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Vorsicht Kostenfalle

Kreditaufnahme sollte gut überlegt sein

Bei größeren Anschaffungen, etwa dem Kauf einer Küche, sind viele Menschen darauf angewiesen, einen Kredit aufzunehmen. Doch wofür entscheiden: Null-Prozent-Finanzierung, Raten-Kredit oder Dispo-Kredit? Es gibt vieles zu bedenken, um nicht in eine Schuldenspirale zu geraten.

Euroscheine liegen auf einem Kreditvertrag. Probleme stecken manchmal im Kleingedruckten der Kreditverträge – dort können sich zusätzliche Kosten verbergen. Foto: IMAGO

Ein Kredit ist sehr komplex und enthält Verpflichtungen für einen langen Zeitraum. Hinzu kommt, dass potenzielle Kreditnehmer zwischen verschiedenen Kreditformen wählen müssen. Die Entscheidung für eine Null-Prozent-Finanzierung, einen Ratenkredit oder einen Dispo-Kredit muss gut überlegt sein.

Das sollte man generell beachten

Verbraucher sollten Verträge nur dann abschließen, wenn sichergestellt ist, dass sie die Raten über die volle Laufzeit von ihrem Budget decken können. Auch kleine Raten belasten die monatliche Haushaltskasse. Neben der Kreditrate sollte noch Spielraum für unvorhergesehene Ausgaben bestehen – falls beispielsweise die Waschmaschine kaputt geht.

Auch wenn die Kaufverlockung groß ist, sollten die Kreditbedingungen und auch das Kleingedruckte in Ruhe gelesen und unverständliche Passagen hinterfragt werden.

Bei zusätzlichen Restschuld-Versicherungen, Kreditausfall-Versicherungen oder Ratenschutz-Versicherungen ist Vorsicht geboten: Mit ihnen wird vermeintlich unverzichtbarer Schutz verkauft, der Probleme bei der Ratenzahlung absichern soll. Ihr Abschluss ist meist jedoch nicht zu empfehlen. Die Praxis zeigt, dass die Versicherungen wegen zahlreicher Ausnahme-Tatbestände vielfach gerade dann nicht leisten, wenn sie benötigt werden. So gibt es zum Beispiel bei Eintritt von Arbeitslosigkeit viele Sonderregelungen. Verbraucher können den Abschluss solcher Zusatzgeschäfte ablehnen.

Versteckte Zusatzkosten: Manchmal können sich zusätzliche Entgelte, etwa Kredit-Bearbeitungsgebühren oder Entgelte für die Kontoführung, im Kleingedruckten verstecken. Solche Zusatzkosten sollten hinterfragt werden, denn häufig sind sie nicht zulässig. Es gibt Kosten, die nach der Preisangaben-Verordnung Teil des "Kreditpreises" sind. Ein Beispiel sind Vermittlungskosten, die dem Kreditgeber bekannt sind. Macht das Geldinstitut zusätzliche Kosten geltend, müssen solche Angaben im "effektiven Jahreszins" ausgewiesen werden.

Vorsicht "Dispo-Falle": Bewältigt der Verbraucher die Ratenzahlung nur, indem er häufiger seinen Dispo-Kredit in Anspruch nimmt, wird die vermeintlich günstige Finanzierung schnell teuer.

Null-Prozent-Kredite können Kostenfalle sein

Bei einer größeren Anschaffung, beispielsweise dem Kauf neuer Möbel, locken Händler verstärkt mit einer Null-Prozent-Finanzierung: Dabei werden für die Zahlung der Produkte keine Zinsen fällig. Dieser Kredit ist jedoch nicht so günstig, wie oftmals angenommen und kann sogar teurer werden als ein normaler Ratenkredit.

In aller Regel bezahlt der Händler für den zinslosen Kredit des Kunden ein Entgelt an die Bank. Oder, wenn Zinskosten berechnet werden, teilen Bank und Händler sie unter sich auf. Diese Kosten plant der Händler in seine Kalkulation ein. Sie werden oft auf den Kaufpreis aufgeschlagen.

Zusätzlicher (unerwünschter) Kreditrahmen: Nicht selten wird mit einer "Null-Prozent-Finanzierung" automatisch und ohne Beratung ein weiterer Rahmenkredit vereinbart. Dieser versteckt sich manchmal auch im Kleingedruckten. Ähnlich einem Dispo-Kredit, nur getrennt vom Girokonto, stellt die Bank dann einen Kreditrahmen zur Verfügung. Der Verbraucher kann diesen meist über eine Maestro- oder Kreditkarte in Anspruch nehmen. Für diesen Rahmenkredit gilt das "Null-Prozent-Angebot" allerdings nicht. Bei dieser Kreditform besteht ein besonders hohes Risiko, den finanziellen Überblick zu verlieren.

Ballonrate: Verschiedene Finanzierungen werden für eine relativ kurze Laufzeit mit sehr niedrigen Raten und Null-Prozent-Zinsen vereinbart. Endet die vereinbarte zinsfreie Laufzeit, wartet eine sehr hohe Abschlussrate, die so genannte Ballonrate. Diese kann oft nur über eine weitere und im Regelfall verzinste Kreditaufnahme gestemmt werden.

Darüber hinaus haben die Banken einen großen Vorteil vom Abschluss einer Null-Prozent-Finanzierung: Sie gewinnen viele persönliche Daten. Diese neuen Kundendaten nutzen sie, um passgenaue weitere Produkte, wie etwa Versicherungen, anzubieten. 

Ratenkredite: Konditionen vergleichen!

