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"Kunst aus dem Holocaust" in Berlin

Merkel: "Immerwährende Verantwortung"

Hundert Kunstwerke der Gedenkstätte Yad Vashem sind im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen. Sie erzählen vom Leiden der Menschen im Ghetto oder Konzentrationslager und vom unbeugsamen Geist der Künstlerinnen und Künstler, von denen viele den Holocaust nicht überlebten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht die Ausstellung "Kunst aus dem Holocaust - 100 Werke aus der Gedenkstätte Yad Vashem" im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Merkel in der Ausstellung "Kunst aus dem Holocaust": Bilder, die uns bis ins Innerste bewegen. Foto: Bundesregierung/Bergmann

Noch nie waren so viele Kunstwerke aus der Sammlung der Gedenkstätte Yad Vashem außerhalb Jerusalems in einer Ausstellung vereint. Insgesamt sind es 100 Bilder von 50 Künstlerinnen und Künstlern, die als Juden verfolgt, in Ghettos und Konzentrationslagern eingesperrt und gequält wurden. Viele von ihnen wurden ermordet.

Die Ausstellung biete einen Einstieg, eine nachdenklich stimmende und zum Nachdenken anregende Begleitung in der Beschäftigung mit dem schrecklichsten Kapitel der deutschen Geschichte, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Besuch der Schau. An dem Rundgang mit Kuratorin Eliad Moreh-Rosenberg nahm unter anderen auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters teil.

Mit ganzer Kraft für das "Nie wieder!"

"Dass diese Bilder mehr erzählen, als uns vielleicht auf den ersten Blick bewusst wird, und dass sie uns auch heute noch ansprechen und bis ins Innerste bewegen, macht sie so überaus wertvoll", stellte Merkel fest. Durch die Kunst sei es möglich, etwas von der Kraft und von dem Leiden dieser Menschen zu spüren und damit auch ihre Spuren ein wenig zu verfolgen.

Diese Ausstellungseröffnung im Vorfeld des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus unterstreiche, dass eine gute Zukunft nur im Bewusstsein dieser immerwährenden Verantwortung gestalten werden könne. "Die hier gezeigten Bilder mahnen uns ‑ jedes Bild auf seine eigene Art und Weise ‑, das, was geschehen ist, für immer im Gedächtnis zu behalten, das Andenken an die Opfer zu bewahren und uns mit ganzer Kraft für das 'Nie wieder!' einzusetzen", fuhr die Kanzlerin fort.

Die Erinnerung an den Zivilisationsbruch der Shoah werde immerwährende Verantwortung Deutschlands bleiben, versicherte sie.

Projekt der deutsch-israelischen Zusammenarbeit

In ihrer Rede ging Merkel auch auf die fünfzig Jahre diplomatischer Beziehungen ein, die Deutschland und Israel verbinden. Die Ausstellung bezeichnete sie als "ein beispielhaftes Projekt der deutsch-israelischen Zusammenarbeit".

Dass beide Länder einander inzwischen so vielfältig verbunden seien, nehme sich angesichts der Geschichte wie ein Wunder aus, erklärte Merkel. "Und wir in Deutschland sollten nie vergessen, dass es eben alles andere als selbstverständlich ist, sondern ein Wunder."

Werke aus Lagern und Ghettos

Hinter jedem Kunstwerk und jedem Künstler der Ausstellung stehen Menschen und Schicksale. Felix Nussbaum zum Beispiel: Er war bereits ein erfolgreicher Künstler, als ein Denunziant 1944 sein Brüsseler Versteck verriet. Von dort wurde er in das KZ Auschwitz deportiert, wo er ein halbes Jahr später umkam.

Oder Nelly Toll: Sie malte das Bild "Mädchen im Feld" als achtjähriges Mädchen im Jahr 1943. Zu dieser Zeit versteckte sie sich mit ihrer Mutter im Lemberger Ghetto. Sie überlebte in einem kleinen Verschlag bei einer christlichen Familie. Als einzige Überlebende nahm sie an der Ausstellungseröffnung teil.

Diese Künstlerinnen und Künstler arbeiteten im Geheimen unter unmenschlichen Bedingungen. Oft war schon die Beschaffung der Malmaterialien nur unter Lebensgefahr möglich. Viele Arbeiten entstanden deshalb auf Papier, das einfacher zu beschaffen war.

Ausstellung mit drei Themenbereichen

In der Ausstellung werden diese Werke unter drei Aspekten gezeigt: Das erste Kapitel ist der "Wirklichkeit" gewidmet. Zu sehen sind Situationen beim Abtransport, der Lageralltag oder auch ein geschundener Körper nach der Folter - Zeugnis der Grausamkeiten und Erniedrigungen, denen die Häftlinge im Lager ausgesetzt waren.

Im zweiten Bereich sind Porträts versammelt: Selbstbildnisse und vor allem Porträts von Leidensgenossen . Deutlich wird das Bedürfnis der Künstler, den oft totgeweihten ein Antlitz zu geben und es für die Zukunft zu bewahren – als Mensch und nicht als Opfer. "Transzendenz" lautet der Titel des dritten Ausstellungskapitels. Die Werke dort erzählen von der Sehnsucht der Inhaftierten nach einer anderen Wirklichkeit und ihrer Zuflucht in Erinnerung, Phantasie und den Glauben.

Zeugnisse eines unbeugsamen Geistes

Sie alle vermitteln die Erlebnisse der Künstlerinnen und Künstler auf eine sehr persönliche und sehr berührende Weise. Gleichzeitig zeugen sie als Kunstwerke von einer unerschütterlichen schöpferischen Kraft. "Jedes dieser Werke ist sowohl ein lebendiges Zeugnis aus dem Holocaust als auch eine Bekräftigung eines unbeugsamen, menschlichen Geistes", erklärte Avner Shalev, Vorsitzender von Yad Vashem, der ebenfalls an der Ausstellungseröffnung teilnahm.  

Zu sehen ist die Ausstellung "Kunst aus dem Holocaust – 100 Werke aus der Gedenkstätte Yad Vashem" noch bis zum 3. April im Deutschen Historischen Museum. Sie entstand auf Initiative der Bild-Zeitung in Kooperation von Deutschem Historischen Museum, der Bonner Stiftung für Kunst und Kultur und der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem.

Dienstag, 26. Januar 2016

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