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Bundesfreiwilligendienst für Flüchtlinge

Viele berührende Momente

Mit Kindern wollte sie arbeiten, anderen helfen und sich von der Flüchtlingssituation selbst ein Bild machen: Louisa hat sich deshalb zum Bundesfreiwilligendienst für Flüchtlinge gemeldet. An einer Berliner Schule hilft sie Flüchtlingen im Deutsch- und Kunstunterricht. "Es macht sehr viel Spaß", erzählt sie.

Bufdi-Projekt in Köpenick-Treptow. Technischer Jugendbildungsverein in Praxis e.V., Louisa Duus ist Bundesfreiwillige in der Flüchtlingshilfe. Foto: Bundesregierung/Stutterheim

Die Klasse, in der sie der Lehrerin zur Seite steht, besteht aus zwölf Mädchen und Jungen aus sechs verschiedenen Ländern: Syrien, Afghanistan, Irak, Albanien, Tschetschenien und Griechenland. "Ich habe nicht erwartet, dass es so harmonisch läuft und die Kinder sich so gut verstehen", berichtet Louisa. Alle seien sehr wissenshungrig und hätten bereits nach kurzer Zeit gut Deutsch gelernt.

Für Deutsch und Kunst ist Louisa zuständig. Sie hat bereits ein Studium als Modedesignerin abgeschlossen und möchte nun soziale Erfahrungen sammeln, bevor sie eine weitere Ausbildung dranhängt.

In Deutschland ist alles toll

Fast alle zwölf Kinder sind ohne Eltern nach Deutschland gekommen. Sie sind zwischen 13 und 16 Jahre alt und leben nun in betreuten Wohneinheiten.

Sie machen einen fröhlichen und aufgeweckten Eindruck. Fotografiert werden wollen sie aber nicht. "Ich brauche eine neue Frisur", begründet ein Junge aus der ersten Reihe lachend.

Vor kurzem wurde den Zwölf aus der "Flüchtlingsklasse" eine Aufgabe gestellt: Sie sollten aufschreiben, was sie gut und was sie schlecht in Deutschland finden. Louisa lacht: "Die Liste der positiven Sachen wurde immer länger. Etwas Schlechtes über Deutschland ist den Kindern nicht eingefallen. Ein berührender Moment."

Der Bundesfreiwilligendienst für Flüchtlinge

Der Bundesfreiwilligendienst ist ein Angebot an Frauen und Männer jeden Alters, die sich sozial engagieren wollen. Bisher gab es dafür 35.000 Stellen – im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich oder im Bereich des Sports, der Integration sowie im Zivil- und Katastrophenschutz.

Da derzeit viele Menschen ehrenamtlich bei der Erstaufnahme der Flüchtlinge helfen, hat die Bundesregierung dafür ein Sonderprogramm mit 10.000 zusätzliche neuen Stellen gestartet. Seit Anfang Dezember gibt es dadurch die Möglichkeit, einen Bundesfreiwilligendienst in der Flüchtlingshilfe zu machen. Auch Flüchtlinge selbst können einen Bundesfreiwilligendienst machen

Organisator: der Technische Jugendbildungsverein

Louisa hat ihre Stelle als Bundesfreiwillige in der Flüchtlingshilfe über den Technischen Jugendbildungsverein in Praxis e.V. bekommen. Denn das eine sind die vielen engagierten Menschen, die vor Ort soziale Arbeit leisten wollen.

Das andere sind die Organisationen, die soziale Projekte ins Leben rufen und dafür Freiwillige brauchen. Der Technische Jugendbildungsverein ist einer davon. "Derzeit haben wir drei Bundesfreiwillige in drei Schulen eingesetzt", erklärt Hans-Georg Werner, Gründer und Leiter des Vereins.

Ursprünglich hat der studierte Physik- und Mathematiklehrer den Verein ins Leben gerufen, um benachteiligte Jugendliche in den Bereichen Technik, Medien, IT und Naturwissenschaften zu fördern. Die drängenden Aufgaben bei der Betreuung der Flüchtlinge haben ihn nun bewogen, sich auch hier einzusetzen.

Alle haben viel zu tun

Der Verein hat sein Büro in einer alten, verlassenen Schule in Berlin-Friedrichshagen, umgeben von drei Flüchtlingsunterkünften mit je 200 bis 300 Menschen. Neben vielen anderen Projekten hat er noch eine neue Idee: Er will in den Räumen der Schule Sportmöglichkeiten für Flüchtlinge anbieten. Denn die Sportgeräte wurden aus Turnhallen geräumt, in denen Flüchtlinge untergebracht sind.

Bufdi-Projekt in Köpenick-Treptow. Bundesfreiwilligendienst, TJP e.V. -Berlin, Technischer Jugendbildungsverein in Praxis e.V.Bild vergrößern Hans-Georg Werner, Gründer und Leiter des Technischen Jugendbildungsvereins Foto: Bundesregierung/Stutterheim

Über das Sportangebot informieren, die Kinder abholen, Aufsicht und Anleitung geben – all das will Hans-Georg Werner mit seinem Verein organisieren. Die Flüchtlingsunterkünfte schaffen solche zusätzlichen Arbeiten nicht, da zu viel zu tun sei. "Alles, was dort den Regelbetrieb stört, können die Betreuer vor Ort nicht leisten", erklärt Werner.

Er freut sich darüber, dass für viele ehrenamtliche Flüchtlingshelfer nun eine Stelle als Bundesfreiwilliger zur Verfügung steht. "Es gibt ein unglaubliches Engagement bei den Menschen. Der Bundesfreiwilligendienst ist eine gute Chance für die Flüchtlingshilfe", ist Werner überzeugt.

Flüchtlinge in der Flüchtlingshilfe
Der Bundesfreiwilligendienst für Flüchtlinge steht seit dem 1. Dezember 2015 auch Asylberechtigten und Asylbewerbern mit guter Bleibeperspektive offen.
Flüchtlinge haben aber auch die Möglichkeit, einen Bundesfreiwilligendienst in den regulären Bereichen abzuleisten – zum Beispiel in einem Seniorenheim oder Sportverein.
In der Regel dauert der Bundesfreiwilligendienst zwölf Monate, mindestens jedoch sechs und höchstens 18 Monate. In Ausnahmefällen kann er bis zu 24 Monate geleistet werden.

Samstag, 30. Januar 2016

Zusatzinformationen

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