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G20-Gesundheitsministertreffen

Gemeinsam Pandemien verhindern

Das Thema Gesundheit habe "in einer vernetzten Welt einen Platz in der Agenda der G20 verdient", so die Kanzlerin bei der Eröffnung des Treffens der G20-Gesundheitsminister in Berlin. Die Stärkung der Gesundheitssysteme ärmerer Länder und der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen waren die zentralen Themen der Konferenz.

Gruppenfoto mit der Kanzlerin beim G20-Gesundheitsministertreffen. Gemeinsam die Welt vor Gesundheitsgefahren zu schützen ist ein wichtiges Anliegen des Treffens. Foto: Bundesregierung/Denzel

"Dass die globale Gesundheit zum festen Bestandteil auf der Tagesordnung der G20 wird, ist ein starkes Signal, das heute von Berlin ausgeht", erklärte Gröhe zum Abschluss des G20-Gesundheitsministertreffens.

Die G20-Staaten wollen künftig auch regelmäßige Übungen für Gesundheitskrisen durchführen, "denn wir müssen jetzt die Zeit nutzen, um uns vorzubereiten", so Gröhe. Als wichtigen Durchbruch im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen nannte Gröhe die Zusage der G20-Staaten, bis Ende 2018 mit der Umsetzung Nationaler Aktionspläne zu beginnen, sich für eine Verschreibungspflicht stark zu machen und die Forschung vorantreiben zu wollen.

Gesundheitssystem ist "Frage der Menschlichkeit"

"Ich finde, das Thema Gesundheit hat in einer vernetzten Welt einen Platz in der Agenda der G20 verdient", bekräftigte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Eröffnungsrede. "Es ist eine Frage der Menschlichkeit, dass sich jede und jeder auf ein funktionierendes Gesundheitssystem verlassen kann. Dazu brauchen wir dringend eine bessere Kooperation, ganz besonders bei den Krankheiten, die übertragbar sind."

Der Ebola-Ausbruch 2014/2015 und die rasche Verbreitung des Virus haben deutlich gemacht: Die Gesundheitsversorgung ärmerer Länder muss ausgebaut werden, denn nur bei gut funktionierenden Gesundheitssystemen lassen sich Epidemien frühzeitig regional begrenzen. Daran erinnerte die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Margaret Chan in ihrer Begrüßungsansprache. Notwendig seien hierfür internationale Solidarität und Partnerschaft.

Die Weltgemeinschaft muss für Notfälle gerüstet sein. Trotz aller Präventionsmaßnahmen ist nicht auszuschließen, dass sich Krankheiten über Ländergrenzen und Kontinente hinweg ausbreiten. Wichtig ist bei einer Krise, schnell und koordiniert zu reagieren. Medizinisches Personal, Material, mobile Labore und ausreichend Geld müssen rasch zur Stelle sein.

Planspiel-Übung für den Notfall

Beim G20-Gesundheitsminstertreffen wurde in einem Planspiel simuliert, wie eine Handlungskette im Krisenfall abläuft. Ausgangsszenario: ein tödliches Virus – übertragen über die Atemwege - verbreitet sich. An dem Planspiel nahmen neben den Gesundheitsministern auch Vertreter von Weltbank und WHO teil.

Ziel war, zu klären, wer vor Ort für was verantwortlich ist. Außerdem war sicherzustellen, dass Informationen schnell weitergegeben werden und zügig Hilfe bereitsteht. Klar werden sollte auch, welche Kontrollmechanismen erforderlich sind.

"Nur wenn auch wir den Ernstfall proben, können wir die Welt und unsere eigenen Bevölkerungen wirksam vor der nächsten Krise schützen", sagte Gesundheitsminister Gröhe. "Wir müssen die Welt heute besser auf die kommenden Gesundheitsgefahren von morgen vorbereiten."

Starke Gesundheitssysteme schon Thema der G7

Globale Gesundheit ist nicht nur ein zentrales Thema der deutschen G20-Präsidentschaft. 2015 verpflichtete sich die G7 unter deutscher Präsidentschaft, mindestens 60 Staaten Hilfe anzubieten, um ein leistungsfähiges Gesundheitssystem aufzubauen. Während der darauffolgenden japanischen Präsidentschaft wurde die Liste auf 76 Staaten aufgestockt.

Auch die Bekämpfung der Antibiotika-Resistenzen war schon Thema der G7. Sie war sich einig, den sogenannten One-Health-Ansatz zu verfolgen: Was auf die Gesundheit der Menschen zutrifft, gilt auch für die Gesundheit der Tiere.

Antibiotika-Resistenzen entschieden bekämpfen

Nötig ist, den Antibiotika-Einsatz deutlich zu reduzieren, um Antibiotika-Resistenzen wirksam zu bekämpfen. Gerade in der Tierhaltung werden Antibiotika oft nicht eingesetzt, um Krankheiten zu heilen, sondern um beispielsweise das Wachstum der Tiere zu fördern. In der Europäischen Union ist dies bereits seit 2006 verboten.

Im Januar 2017 haben sich auch die G20-Agrarminister darauf verständigt, Antibiotika nur zu therapeutischen Zwecken zu erlauben. Bundesgesundheitsminister Gröhe strebt an, dass international Antibiotika – ob bei Mensch oder Tier - nur noch angewendet werden dürfen, wenn sie von ausgebildetem Personal verschrieben wurden.

"Antibiotika sind eine der wichtigsten Errungenschaften der modernen Medizin – im Kampf gegen Infektionskrankheiten und bei der Absicherung von operativen Eingriffen. Die Bekämpfung bakterieller Infektionen wird jedoch zunehmend durch die weltweit steigende Zahl besonders gefährlicher Erreger bedroht oder sogar unmöglich gemacht", betonte Gröhe. "Wenn wir jetzt nicht gemeinsam und weltweit handeln, steuern wir auf ein Nach-Antibiotika-Zeitalter zu – mit dramatischen Folgen für uns alle."

Deutschland nimmt internationale Verpflichtung ernst

Eine der wichtigsten Maßnahmen, um Antibiotika-Resistenzen zu minimieren, sind Nationale Aktionspläne. So wird es auch im Globalen Aktionsplan der WHO gefordert. Mit der Deutschen Antibiotika Resistenzstrategie (DART) nimmt Deutschland eine Vorreiterrolle ein. Beim G20-Gesundheitsministertreffen legte die Bundesregierung einen Zwischenbericht vor, der den Stand der deutschen Anstrengungen zeigt.

Deutschland setzt sich dafür ein, die WHO weiter zu stärken. Denn sie hat eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, globale Gesundheitskrisen zu bewältigen. Hierfür dient auch der 2015 eingerichtete Krisenfonds CFE (Contingency Fund for Emergencies). Deutschland unterstützt ihn als größter Beitragszahler mit 13 Millionen Dollar.

"Insgesamt stellt Deutschland über 850 Millionen Euro pro Jahr für globale Gesundheit zur Verfügung. Der Großteil dieser Mittel kommt aus dem Entwicklungsbereich und dient vor allem der wichtigen Unterstützung von Gesundheitssystemen", sagte Gröhe.

Die Gruppe der 20 versteht sich als informelles Forum der führenden Industrie- und Schwellenländer. Ihr gehören 19 Staaten sowie die EU an. Die Länder sind: Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Saudi Arabien, Südafrika, Südkorea, Türkei und die USA.

Samstag, 20. Mai 2017