Rückblick 1989

Sommer 1989 - Die Mauer bekommt Risse

Eine Mutter mit ihrem weinenden Kind nach der Massenflucht über Ungarn nach Österreich.
DDR-Bürger flüchten aus Ungarn nach Österreich
Foto: picture-alliance / dpa

Ein Sprung über eine Mauer und ein Picknick werden zu Symbolen des Zusammenbruchs der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa. Zwischen beiden Ereignissen liegen zwar 19 Jahre, aber ohne sie ist der Fall der Mauer genauso wenig denkbar wie die Wiedervereinigung Deutschlands und Europas.

Das kommunistische Regime in Polen stürzt

Für Deutschland ist der Fall der Mauer das zentrale Ereignis des Jahres 1989. Aber auch in Polen spielt eine Mauer als Symbol für die Freiheit eine wichtige Rolle. Ein Stück dieser Mauer wurde als Denkmal vor dem Reichstagsgebäude in Berlin aufgestellt. Bundestagspräsident Norbert Lammert und der polnische Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski enthüllten es  am 17. Juni, dem Gedenktag für den Aufstand der Arbeiter in der DDR 1953.

Die beiden Parlamentspräsidenten würdigten damit die Rolle der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc für die Befreiung Osteuropas vom Kommunismus. Der Text auf der Bronzetafel auf dem Denkmal lautet in deutscher und polnischer Sprache: „Zur Erinnerung an den Kampf der Solidarnosc für Freiheit und Demokratie und an den Beitrag Polens zur deutschen Wiedervereinigung und für ein politisch geeintes Europa.“

Gründung der Gewerkschaft Solidarnosc in Danzig 1980

Das Mauerstück gehörte zur Werftmauer der Danziger Leninwerft. Über diese Mauer kletterte im August 1980 der Arbeiterführer und spätere polnische Staatspräsident Lech Walesa und organisierte einen Streik der Werftarbeiter. Dieser Streik führte zur Gründung der Gewerkschaft Solidarnosc. Diese Gewerkschaft war die erste seitens einer kommunistischen Regierung anerkannte Oppositionsbewegung im damaligen Ostblock.

Zwar wurde die Solidarnosc unter der Militärregierung des Präsidenten Jaruzelski verboten. Damit entging Polen der Gefahr einer militärischen Intervention der Sowjetunion, die die demokratische Entwicklung des Landes stoppen wollte. Als der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow in der zweiten Hälfte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts jedoch seine Reformpolitik einleitete, ließ der sowjetische Druck auf Polen und die anderen Staaten des Ostblocks nach. Dies war eine wichtige Voraussetzung für den Fall der kommunistischen Regimes. Die Gewerkschaft wurde 1989 wieder zugelassen. Sie erzwang im Juni 1989 die ersten freien Wahlen in Polen, die zur Abwahl der kommunistischen Regierung führten. Mit Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki kam ein Mitglied der Solidarnosc an die Macht, der den damaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl am 9. November 1989 in Warschau empfing – an dem Tag als in Berlin die Mauer fiel.

Ungarn: Ein Picknick macht Geschichte

Am 19. August 1989 veranstaltete die Europaunion an der ungarisch-österreichischen Grenze ein „paneuropäisches Picknick“. Dieses Fest nutzten hunderte Menschen aus der DDR um nach Österreich zu gelangen. Es war die größte Massenflucht aus der DDR seit dem Bau der Berliner Mauer 1961. Die Grenzbefestigungen waren bereits seit dem 2. Mai von der ungarischen Regierung abgerissen worden. Am 27. Juni gaben die Außenminister Österreichs und Ungarns dieser Tatsache die nötigen Bilder. Sie trennten symbolisch mit Zangen die Drähte an noch verbliebenen Grenzzäunen durch.

Damit war ein großes Loch in den eisernen Vorhang gerissen. Es lockte tausende Menschen aus der DDR an, die diesen Weg zur Flucht in den Westen nutzten. Zwar gab es erheblichen Druck seitens der DDR und Rumäniens auf Ungarn, die Grenze wieder zu schließen, eine militärische Intervention scheiterte jedoch an der Ablehnung Gorbatschows. Als der Druck der Flüchtlinge aus der DDR in Ungarn zu groß wurde, gab die ungarische Regierung die Grenzkontrollen schließlich faktisch auf. Ein Jahr später war Deutschland wiedervereinigt.

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