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Klimaschutz

Moore mindern CO2

Moore machen nur drei Prozent der weltweiten Landfläche aus, speichern aber doppelt so viel Kohlenstoffdioxid wie alle Wälder der Erde zusammen. Ihr Schutz lohnt: Werden Moore zerstört, setzen sie hohe Mengen klimaschädlicher Gase frei, einzigartige Tier- und Pflanzenwelten werden vernichtet.

Bunt gefärbte Blätter sind an einem Luch im Stobbertal in der Märkischen Schweiz im Landkreis Märkisch-Oderland nahe Buckow (Brandenburg) zu sehen.Natur Landschaft Vor rund 12.000 Jahren entstanden in Deutschland die ersten Moore. Foto: picture-alliance/dpa

Monika Reichart und Manuela Spitzgerber sind Moorerlebnis-Führerinnen. In Unterdeutsch im Oberallgäu durchwandern sie einen alten Torfstich und erkunden den Moorwald – für die meisten Einheimischen und Gäste ein Ausflug in eine unbekannte, aber faszinierende Landschaft.

Sommer im Moor

Unter dem Motto "Erlebe den Moorsommer" zeigen sie Feriengästen und deren Kindern fleischfressende Pflanzen: Sie beobachten den Sonnentau, der Insekten mit seinen klebrigen Blättern fängt, sie verdaut und dadurch Stickstoff und Mineralsalze gewinnt. Sumpfdotterblumen blühen und die Sonne glitzert auf den Wasserflächen. Ein idyllisches Bild.

Seltene Vögel wie Waldwasserläufer und Wachtelkönig haben ihre Brut- und Rastplätze im Moor. Staunend beobachten die Wanderer, wie eine Bekassine in der lockeren oberen Moorschicht nach Futter sucht. Kaum ein Städter kennt den Vogel noch. Nagespuren von Bibern stoßen – besonders bei den Jugendlichen - auf großes Interesse. Eine heile Welt?

Vor rund 12.000 Jahren entstanden in Deutschland die ersten Moore. Sie entwickelten sich nur dort, wo Wasser im Überfluss vorhanden ist: als Quell- oder Regenwasser, hoch stehendes Grundwasser oder regelmäßiges Hochwasser. Ursprünglich waren rund 1,5 Millionen Hektar - also 4,2 Prozent der Fläche Deutschlands - von Mooren bedeckt. Heute gelten nur noch etwa 5 Prozent als naturnah.

Wasser speichern

Sind Moore intakt, wirken sie wie Schwämme, die Niederschläge aufsaugen. Dadurch schützen sie bei Hochwasser vor Überflutungen. Auch bei der Grundwasserbildung erfüllen Moore wichtige Funktionen: Sie sind regelrechte Wasserfilter.

Pflanzen nehmen die im Wasser gelösten Nähr- und Schadstoffe auf. Durch die Torfbildung werden sie dauerhaft im Torf eingeschlossen. Trocknet der Torf, kommt es zu einer Freisetzung von Schadstoffen. Nitrat und Phosphor können ins Grundwasser, aber auch in angrenzende Seen und Flüsse gelangen und die Qualität des Trinkwassers beeinträchtigen.

Torfabbau stoppen

Jährlich werden etwa acht Millionen Kubikmeter Torf – vorwiegend in Niedersachsen – abgebaut. Ein kleiner Teil kommt in Kosmetik und Medizin zum Einsatz, beispielsweise als Moorbäder und –packungen. Ein großer Teil wird im Gartenbau verwendet. Etwa ein Drittel verbrauchen die Hobby-Gärtner.

"Ich kann es gar nicht glauben, dass – auch in Deutschland – Moore noch vor allem zur Herstellung von Blumenerde abgebaut werden", erklärte der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, auf der Moorschutzkonferenz des NABUin Berlin.

CO2-Ausstoß senken

Durch die Zerstörung der Moore werden nicht nur die Lebensräume vieler Tiere und Pflanzen vernichtet, sondern auch hohe Mengen klimaschädlicher Gase freigesetzt. Allein aus entwässerten deutschen Mooren entweichen jährlich rund 45 Millionen Tonnen CO2.

"Das sind rund fünf Prozent der jährlichen Gesamtemissionen in Deutschland und fast 40 Prozent der Emissionen der deutschen Landwirtschaft", so Flasbarth.

Mit insgesamt 84 Prozent tragen Land- und Forstwirtschaft den größten Anteil an den Emissionen, die durch die Zerstörung von Mooren frei werden.

Moore sind nasse Landschaften mit einem Torfboden, der weitgehend aus Kohlenstoff besteht. Nasse Moore beeinflussen die Bilanz der Treibhausgase auf zwei Weisen: Sie binden Kohlenstoffe und stoßen Methan aus. Langfristig ist der klimatische Effekt der Kohlenstoffaufnahme wichtiger als der des Methan-Ausstoßes. Denn Methan wird mit einer Verweildauer von zwölf Jahren in der Atmosphäre vergleichsweise schnell abgebaut. Wird ein Moor entwässert, dringt Sauerstoff in den Torf ein. Dadurch wird der Ausstoß von Methan gestoppt und stattdessen Kohlenstoff und Lachgas in die Atmosphäre abgegeben. Die Auswirkung auf das Klima ist hierbei 298 mal höher als bei CO2 und 12 mal höher als Methan.

Schutz der Moore rechnet sich

Im Bericht "Naturkapital und Klimapolitik" werden die gesellschaftlichen Kosten und die öffentlichen Fördergelder für verschiedene Landnutzungen auf Moorböden verglichen. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Ackerbaus auf entwässerten Moorböden sind danach um ein Vielfaches höher als die privaten Gewinne.

Der Leiter der Studie, Prof. Bernd Hansjürgens vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, bringt es auf den Punkt: "Wenn wir zum Beispiel 300.000 Hektar Moorböden in Deutschland wieder vernässen würden, ließen sich volkswirtschaftliche Schäden von 217 Millionen Euro pro Jahr vermeiden".

Donnerstag, 14. August 2014

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