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Merkel würdigt Altkanzler

Helmut Kohl "ein Glücksfall für uns Deutsche"

"Wir Deutschen verdanken ihm viel. Ich verneige mich vor seinem Angedenken." Das schrieb Kanzlerin Merkel am Sonntag in ein Kondolenzbuch zum Tod von Helmut Kohl. Merkel würdigte die Verdienste des Altkanzlers um die deutsche Einheit. Kohl war am Freitag im Alter von 87 Jahren verstorben.

Angela Merkel im Bundeskanzleramt beim Eintrag ins Kondolenzbuch. Merkel trug sich in das im Bundeskanzleramt ausgelegte Kondolenzbuch ein. Foto: Bundesregierung/Bergmann

"Mit Helmut Kohl verlieren wir einen großen Deutschen und großen Europäer", schrieb Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag in ein Kondolenzbuch, das im Kanzleramt ausliegt. Und weiter: "Er hat sich um die Wiedererlangung der Einheit unseres Vaterlandes und die Europäische Einigung wie kaum ein anderer verdient gemacht."

Helmut Kohl, der von 1982 bis 1998 als Bundeskanzler amtierte, war am Freitagmorgen in seinem Haus in Ludwigshafen gestorben. Er wurde 87 Jahre alt.

Bürgerinnen und Bürger haben werktags bis einschließlich Freitag, 23. Juni jeweils von 9.00 bis 18.00 Uhr die Gelegenheit, sich im Bundeskanzleramt in Berlin in ein Kondolenzbuch für den verstorbenen Bundeskanzler a. D. Helmut Kohl einzutragen. Im Foyer des Bonner Dienstsitzes liegt ein Kondolenzbuch von Dienstag, 20. Juni 2017 bis einschließlich Dienstag, 27. Juni 2017 täglich von 09:00 – 18:00 Uhr aus.

Die Gunst der Stunde mit höchster Staatskunst genutzt

Entschlossen und geschickt hätten Kohl und seine Mitstreiter die Gunst der Stunde genutzt und so die Deutsche Einheit erreicht. "Das war höchste Staatskunst im Dienste der Menschen und des Friedens", hatte die Kanzlerin bereits am Freitag in einer ersten Würdigung in Rom gesagt.

In ihrer Stellungnahme hob Merkel dabei auch ihre große persönliche Verbundenheit mit dem Verstorbenen hervor: "Helmut Kohl hat auch meinen Lebensweg entscheidend verändert", so die Kanzlerin am Freitagabend in Rom. Am Samstag war sie von Papst Franziskus in einer Audienz im Vatikan empfangen worden. Das katholische Kirchenoberhaupt bezeichnete Kohl als großen Staatsmann, der "mit Weitblick und Hingabe für das Wohl der Menschen in Deutschland und der europäischen Nachbarn gearbeitet" habe.

Kanzler der Einheit und Ehrenbürger Europas

Kohls Wirken sei Merkel zufolge von den beiden wichtigsten Aufgaben der deutschen Politik der letzten Jahrzehnte bestimmt gewesen: "die Wiedererlangung der Einheit unseres Vaterlandes und die Einigung Europas. Helmut Kohl verstand, dass das eine und das andere untrennbar verbunden waren, und er hat sich um beide Ziele wie kaum ein anderer verdient gemacht", sagte Merkel.

Seine beiden Ehrenbezeichnungen drückten dies aus, so die Kanzlerin weiter: "Ehrenbürger Europas, diesen Titel haben ihm die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union verliehen, und Kanzler der Einheit. So sehen ihn Millionen von Deutschen, und das bleibt er in den Geschichtsbüchern und in unserer Erinnerung."

Regierungssprecher Steffen Seibert betonte am Montag, es stünde für die Bundesregierung außer Frage, dass zum Tode von Altkanzler Kohl höchste staatliche Ehrungen angemessen sind. In welcher Form, wann und an welchem Ort dies geschehen wird, sei noch in Klärung.

