Navigation und Service

Inhalt

Wirtschafts- und Finanzbilanz

Deutschland europaweit vorne

Rekordbeschäftigung, steigende Löhne, Verbraucher in Kauflaune und das stärkste Wirtschaftswachstum seit fünf Jahren. Eine gute Konjunktur bescherte Deutschland 2015 mit 16,4 Milliarden Euro den zweithöchsten Überschuss seit der Wiedervereinigung, meldet das Statistische Bundesamt.

Euroscheine werden über Waren gereicht. Die Kauflaune war im vergangenen Jahr stärkster Antrieb für die deutsche Wirtschaft. Foto: Jens Komossa

Haushaltskonsolidierung und Wirtschaftswachstum sind ein erfolgreiches Paar. Mit seinen Wirtschafts- und Finanzergebnissen liegt Deutschland in der Euro-Zone ganz vorne. Nach Schätzung der EU-Kommission kommen bestenfalls noch Estland und Luxemburg ohne Defizit aus. Ungeachtet steigender Kosten für Flüchtlinge schreibt Deutschland weiterhin schwarze Zahlen. Davon gehen Experten aus. Die Bundesregierung erwartet für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent, nach 1,7 Prozent in 2015. 

Alleinstellungsmerkmal in Europa

Der Überschuss von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherung entspricht 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). "Insgesamt hatte es seit der deutschen Vereinigung nur im Jahr 2000 einen etwas höheren Überschuss gegeben", sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Dieter Sarreither, in Berlin. "Damals jedoch aufgrund einmaliger Erlöse aus dem Verkauf von UMTS-Mobilfunklizenzen." Bereits 2014 gab es ein Plus von 8,9 Milliarden Euro, 2013 dagegen noch ein Defizit von 3,1 Milliarden. Deutschland besitze durch das erneute Plus "ein Alleinstellungsmerkmal", sagte Sarreither.

Bund mit größtem Überschuss

Der größte Überschuss gelang Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit gut zwölf Milliarden Euro. Sondereffekte spielten hierbei auch eine Rolle: So spülte der Verkauf von Mobilfunklizenzen rund drei Milliarden Euro in die Kasse. Die Bundesländer meldeten dagegen ein minimales Defizit von 60 Millionen Euro. Die Kommunen sowie die Sozialversicherung - von den gesetzlichen Krankenkassen bis zur Bundesagentur für Arbeit - kamen auf ein Plus von jeweils rund zwei Milliarden Euro.

Wachstumsmotor läuft

Für volle Staatssäckel sorgte 2015 vor allem die gute Konjunktur. Die Steuer- und Beitragseinnahmen stiegen mit 3,6 Prozent stärker als die Ausgaben, die um 3,0 Prozent anzogen. "Dabei erhöhten sich die Sozialleistungen kräftig", sagte Sarreither. Das lag zum einen an spürbaren Rentenerhöhungen, zum anderen am starken Zustrom von Flüchtlingen und den damit verbundenen Kosten für deren Verpflegung und Unterbringung. Dank niedriger Schuldzinsen hat der Staat viele Milliarden gespart. Die Zinsen sind so niedrig wie nie zuvor.

Konsum stärkster Antrieb 

Industrie und Dienstleistungsbetriebe haben zugelegt. Stärkster Antrieb für die deutsche Wirtschaft war aber im vergangenen Jahr die Kauflaune. Die Löhne sind gestiegen, das Sparen lohnt sich wegen der niedrigen Guthabenzinsen kaum und die gesunkenen Energiepreise entlasten die privaten Haushalte. Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist gut. Die Zahl der Erwerbslosen war in diesem Monat mit 2,681 Millionen so niedrig wie seit 24 Jahren nicht mehr.

Unsicherheitsfaktoren

Eine Rechnung mit vielen Unbekannten ist allerdings die Flüchtlingskrise. "Wenn die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland im Jahr 2016 um eine Million Menschen höher liegt, steigen die Kosten auf 30 Milliarden Euro", sagte der Präsident des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Clemems Fuest. Bereits 2015 kamen 1,1 Millionen Flüchtlinge - mehr als doppelt so viel wie erwartet. Viele Experten rechnen mit einer ähnlich hohen Zuwanderung in diesem Jahr.

Detaillierte und endgültige Wirtschaftszahlen will das Statistische Bundesamt Ende Februar vorlegen.

Freitag, 15. Januar 2016

Zusatzinformationen

Bundesfinanzministerium

Heute aktuell:

  • Nach Verhaftungen in Türkei Türkei-Politik neu ausrichten
  • Hilfe vom Pflegestützpunkt Lotsin durch den Pflege-Dschungel
  • Telefonat im Normandie-Format Ukraine: Neuer Impuls für Friedensprozess