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Globaler Klimaschutz

Das folgenreiche Ende des Dauerfrosts

Wenn sich die Erde weiter erwärmt und, wie beispielsweise in Sibirien, der sogenannte Permafrostboden taut, hat das weitreichende Folgen für Landschaft, Ökologie und Wirtschaft. Deshalb drängt die Kanzlerin auf ein verbindliches Klimaabkommen.

tauender Permafrost Steigt die Bodentemperatur, schwindet der Permafrost - das wirkt sich ungünstig auf das Klimasystem aus Foto: picture alliance/blickwinkel/Bäsemann

Für Deutschlands G7-Vorsitz hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren verstärkten persönlichen Einsatz für den Klimaschutz angekündigt. Es müsse endlich gelingen, neue verbindliche Vereinbarungen zu beschließen.

Wenn der Mensch Teile des komplexen, globalen Klimasystems zu stark verändert, droht das System zu kippen, und zwar irreversibel. Das Klimasystem hat mehrere "Kipp-Elemente":

  • Schmelzen des arktischen und antarktischen Eises
  • Rückgang des nördlichen Nadel-oder Lärchenwaldes
  • Austrocknen des Regenwaldes
  • Störung des indischen und westafrikanischen Monsuns

Ein weiteres Kipp-Element des Klimasystems sind tauende Permafrostböden, zum Beispiel in Sibirien. Dort tun sich seltsame Krater auf. Sieben größere Löcher, so schreibt die Süddeutsche Zeitung, hat Wassili Bogolavjenski, Forscher an der Russischen Akademie der Wissenschaften, inzwischen verzeichnet. Der erste Krater wurde im Sommer 2014 entdeckt: ein Loch mit fast senkrechten Seitenwänden und 30 Metern Durchmesser. Einen Meteoriteneinschlag schließen Wissenschaftler aus. Wahrscheinlichste Ursache: ein gespeichertes Methan-Eis-Gemisch im Permafrost. Taut der Boden auf, wird das Gas freigesetzt und erzeugt enormen Druck. Schließlich wird der Boden aufgesprengt.

Bei Permafrost liegt die Bodentemperatur mindestens zwei Jahre in Folge bei Null Grad oder darunter. Weltweit ist rund ein Viertel der Landfläche - etwa 23 Millionen Quadratkilometer – Permafrostgebiet. Dazu zählen weite Teile Russlands, Kanadas, Alaskas und westliche Teile Chinas. In Europa kommt Permafrost nur in Hochgebirgslagen vor, in Deutschland ist die Zugspitze die einzige Permafrostregion.

"Alles deutet darauf hin, dass die Krater durch einen Überdruck von Methangas entstanden sind", meint Hans-Wolfgang Hubberten. Er leitet die Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrums für Polar- und Meeresforschung (AWI).

Erderwärmung taut Permafrost auf 

Wo der Permafrost auftaut, verändern sich ganze Landschaften. Wälder und Tundra-Regionen versumpfen, Seen versickern, der Untergrund sackt ein oder legt sich in Wellen. Straßen reißen auf, Eisenbahnschienen verbiegen sich, Häuser neigen sich zur Seite, Stützen von Ölpipelines geraten in Schieflage. Keine Szenen aus einem Science Fiction Film, sondern Realität.

Permafrost wichtiger CO2-Speicher

Die meisten Wissenschaftler vermuten, tauende Permafrostböden könnten den Klimawandel beschleunigen. Denn in Permafrostböden sind große Mengen an Kohlenstoff, allein in Ostsibirien sind bis zu 500 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Mikroorganismen zersetzen die Kohlenstoffverbindungen, die dabei erzeugte Wärme beschleunigt das Auftauen der Böden. Wo der Untergrund gut belüftet ist, entsteht Kohlendioxid - eine ernst zu nehmenden Folge der Klimaänderung. Die arktischen Dauerfrostböden in Sibirien und Nordamerika könnten riesige Mengen an Kohlendioxid freisetzen.

Fehlt aber Sauerstoff im Boden, bildet sich statt CO2 Methan. Das Gas kann nicht entweichen und drängt irgendwann an die Oberfläche. Weitere Krater sind zu erwarten.

Klimawandel verursacht Schäden

In tauenden Permafrostböden verlieren Bäume ihre Stabilität und stürzen, in neu entstandenen Senken gehen sie wegen Staunässe ein. Waldbrände und Insektenbefall nehmen zu. Viele flache Gewässer, Moore und Sumpfgebiete trocknen aus. Immer öfter rutschen Hänge ab, Steinschlag in Gebirgen nimmt zu. Auch Rollbahnen auf Flughäfen, Öl- und Gasleitungen, Kohlegruben und Abfallhalden sind gefährdet, ebenso das Schienennetz der Transsibirischen Eisenbahn. Schäden zu beseitigen, wird enorme Summen verschlingen.

Die Klimaerwärmung muss weltweit begrenzt werden. Die Bundesregierung setzt sich deshalb dafür ein, dass auf der internationalen UN-Klimakonferenz im Dezember 2015 in Paris ein globales und verbindliches Abkommen zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen geschlossen wird.

Donnerstag, 12. März 2015

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