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Hightech-Strategie

Chronische Rückenschmerzen versorgen

Unser Gesundheitswesen gehört zu den besten der Welt. Dennoch sind immer wieder neue Ansätze notwendig, um die Gesundheitsversorgung weiter zu optimieren. Die Versorgungsforschung ist wichtiger Teil der Zukunftsaufgabe "Gesundes Leben" der Hightech-Strategie der Bundesregierung.

Tagesklinik MRT Erläuterung Dr. Marnitz Ulf Marnitz plant die Versorgung eines Patienten Foto: Ulf Marnitz

"Wenn ein fünfzigjähriger Maurer mit chronischen Rückenschmerzen glaubt, dass ihm Ärzte diese Schmerzen völlig nehmen können, dann ist das Quatsch", sagt Dr. Ulf Marnitz, Geschäftsführer des Berliner Rückenzentrums. Bei der schweren Arbeit ist Verschleiß ganz normal. Ärzte können die Schmerzen lindern, aber oft nicht ganz beseitigen.

Mit Schmerzen leben

Mancher muss lernen, mit den Schmerzen zu leben und trotz der Schmerzen aktiv zu bleiben und weiter am sozialen Leben und möglichst auch am Berufsleben teilzunehmen. Vielleicht könnte der Maurer in einem Baumarkt arbeiten, wo seine Fachkompetenz gebraucht wird. Wenn er nichts mehr macht, werden die Schmerzen chronisch, was die Lebenssituation immer mehr verschlimmert.

Tatsächlich gibt es kein Krankheitsbild in Deutschland, das mit so hohen Kosten verbunden ist wie der chronische Rückenschmerz. Marnitz beziffert die Kosten auf 40 Milliarden Euro jährlich. Dabei geht es nicht primär um Kosten für medizinische Versorgung, Krankengeld, Krankenhaus, Operationen. Viel höher sind die volkswirtschaftlichen Kosten etwa durch vorzeitiges Ausscheiden aus der Arbeit.

Akut oder chronisch

Dabei muss natürlich unterschieden werden zwischen akuten und chronischen Rückenschmerzen. Beim akuten Schmerz - etwa einem Hexenschuss - gibt der Arzt eine Spritze, verschreibt einige Anwendungen und nach kurzer Zeit ist alles wieder in Ordnung. "Das ist nichts anderes als ein Schnupfen, auch von den Kosten her", sagt Marnitz.

Es ist erstaunlich, dass unser Gesundheitswesen, eines der teuersten auf der ganzen Welt, bei chronischen Rückenschmerzen aber scheitert. Als Ursache sieht Marnitz die "Einzelkämpfer" in unserem System. Zuerst gibt der Hausarzt Spritzen und schreibt krank. Wenn das nicht hilft, ist der Orthopäde dran, der vielleicht auch eine Massage und andere Anwendungen verschreibt. Vielleicht folgt eine Operation.

Versorgung erforschen

Die Zeit ist aber ein großes Problem. Studien zeigen, dass immer weniger Arbeitnehmer ins Berufsleben zurückkehren, je länger sie krank geschrieben sind. Es muss also schnell etwas geschehen durch passgenaue medizinische Versorgung. Um hier zu fundierten Kenntnissen zu gelangen, fördert das Bundesforschungsministerium in seinem Aktionsplan "Versorgungsforschung" Studien zur Verbesserung der Versorgung von Patienten.

An einem derartigen Projekt zu nichtspezifischen Rückenschmerzen in der Allgemeinarztpraxis war das Rückenzentrum beteiligt. Dabei ging es vor allem darum, wie schon der praktische Arzt erkennt, zu welcher Risikogruppe ein Patient gehört, um ihn dann angemessen zu informieren und an eine geeignete Stelle weiterzuleiten.

Mehrere Ursachen von Rückenschmerzen

Eine Möglichkeit ist das Konzept der Rückenzentren, von denen es mehrere in Deutschland gibt. Vier Faktoren sind es, die hier gleichzeitig in den Blick genommen werden:

  • Die Morphologie und Struktur, einfach gesagt, etwas ist kaputt,
  • die Funktion, also die Muskulatur und das Zusammenspiel mit der Wirbelsäule,
  • die Psyche, also wie erlebt und verarbeitet der Patient den Schmerz und
  • die soziale Situation, bestehend aus Arbeit, Familie und Freunden.

Ausbildung von Physiotherapeuten an der Gesundheitsakademie Berlin-Buch.Bild vergrößern Interdisziplinär arbeiten Foto: picture alliance / zb

All diese Aspekte müssen parallel berücksichtigt werden. Deshalb arbeiten im konkreten Beispiel Orthopäden unter dem gleichen Dach zusammen mit Physiotherapeuten, Psychologen und Sportwissenschaftlern. Das Programm geht in der Regel über vier Wochen, in denen der Patient täglich für etwa sechs Stunden in der Einrichtung daran arbeitet, seine Schmerzen zu verringern, aber auch damit umzugehen.

Gruppen von acht Personen treiben Sport, besprechen ihre Situation und den Umgang mit dem Schmerz, üben sich richtig zu bewegen, etwa in typischen belastenden Arbeitssituationen. Sie erhalten natürlich auch alle zweckmäßigen medizinischen Behandlungen. Die Erfolge sind beeindruckend: Mehr als 70 Prozent der so betreuten Rückenleidenden kehren wieder ins Berufsleben zurück.

Übrigens: Chronische Rückenleiden sind nicht nur typisch für Menschen mit schwer körperlicher Arbeit. Der Berufsalltag vieler Büro-Beschäftigter ist gekennzeichnet durch wenige Bewegung, eine ungünstige Arbeitshaltung vor dem Computer und häufig großer Stress. Auch ihnen kann durch eine interdisziplinäre Behandlung geholfen werden, wenn beispielsweise der Nacken dauerhaft schmerzt.

Dienstag, 10. Februar 2015

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