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Deutsches Zentrum Kulturgutverluste

Aufruf zur Suche nach NS-Raubkunst

Bei der konstituierenden Sitzung des Stiftungsrates des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste hat Kulturstaatsministerin Grütters öffentliche Museen, Bibliotheken und Archive aufgerufen, die eigenen Bestände nach NS-Raubkunst zu untersuchen.

Gruppenfoto im Kanzleramt mit StM Monika Gruetters zu Beginn der Stiftungsratssitzung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste. Der neue Stiftungsrat des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste Foto: Bundesregierung/Eckel

"Unerträglich" nennt Kulturstaatsministerin Grütters den Umstand, dass bis heute nicht zweifelsfrei sicher ist, ob sich in deutschen Museen, Archiven oder Bibliotheken noch Objekte befinden, denen der Verdacht anhaftet, Bestandteil von NS-Raubkunst zu sein.

Grütters hatte das Thema Provenienzforschung gleich zu Beginn ihrer Amtszeit zur Chefsache gemacht, die Mittel dafür im Jahr 2014 verdoppelt, für 2015 sogar auf sechs Millionen Euro verdreifacht. Doch nicht zuletzt der Schwabinger Kunstfund hat eines deutlich gezeigt: Geld allein wird das Problem nicht lösen. Für die Provenienzforschung in Deutschland braucht es einen zentralen Ansprechpartner, der die Forschungsarbeit auf diesem Gebiet bündelt.

Hierfür hat der Bund in Zusammenarbeit mit den Ländern und Kommunen das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste (DZK) gegründet. Zu Beginn des Jahres nahm die im Eiltempo errichtete Stiftung ihre Arbeit in Magdeburg auf.

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste ist national und international der zentrale Ansprechpartner in Deutschland für Fragen der Herkunft und Rückführung von NS-Raubkunst. Das Zentrum hat vor allem die Aufgabe, öffentliche Einrichtungen bei der Suche nach NS-Raubkunst zu beraten und finanziell zu unterstützen. Getragen wird die Stiftung von der Bundesregierung, allen 16 Ländern und den drei kommunalen Spitzenverbänden. Sie erhält neben den Beiträgen aller Stifter zum Stiftungskapital jährliche Zuwendungen von Bund und Ländern.

Weichen für künftige Arbeit sind gestellt

Am heutigen Donnerstag kamen die Stiftungsratsmitglieder im Bundeskanzleramt nun zu ihrer ersten konstituierenden Sitzung zusammen. Staatsministerin Grütters wurde für eine Amtszeit von drei Jahren zur Vorsitzenden des Gremiums bestimmt. Ehrenamtlicher Vorstand der Stiftung wird für zunächst zwei Jahre Uwe Schneede, renommierter Kunsthistoriker und Kurator für zeitgenössische Kunst.

"Ich nehme das Amt der Stiftungsratsvorsitzenden gern an und bedanke mich für das in mich gesetzte Vertrauen", sagte Grütters nach der Sitzung. "Ich freue mich, dass wir mit Professor Schneede einen renommierten Kunsthistoriker gewonnen haben, der dieser zentralen Aufgabe Gewicht und Stimme gibt. Mit ihm hat eine Persönlichkeit die Leitung übernommen, die sich mit großem persönlichen Engagement für die Suche nach NS-Raubkunst in öffentlichen Sammlungen einen Namen gemacht hat."

Appell an öffentliche und private Sammler

Auf der Tagesordnung der Sitzung standen neben Personal-, Haushalts- und Organisationsfragen auch Entscheidungen zu den Grundlagen der Fördertätigkeit des Zentrums. Kulturstaatsministerin Grütters unterstrich, dass den öffentlichen Einrichtungen mit den Förderungsmöglichkeiten des DZK nun die Expertise sowie die nötigen Mittel zur Verfügung stehen, um ihre Bestände auf NS-Raubgut hin zu untersuchen. In Zukunft seien die vom Bund geförderten Institutionen auch dazu verpflichtet, den Sachstand auf diesem Gebiet in ihren Jahresberichten auszuweisen.

Der Stiftungsrat hat das Zentrum zudem beauftragt, bis zu seiner nächsten Sitzung im April ein neues Konzept zur Förderung privater Sammler und privat getragener Einrichtungen zu entwickeln, um auch diese bei der Suche nach NS-Raubkunst zu unterstützen. Grütters betonte: "Mit der geplanten Beratung und Förderung privater Sammler und privat getragener Einrichtungen, die sich den Washingtoner Prinzipien verpflichten, ziehen wir eine wichtige Lehre aus dem Schwabinger Kunstfund. Es ist unsere Überzeugung, dass die moralische Verantwortung für die Aufarbeitung des nationalsozialistischen Kunstraubs unteilbar ist."

Der Stiftungsrat ist das Aufsichtsgremium des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste (DZK). In diesem Gremium sind die Stifter, also Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände vertreten. Er besteht aus 15 Mitgliedern. Der Stiftungsratsvorsitz wird alle drei Jahre zwischen Bund und Ländern wechseln. Als beratendes Gremium bildet das DZK zudem ein Kuratorium, welches Stiftungsrat und Vorstand bei ihrer inhaltlichen Arbeit berät und unterstützt. Es besteht aus neun bis elf anerkannten Persönlichkeiten, insbesondere auch aus dem Ausland. Sie werden vom Stiftungsrat berufen.

Donnerstag, 22. Januar 2015

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