Tiefe Trauer um Staatsmann und großen Deutschen

"In tiefer Trauer um einen großen Deutschen und einen großen Europäer", hatte am Freitag bereits zuvor Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter geschrieben. "Er war ein großer Staatsmann, ein großer deutscher Politiker und vor allem ein großer Europäer, der sehr viel dafür getan hat, dass nicht nur die Deutsche Einheit gekommen ist, sondern auch dass Europa zusammengewachsen ist", so Außenminister Sigmar Gabriel. Innenminister Thomas de Maizière würdigte Kohl via Twitter als Kanzler, der "aus tiefer Überzeugung und dem Glauben an ein wiedervereinigtes Deutschland und Europa Großes für unser Land geleistet hat."

Helmut Kohl
Geboren am 3. April 1930 in Ludwigshafen
1959 bis 1976 Landtagsabgeordneter in Rheinland-Pfalz
1969 bis 1976 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz
1973 bis 1998 Bundesvorsitzender der CDU
1976 bis 2002 Bundestagsabgeordneter
1976 bis 1982 Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
1982 bis 1998 Bundeskanzler
Gestorben am 16. Juni 2017 in Ludwigshafen

Steinmeier: Werk des Ausnahmepolitikers wird Bestand haben

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den Einsatz Kohls für die Aussöhnung und das Zusammenwachsen in Europa. "Wir trauern um einen großen Staatsmann - sein Werk wird Bestand haben", sagte das Staatsoberhaupt in Berlin. Steinmeier bekräftigte: "Es war ein besonderes Glück für Deutschland, dass Helmut Kohl das Land in seinem entscheidenden historischen Moment mit Mut, Weitblick und Führungskraft regierte."

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin und Bundesratspräsidentin Malu Dreyer erklärte: "Helmut Kohl verkörpert die europäische Idee wie wenige andere." Bundestagspräsident Norbert Lammert bezeichnete Kohl als "Persönlichkeit von historischer Größe". Das Parlament trauere um "einen deutschen Patrioten und den Ehrenbürger Europas".

Große Anteilnahme in aller Welt

Auch zahlreiche internationale Spitzenpolitiker würdigten das politische Vermächtnis Helmut Kohls. So sei UN-Generalsekretär António Guterres "sehr traurig", denn Kohl sei ein "persönlicher Freund" gewesen, sagte ein Sprecher Guterres' in New York: "Es ist offensichtlich, welche historische Rolle Herr Kohl bei der Wiedervereinigung von Deutschland nur ein Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer gespielt hat."

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bekräftigte, mit Kohl sei ein "großer Europäer und ein sehr guter Freund" gestorben. "Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht", so Juncker". EU-Ratspräsident Donald Tusk wiederum twitterte: "Ich werde mich stets an Helmut Kohl erinnern. Ein Freund und ein Staatsmann, der geholfen hat, Europa wiederzuvereinen".

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg charakterisierte den Verstorbenen als "die Verkörperung eines vereinten Deutschlands in einem vereinten Europa. Als die Berliner Mauer fiel, zeigte er sich der Situation gewachsen. Ein echter Europäer", so Stoltenberg via Twitter.

"Meister der deutsch-französischen Freundschaft"

US-Präsident Donald Trump hob die Verdienste Kohls um die transatlantische Partnerschaft hervor: "Kanzler Kohl war den Vereinigten Staaten ein Freund und Verbündeter, während er die Bundesrepublik Deutschland durch 16 entscheidende Jahre führte", so Trump in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnete Kohl in einem Kondolenzschreiben als "prinzipiellen Verfechter freundschaftlicher Beziehungen" zwischen Berlin und Moskau.

"Meister des vereinigten Deutschlands und der deutsch-französischen Freundschaft: Mit Helmut Kohl verlieren wir einen sehr großen Europäer", verlautbarte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron via Twitter. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy schrieb auf dem Kurznachrichtendienst, Kohl sei die "Schüsselfigur des europäischen Prozesses und der Wiedervereinigung" Deutschlands gewesen.


Freitag, 16. Juni 2017