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Merkel beim Bund der Vertriebenen

Leid der Vertriebenen ist Mahnung und Auftrag

Bundeskanzlerin Merkel hat an das Leid der vertriebenen Deutschen nach Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert. Diese Schicksale seien heute Auftrag und Mahnung, künftigen Generationen ein solches Leid zu ersparen, betonte Merkel auf dem Jahresempfang des Bundes der Vertriebenen in Berlin.

Bundeskanzlerin Merkel am Rednerpult Merkel: Historisches und Aktuelles in den Blick nehmen ist Ansatz der Bundesregierung. Foto: Bundesregierung/Bolesch

Deutschland müsse sich der immerwährenden Verantwortung für das Leid bewusst sein, das es während des Nationalsozialismus in die Welt gebracht habe, mahnte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Grußwort. Nur so könnte man angemessen an das Unrecht erinnern, das Millionen Deutsche erfahren hätten.

Beim Jahresempfang des Bundes der Vertriebenen am Dienstagabend handelte es sich um den ersten unter dem neuen Präsidenten Bernd Fabritius. Ende 2014 hatte er die langjährige Vorsitzende Erika Steinbach abgelöst.

Gedenktag am 20. Juni

Das Schicksal der Vertriebenen werde unvergessen bleiben, betonte Merkel weiter. Deshalb sei es wichtig, dass die gesellschaftliche Anerkennung von Vertreibungsschicksalen regelmäßig in einem Gedenktag Ausdruck findet. Er werde zum ersten Mal am 20. Juni begangen.

Mit dem Gedenktag stärke die Bundesregierung die öffentliche und politische Wahrnehmung der Themen Flucht und Vertreibung, erklärte die Kanzlerin. "Wir rufen das Leid durch den Verlust von Heimat und von Angehörigen in Erinnerung, das auf dem Weg ins Ungewisse millionenfach durchlebt wurde. Und wir würdigen, was Vertriebene für den Wiederaufbau Deutschlands in den Nachkriegsjahren geleistet haben."

Die Bundesregierung hatte am 27. August 2014 beschlossen, dass ab 2015 jährlich am 20. Juni der Opfer von Flucht und Vertreibung gedacht werden soll. Mit diesem Datum knüpft die Bundesregierung an den Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen an. Zudem erweitert sie das Flüchtlingsgedenken um das Schicksal der Vertriebenen.

Vertreibungen - gestern und heute

Merkel verwies auf die aktuellen Flüchtlingsströme. "Das UN-Flüchtlingshilfswerk spricht von weltweit fast 51,2 Millionen Flüchtlingen, Vertriebenen und Asylsuchenden - so viel wie nie seit dem Zweiten Weltkrieg", so die Kanzlerin.

Mit seinem diesjährigen Leitwort "Vertreibungen sind Unrecht - gestern und heute" knüpfe der Bund der Vertriebenen einen Bogen von den Flüchtlingsdramen der Vergangenheit zu denen der Gegenwart. Historisches und Aktuelles in den Blick zu nehmen, sei auch der Ansatz der Bundesregierung, erklärte Merkel.

Auf der einen Seite trage Deutschland erheblich zur Erforschung und Vermittlung von Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa bei. "In diesem Jahr sind es insgesamt über 23 Millionen Euro, die wir Museen, Wissenschafts- und Kultureinrichtungen hierfür zur Verfügung stellen", sagte Merkel.

Auf der anderen Seite fördere die Bundesregierung Programme, die heutige Erfahrungen und Schicksale betreffe. Dazu zähle etwa die Einrichtung einer Juniorprofessur an der Universität Osnabrück zur Migration und Integration von Russlanddeutschen. Merkel verwies zudem auf die vielen Menschen, die aus den Staaten Mittel- und Osteuropas nach Deutschland kämen und mit großen Eingewöhnungsschwierigkeiten zu kämpfen hätten. "Daher arbeiten wir daran, dass sie sich aufgenommen fühlen und gute Startbedingungen vorfinden."

Dank für Engagement

Die Schicksale, die Millionen Deutsche durch Flucht und Vertreibung erlitten hätten, seien heute "Mahnung und Auftrag, dafür Sorge zu tragen, dass uns und künftigen Generationen ein solches Leid erspart bleibt", sagte Merkel. Die beste Antwort auf die Herausforderung der Sicherung von Frieden, Freiheit und Stabilität bleibe die europäische Einigung.

Die Kanzlerin würdigte das Engagement des Bundes der Vertriebenen. Viele Menschen engagierten sich in der Heimat ihrer Vorfahren und seien "Brückenbauer" zu den europäischen Nachbarn. "Für dieses breite und unermüdliche Engagement danke ich Ihnen herzlich. Sie helfen mit, die Erinnerung an die Vergangenheit wach zu halten, die Verbindung zur Heimat und zu den Deutschen in mittel- und osteuropäischen Staaten zu pflegen und denen zur Seite zu stehen, die zu uns kommen."

Dienstag, 5. Mai 2015

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