikt. Er wollte eine Welt schaffen, in der niemand niemanden dominiert." Der ehemalige Bundeskanzler habe in seiner politischen Zeit große Fragen gestellt bekommen mit Verzweigungen in die Gegenwart, und wegen seiner Antworten seien die Vertreter so vieler Länder bei dem Trauerakt, hob Clinton hervor.

Der russische Premierminister Medwedew erinnerte an die engen Beziehungen Helmut Kohls zu Russland. Für den Altkanzler sei Russland Bestandteil eines vereinten Europas gewesen. "Für ihn war das ein Teil eines gemeinsamen Hauses, ohne Stacheldraht. Es war ein Traum von Frieden und Sicherheit für alle." Kohl sei eine Person der Zukunft gewesen. "Er ist auch der Architekt der gegenwärtigen Welt", so Medwedew.

Macron: "Er reichte uns die Hand"

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron würdigte Kohl als großen Freund Frankreichs. "Er reichte uns die Hand", so Macron. Er erinnerte an die Annäherung beider Länder in den 1980er Jahren und die Nähe Kohls zum damaligen französischen Präsidenten Mitterrand. "Für meine Generation ist Helmut Kohl schon Teil der europäischen Geschichte." Er hob hervor, dass er eng mit Deutschland und Bundeskanzlerin Merkel zusammenarbeiten wolle. Am Schluss seiner Rede betonte Macron: "Wir haben heute überhaupt keinen Anlass zur Resignation. Wir haben vielmehr Grund zu realistischem Optimismus."

Trauerzug in Ludwigshafen und Speyer

Dem europäischen Trauerakt schlossen sich die weiteren Trauerfeiern in Deutschland am Samstagnachmittag und -abend an.

Der Sarg des Altbundeskanzlers wurde mit einem Hubschrauber nach Deutschland überführt. Eine Fahrt des Trauerzugs in Ludwigshafen am Rhein ging durch die Innenstadt, damit die Menschen dort Abschied nehmen konnten. Mit der "MS Mainz" und Begleitschiffen wurde der Trauerzug auf dem Rhein in Richtung Speyer fortgesetzt.

Gedenken bei Requiem im Dom

Im Dom zu Speyer fand das Requiem statt. Viele politische Weggefährten und Freunde Kohls waren gekommen. Unter den Trauergästen waren auch Bundespräsident Steinmeier, Bundeskanzlerin Merkel und Bundestagspräsident Lammert. Weitere Menschen konnten das Geschehen auf einer Leinwand im Domgarten verfolgen. Bischof Karl-Heinz Wiesemann leitete den Gottesdienst. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx war einer der Konzelebranten. Der Domchor Speyer, der Domorganist und die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz begleiteten das Requiem musikalisch. Der Sarg stand vor dem Hochaltar, geschmückt mit der deutschen Flagge.

Bischof Wiesemann hob die "herausragende Bedeutung" der Verdienste Kohls um Deutschland, Europa, Versöhnung und Frieden hervor. Er nannte Kohl einen "wahrhaft großen Staatsmann, der seine pfälzische Heimat und sein deutsches Vaterland liebte." Das große Geschenk der Deutschen Einheit bleibe mit seinem Namen verbunden. Patriot und Europäer zu sein, waren für Kohl zwei Seiten einer Medaille, so der Bischof.

Er erinnerte daran, wie eng Kohl mit dem Dom zu Speyer verbunden war - Kohl nannte den Dom seine "Hauskirche" und führte als Bundeskanzler viele Staatsgäste dort hin. Wiesemann zeichnete Stationen aus dem Leben Kohls nach und auch die Bedeutung des katholischen Glaubens für sein Wirken.

Unter dem Geläut der Totenglocke wurde der Sarg durch das Mittelschiff des Domes auf den Vorplatz getragen.

Militärisches Ehrengeleit und Totenwache

Ein großes militärisches Ehrengeleit auf dem Domvorplatz schloss sich an. Das Ehrengeleit setzte sich aus Soldaten des Wachbataillons und dem Musikkorps der Bundeswehr zusammen. Gestellt wurden drei Kompanien von Heer, Luftwaffe und Marine. Die angetretene Totenwache übernahmen in Speyer acht Generale und Admirale.

Dieses Zeremoniell der Bundeswehr wird Soldaten oder Zivilisten gewährt, die eine besondere Stellung eingenommen haben, bei Soldaten mindestens in der Dienststellung eines Kommandierenden Generals. Das letzte "Große Militärische Ehrengeleit" wurde für den Altbundeskanzler Helmut Schmidt gestellt.

Das Wachbataillon beim Bundesministerium der Verteidigung, die sogenannte "Garde", ist das älteste Bataillon der Bundeswehr und wurde am 15. Februar 2017 60 Jahre alt. Das Bataillon hat insgesamt rund 1.000 Soldatinnen und Soldaten und führt jährlich im Schnitt etwa 600 Protokolleinsätze durch. Die für die Feierlichkeiten eingesetzten drei "Ehrenkompanien'" sind mit dem Gewehr "Karabiner 98k" ausgerüstet. Diese Waffen sind nicht schussfähig und dienen ausschließlich als Repräsentationswaffen.

Nach dem Ende des Ehrengeleits wurde der Verstorbene im Familien- und Freundeskreis auf dem Friedhof des Domkapitels im Adenauerpark in Speyer beigesetzt.

Besucher können Blumen und Kränze an zwei Stellen ablegen: Am Brunnen im unteren Domgarten, der auf dem Weg vom Messeplatz zum südlichen Domgarten liegt, sowie am zur Bahnhofstraße gelegenen Haupteingang des Adenauerparks.

Samstag, 1. Juli 2017