Ratenkredite bieten Banken und Sparkassen zur Finanzierung ganz unterschiedlicher Dinge an – auch in Zusammenarbeit mit Kauf- und Versandhäusern. Der Ratenkredit ist ein Darlehen, das die Bank in einer Summe auszahlt und das der Kunde in gleichbleibenden monatlichen Beträgen zurückzahlen muss. Vor der Auszahlung wird zwischen Bank und Kunde der Zinssatz und die Anzahl der Monatsraten festgelegt.

Vor der Kreditvergabe prüfen die Banken die Kreditwürdigkeit der Kunden, um sicherzustellen, dass dieser sich die monatlichen Raten leisten kann. Meist ist dafür eine Abfrage bei der SCHUFA notwendig.

Kunden sollten unbedingt die Kreditkonditionen mehrerer Banken vergleichen. Bei unabhängigen Stellen wie der Stiftung Warentest oder bei den Verbraucherzentralen erhält man zusätzliche Informationen. Zudem veröffentlichen sie regelmäßig Vergleiche.

Bei der Kreditaufnahme ist Vorsicht geboten, sobald Lohn- und Gehaltsabtretungsklauseln aufgenommen werden sollen. Sie stellen einen erheblichen Eingriff in die persönliche Handlungsfreiheit dar.

Es gibt zwei Arten von Ratenkrediten. Bei der ersten Variante wird ein bestimmter Betrag ausgezahlt und in vorher feststehenden Raten getilgt.

Bei der zweiten Variante vereinbaren Kunde und Bank einen Höchstbetrag, der beliebig in Anspruch genommen werden kann. Zudem wird die Höhe der monatlichen Tilgung festgesetzt. Der Zinssatz ist hierbei variabel. Da weder die Höhe des tatsächlich beanspruchten Kredites, noch die dafür später berechneten Zinssätze bekannt sind, lassen sich die Gesamtkosten nicht im Voraus bestimmen.

Vorsicht vor Überschuldung

Sehr einfach zu handhaben und gerade deshalb gut zu überlegen, ist die Nutzung des Dispositions-Kredits. Der Dispo ist der Kreditrahmen, den die Bank üblicherweise beim Girokonto gewährt. Die Voraussetzungen für einen solchen Kredit, wie auch dessen Höhe, sind von Bank zu Bank unterschiedlich. Er orientiert sich aber häufig am monatlichen Einkommen. Auch für die Rückzahlung gibt es keine feste Regelung.

Es empfiehlt sich, diese Kreditform, wenn überhaupt, nur kurzzeitig zu nutzen. Denn ein Minus auf dem Girokonto zieht hohe Zinszahlungen nach sich. Wer längerfristig Geld benötigt, für den ist ein günstiger Ratenkredit in aller Regel deutlich preiswerter. 

Befinden sich Kunden oft im "Dispo" hat die Bank unter bestimmten Voraussetzungen die Pflicht, dem Kunden ein Beratungsangebot zu unterbreiten. In einem persönlichen Gespräch muss die Bank dann insbesondere über mögliche kostengünstige Alternativen zum Dispo-Kredit informieren.

Damit Verbraucher die Dispo-Kreditzinsen der Geldinstitute besser vergleichen können, sind diese seit März 2016 verpflichtet, die Zinssätze gut sichtbar auf ihrer Homepage zu veröffentlichen.

Überschreitet der Kontoinhaber seinen Dispo oder sein Kontoguthaben ohne vorherige Vereinbarung, kann die Bank ihm einen Überziehungs-Kredit gewähren. Die Zinsen hierfür sind nochmals deutlich höher als beim Dispositions-Kredit. Das muss aber im Kontovertrag vereinbart sein. Ist das nicht der Fall oder unterlässt die Bank bestimmte andere Informationspflichten, kann sie keine Überziehungszinsen oder sonstigen Kosten verlangen.

Schuldenspirale vermeiden

Zunächst muss sich jeder Interessent fragen, wie hoch die monatliche Rate höchstens sein darf, um sie während der gesamten Laufzeit bezahlen zu können. Potenzielle Kreditnehmer sollten deshalb eine Übersicht über die eigene Einnahmen- Ausgaben-Situation erstellen. Verschiedene Programme im Internet helfen, die eigene finanzielle Belastbarkeit zu berechnen.

Verbraucher können sich auch an Kredit-Vermittler wenden. Diese fungieren als Mittler zwischen Bank und Kreditnehmer. Aber Achtung: Bei einem so zustande kommenden Kredit kann zusätzlich die Vermittlungsleistung zu vergüten sein. Nebenentgelte sind nicht zulässig, die Begleichung "notwendiger und im Einzelnen nachgewiesener Auslagen" (wie Telefon- und Portokosten) kann jedoch vereinbart werden.

Schulden sollten nicht mit neuen Schulden bezahlt werden. Sonst droht eine "Schuldenspirale" mit zusätzlichen finanziellen Belastungen. Diese Form der Kreditablösung ist häufig auch teurer, denn es fallen zusätzliche Gebühren und Ablösungszinsen an. Wer in finanziellen Nöten ist, sollte sich an eine Schuldner-Beratungsstelle in der Nähe wenden.

Wichtig bei Vertragsabschluss
Das Kleingedruckte sollte unbedingt gelesen werden. Auch sollten Kreditnehmer nur Verträge unterschreiben, die sie wirklich verstanden haben. Blankoformulare wie eine Selbstauskunft sollten nicht unterschrieben werden – nur vollständig ausgefüllte Unterlagen. Und auch bei Kreditverträgen gilt: "schwarz auf weiß" ist Pflicht. Das bedeutet, alle Kreditverträge sind grundsätzlich schriftlich abzuschließen.

Freitag, 11. November 2016

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