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Digitale Landwirtschaft

Pflanzenschutz und Ernte per App

Den Regen vorhersagen, Unkräuter und Schädlinge erkennen, etwas für Bienen tun – Apps unterstützen die moderne Landwirtschaft auf vielfältige Weise. Mittels Kamera erkennen Mobiltelefone Pflanzenkrankheiten und schlagen eine Behandlung vor. Apps weisen auch auf optimale Erntetermine hin. Der Bauernhof wird digital verwaltet.

Eine Hand Hält ein Smartphone mit der Landwirtschafts-App vor einen Kirschbaum. Mit der App "Cherry Harvest Size" kann der optimale Kirschen-Erntezeitpunkt festgelegt werden. Foto: Regen/ATB

Landwirtschaft – sie ist auch digital! Apps, kleine Anwendungen fürs Smartphone, erleichtern schon heute den Landwirten die tägliche Arbeit – und deren Bedeutung wird zunehmen. Davon ist auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt überzeugt: "Die Landwirtschaft ist eine Fortschrittsbranche und die Digitalisierung bietet die Chance, unsere Position im weltweiten Wettbewerb zu stärken."

Mit der App Kirschen ernten

Die App "Cherry Harvest Size" macht es möglich: Mit dem Handy können Kirschenproduzenten zukünftig den besten Erntezeitpunkt feststellen.

"Dicker wird’s nimmer" – so ließe sich interpretieren, was Kirschenproduzenten künftig auf ihrem Smartphone-Display ablesen können. Die Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Agrartechnik Potsdam-Bornim haben die App entwickelt. Sie errechnet aus wiederholt gemessenen Fruchtgrößen von Süßkirschen deren Wachstumsrate. Solange der tägliche Zuwachs hoch ist, können die Früchte am Baum bleiben und weiterwachsen. Fällt die Wachstumsrate jedoch unter einen bestimmten Wert, sollten die Früchte schnell geerntet werden. Sie wachsen dann so minimal, dass die Landwirte nicht das Risiko eingehen sollten, die Kirschen durch Regen, Krankheiten oder Schädlinge zu verlieren.

Krankheiten und Schädlinge erkennen

Mit Hilfe der App "Plantix" können Pflanzenkrankheiten schneller entdeckt und effizienter bekämpft werden. Die App erkennt Krankheiten und Schädlinge mithilfe von Fotos und gibt Tipps zur Behandlung. Die Nutzer der Handy-Anwendung machen einfach ein Foto der betroffenen Pflanze und per Bilderkennung gibt das Programm Auskunft über den Schaden.

Derzeit umfasst die Datenbank etwa 175 häufig auftretende Pflanzenkrankheiten und Schädlinge sowie etwa 40.000 Fotos. Die vielen Fotos sind für die Erkennung wichtig: Um allein eine Pflanzenkrankheit identifizieren zu können, sind 500 Bilder nötig.

Das Technology-Start-up PEAT entwickelte die App. Gemeinsam mit den Softwareentwicklern will das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung Müncheberg (ZALF) die App jetzt auch für Landwirte in Brasilien nutzbar machen. Bis zu einem Drittel der Ernteausfälle sind dort auf Schädlinge und Krankheiten zurückzuführen. Dadurch sind Landwirte in ihrer Existenz bedroht. Auch die Versorgung mit Nahrung in der Region leidet – Hunger ist die Folge. Mit der App soll dem Verlust von Erträgen vorgebeugt und der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln optimiert werden.

Eine weitere Besonderheit des Projekts: Die Nutzer der App stellen ihre Fotos und Daten über den möglichen Befall mit Krankheiten der Forschung bereit. Das Projekt gehört damit zu "Citizen Science" - eine Form der Wissenschaft, bei der Projekte unter Mithilfe von Bürgern realisiert werden. Die Pflanzen-App ist neben dem "Mückenatlas" bereits das zweite Projekt dieser Art am ZALF. Zur Erstellung des Mückenatlas sind Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, Mücken zu fangen und dem ZALF zuzusenden.

Wann kommt der Regen?

Am wichtigsten für Arbeiten auf dem Feld ist die Wettervorhersage. Gerade in der Erntezeit sind Wetter-Apps sehr gefragt, die bewusst auf die Anforderungen der Landwirte eingehen. Eine Regen-Alarm-App hilft, die Ernte trocken einzubringen. Sie warnt vor herannahenden Regenfronten und zeigt ein Niederschlagsradar an. Auch im gegenteiligen Fall, wenn Landwirte sehnlichst auf Regen warten, um ideale Wachstumsbedingungen für ihre Pflanzen zu haben, ist solch eine App nützlich.

Ebenso ist die Vorhersage der Windgeschwindigkeit hilfreich. Eine App gibt Auskunft darüber, ob das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln erlaubt ist oder ob womöglich schon Wind-Grenzwerte erreicht sind. So lässt sich die Arbeit besser planen.

Viele weitere Anwendungen

Landwirte, die zum Beispiel am Feldrand etwas für die nützlichen Bienen tun wollen, können eine kostenlose App des Bundeslandwirtschaftsministeriums nutzen: Das Programm bietet ein Lexikon mit mehr als 130 bienenfreundlichen Pflanzen. Es informiert über verschiedene Merkmale wie Blütenfarbe, Blühzeit und den besten Standort der Pflanzen.  

Beliebt sind Apps, die den Landwirten Büroarbeit abnehmen oder sie vereinfachen. Der Vorteil: Mit der Mobil-Anwendung können Büroarbeiten schon im Stall oder auf dem Acker erledigt werden – die Landwirte müssen nicht extra an den Schreibtisch. Ein Beispiel dafür ist die Dokumentation der Feldarbeiten. Während der Landwirt auf einem bestimmten Acker arbeitet, zeichnet die Software auf, was er gerade macht. Andere Apps wiederum dienen der Steuerung und Überwachung von Maschinen oder errechnen Düngeempfehlungen.

Ein Blick in die Zukunft

"Smart Home" und "Smart Cities" – diese Schlagworte machen bereits die Runde. Doch die Landwirtschaft hält mit: "Smart Farming". Über Apps können sich Landwirte einen "cleveren Hof" selbst zusammenstellen. Mehrere Geräte tauschen untereinander Daten aus oder führen selbständig programmierte Aufgaben aus. In der Vernetzung der Systeme liegt die Zukunft. Landwirtschaftliche Betriebe können damit Qualität sichern, Effizienz steigern und einen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz leisten.

Freitag, 19. August 2016

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