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Studie des Forschungsverbunds SED-Staat

Totenbuch führt Grenzschicksale vor Augen

Der Forschungsverbund SED-Staat hat die Ergebnisse seines Dokumentationsprojekts "Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze" vorgestellt. "Es ist ein Bild, das von der Gnadenlosigkeit der SED-Diktatur erzählt", erklärte Kulturstaatsministerin Grütters.

StMin Monika Grütters: Präsentation der Ergebnisse zum Projekt "Opfer des DDR-Grenzregimes" in der Gedenkstätte Bernauer Straße 07.06.2017 Fünf Jahre haben Klaus Schroeder (r.) und Jochen Staadt von der FU Berlin Biografien der Opfer erforscht. Foto: Bundesregierung/Münch

Lange Zeit gab es Unklarheit darüber, wie viele Menschen der innerdeutschen Grenze tatsächlich zum Opfer gefallen sind. Nun hat der Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin eine Studie über Opferschicksale an der ehemaligen Grenze herausgegeben.

Geschichte aufarbeiten für eine demokratische Zukunft

Knapp fünf Jahre lang haben die Forscher die einzelnen Todesfälle untersucht. Wie bedeutend die wissenschaftliche Aufarbeitung der DDR-Geschichte für die Erinnerungskultur in der Bundesrepublik Deutschland ist, erklärte Grütters bei der Vorstellung der Studienergebnisse in der Berliner Mauer-Gedenkstätte an der Bernauer Straße: "Wir stehen in der Verantwortung für eine demokratische Zukunft. Denn die Freiheit braucht auch dort Verteidiger, wo die Selbstentfaltung nicht an Mauern, Stacheldraht und Minenfeldern endet."

Die Publikation zeichne Lebensgeschichten derer nach, die den Versuch, die Unfreiheit hinter sich zu lassen, mit dem Leben bezahlt hätten, so die Staatsministerin. "Mögen die darin dokumentierten Schicksale Gehör finden und vermitteln, wie hart erkämpft die Freiheit ist - und dass es sich immer wieder dafür zu kämpfen lohnt!"

Lebens- und Leidensgeschichten vor dem Vergessen bewahren

Das sogenannte "Totenbuch II" umfasst 327 Biografien von Todesopfern aus dem ehemaligen Ost- und Westdeutschland, denen das DDR-Regime zum Verhängnis wurde. Ausführlich schildern die Autoren die jeweiligen Lebensumstände, Flucht- und Todesursachen der Grenzopfer. Doch nicht nur Opfer mit Fluchtabsicht zählt das Buch zu den Grenztoten. Es erzählt auch von Zivilpersonen, die der deutsch-deutschen Grenze aus ganz anderen Gründen zum Opfer fielen. Schicksale von Soldaten, die sich aus Verzweiflung über die rigide Order der Nationalen Volksarmee das Leben nahmen, finden sich ebenfalls unter den Biografien.

Das "Totenbuch II" knüpft an die im Jahr 2009 herausgegebene Studie "Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961 - 1989", genannt "Totenbuch I", des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam und der Gedenkstätte Berliner Mauer an. Das im In- und Ausland viel beachtete Handbuch wurde vollständig aus dem Etat der Kulturstaatsministerin finanziert. Die nun veröffentlichte Fortsetzung widmet sich ergänzend den Schicksalen der Opfer an der gesamten Westgrenze der ehemaligen DDR.

Die Spannbreite an Biografien ist groß. Emanuel Holzhauer ist das jüngste unter den recherchierten Opfern. Er war keine sechs Monate alt, als er bei der Flucht mit seinen Eltern umkam. Im Kofferraum des Fluchtwagens erlitt er auf der Autobahn vor dem DDR-Grenzübergang Marienborn, von Beruhigungsmitteln und Hitze geschwächt, den Erstickungstod. Ernst Wolter ist das älteste Opfer. Qualvoll verblutete er im Alter von 81 Jahren an schweren Verletzungen, nachdem er versehentlich in ein Minenfeld geraten war. Es sind solche Einzelschicksale, die das Leid der ehemaligen deutsch-deutschen Teilung veranschaulichen.

Verantwortungsvoller Umgang mit dem schweren Erbe

Das Wissen um die repressive DDR-Diktatur und deren Folgen gehört zum historischen Erbe Deutschlands, das nicht dem Vergessen anheim fallen darf. Die Studienergebnisse sind daher ein wichtiger Beitrag für die Aufarbeitung und Vermittlung des Wissens um die Opfer des DDR-Grenzregimes. Das Projekt wurde von der Kulturstaatsministerin mit 449.000 Euro gefördert. An den Gesamtkosten von 642.000 Euro beteiligten sich auch die Länder Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hessen.

Mittwoch, 7. Juni 2017

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