Dienstag, 23. Februar 2010
Junge Europäer zu Gast im Bundespresseamt
Ab sofort wird Europa ein besserer Ort: beim Klimaschutz, Atomwaffen, Kinderrechten und der Drogenpolitik stehen ehrgeizige Reformen an. So planen es zumindest die jungen Abgeordneten des 11. Modell Europa Parlaments (MEP). Die Eröffnungsveranstaltung fand am 23. Februar im Theodor-Haubach Saal des Bundespresseamtes in Berlin statt.
Dem Äußeren nach bereits echte Parlamentarier trafen die Delegationen aus allen 16 Bundesländern sowie den Gastländern Polen und Dänemark frühmorgens im Bundespresseamt ein. Denn zu den Besonderheiten des MEP gehört auch, dass auf die Einhaltung bestimmter Formalien Wert gelegt wird. Die jungen Delegierten tragen seriöse Kleidung, bedanken sich bei dem Präsidium für die Erteilung des Rederechts und nutzen untereinander das förmliche „Sie“ statt des üblichen „Du“.
Äußerlich ist daher auf den ersten Blick kaum ein Unterschied zwischen den Abgeordneten des MEP und ihren erwachsenen Vorbildern in Straßburg zu bemerken. Sehr viel deutlicher wird dieser Unterschied in den Ambitionen der Schülerinnen und Schüler. Der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans, der die Delegierten mit einer Eröffnungsrede begrüßte, brachte es auf den Punkt: „Häufig sind junge Menschen sehr viel visionärer als ältere Politiker“.
Schülerinnen und Schüler simulieren das Europäische Parlament
Und in der Tat: Während in der wirklichen europäischen Politik häufig langwierige Debatten über das Glühbirnenverbot vorherrschen, haben sich die Jugendlichen für ihre einwöchige Amtszeit die ganz großen Themen vorgenommen. Die 16-jährige Lena aus dem Saarland will sich zum Beispiel für eine bessere Integration von Migranten und gegen Vorurteile und Rassismus einsetzen. Und auch andere Abgeordnete verfolgen ehrgeizige Ziele: sie wollen durch weniger Emissionen das Klima besser schützen, Kinderrechte stärker durchsetzen und auch im Bereich der Suchtprävention zukünftig mehr tun.
Um diese Ziele zu verwirklichen, haben sich die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen an ihren Heimatschulen intensiv auf die Veranstaltung vorbereitet. In ihrem jeweiligen Themengebiet kennen sie sich nun ebenso gut aus, wie mit der Arbeitsweise des europäischen Parlaments. In dessen Rolle werden sie die ganze Woche schlüpfen.
Entsprechend ihren Interessengebieten werden die jungen Delegierten des MEP in verschiedenen Ausschüssen in einem wahren Sitzungsmarathon gemeinsam Resolutionen erarbeiten. Diese werden sie am Ende der Woche vor dem gesamten Plenum verteidigen, bevor über ihre Annahme abgestimmt wird. Neben Fachwissen und Überzeugungskraft sind dabei ganz wie in der echten Politik natürlich auch Kompromisse nötig. Die Teilnehmer der Simulation des Europäischen Parlaments lernen viel. Dazu gehört vor allem auch Sozialkompetenz, findet der 15-jährige Jan-Willem: „Man lernt, mit anderen zu arbeiten und umzugehen und sich auf eine gemeinsame Position zu einigen.“
Besonders wichtig ist aber eines, findet sein Freund Mohamed: „Es ist natürlich viel Arbeit, aber es macht vor allem total viel Spaß!“ Kaum etwas ist wichtiger für die Zukunft Europas als diese Freude an politischem Engagement. Damit verbunden ist die Erkenntnis, dass es sich lohnt, die eigenen Visionen einzubringen und mitzuentscheiden. Dass das MEP den Teilnehmern dies alles vermittelt, macht die Veranstaltung jedes Jahr wieder zu etwas ganz Besonderem.
