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Donnerstag, 30. August 2007

Mehr Fachkräfte ausbilden – Zukunft sichern: Nationale Qualifizierungsinitiative

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Das Bundeskabinett hat auf seiner Kabinettklausur am 23. und 24. August 2007 in Meseberg ein ganzes Bündel von Maßnahmen zur Beseitigung des Fachkräftemangels diskutiert. Sie sollen in der sogenannten „Nationalen Qualifizierungsinitiative“ zusammengefasst und im Herbst vom Bundeskabinett verabschiedet werden. Vieles davon ist bereits angelaufen. Im Vordergrund der Initiative stehen eine bessere Aus- und Weiterbildung sowie mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung. Aber auch in Deutschland ausgebildete ausländische Akademiker sowie Fachkräfte aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten sollen zukünftig leichter dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, damit der Fachkräftemangel nicht die Dynamik der deutschen Wirtschaft und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährdet.

Wichtiges Ziel ist, die Quote der Schulabbrecher drastisch zu senken und die Durchlässigkeit zwischen Berufs- und Hochschulausbildung zu erhöhen. Für qualifizierte Berufstätige ohne Abitur wird es einfacher, ein Studium aufzunehmen. Damit steigen auch die Aufstiegschancen.

Ausbildung und Weiterbildung wird verbessert

Auch wenn der Qualifizierung arbeitsloser Fachkräfte kurzfristig besondere Bedeutung zukommt, kann damit die Nachfrage der Wirtschaft nicht gedeckt werden. Ein ganzes Bündel von Maßnahmen ist notwendig.

Die Bundesregierung wird deshalb Qualität und Wirkung des deutschen Aus- und Weiterbildungswesens grundlegend verbessern. Gemeinsam mit den Ländern soll die Zahl der Schulabbrecher bis zum Jahr 2010 halbiert werden. Das fängt bei den ganz Kleinen an. In Bildungshäusern soll zukünftig die Zusammenarbeit bei der vorschulischen mit der schulischen Ausbildung verbessert werden.

Ziel der Bundesregierung ist es, den Anteil der Studierenden eines Jahrgangs auf 40 Prozent zu erhöhen. Die Weiterbildungsquote soll von 41 Prozent auf 50 Prozent im Jahr 2015 steigen. Die Bundesregierung bietet hierzu den Ländern  eine Weiterbildungsallianz an. Durch den Hochschulpakt  ist der erste Schritt getan. 90.000 zusätzliche Studienplätze entstehen bis 2010.

Berufliche Ausbildung stärken

Aber auch die berufliche Ausbildung soll gestärkt werden. Damit jeder Jugendliche einen Ausbildungsplatz erhält, wird die Bundesregierung noch in diesem Jahr als Teil der Qualifizierungsinitiative ein Konzept „Jugend-Ausbildung und Arbeit“ vorlegen. Die Einführung eines Ausbildungsbonus für überdurchschnittlich ausbildende Betriebe sowie Ausbildungskostenzuschüsse oder der Einsatz von Ausbildungspaten werden geprüft. Anrechenbare Ausbildungsbausteine sollen insbesondere schwachen Jugendlichen helfen.

Der Übergang aus der beruflichen Bildung zur Hochschule soll erleichtert werden. Mit einem bundesweiten Wettbewerb für Konzepte der berufsbegleitenden Studien sollen die Hochschulen stärker in die Weiterbildung einbezogen werden.

Für herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler will der Bund zusammen mit den Ländern erreichen, dass sie nach Erreichen ihrer Altersgrenze in Deutschland weiter forschen und nicht ins Ausland gehen.

Jahr der Mathematik und Technikpraktikum sollen junge Menschen begeistern

Besonders dringend werden Forscherinnen und Forscher gesucht. Geplant ist daher ein Technikpraktikum, dass auf die Ausbildung angerechnet werden kann. Außerdem sollen junge Menschen durch das Jahr der Mathematik in 2008 durch einen breiten Dialog mit der Wissenschaft für Naturwissenschaften begeistert werden.

Mehr Geld für Forschung – Leuchttürme mit internationaler Ausstrahlung

Insbesondere mit Investitionen für den Klimaschutz, der Energieversorgung sowie gegen Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer soll Deutschland seine Spitzenstellung im globalen Wettbewerb verteidigen. Dazu werden gezielt Leuchtturmprojekte gestartet.

In strategischen Partnerschaften von Staat, Wissenschaft und Wirtschaft werden so die Forschungsgelder konzentriert. Bis 2010 will die Bundesregierung das sogenannte Lissabon-Ziel erreichen und 3 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) für Forschungs- und Entwicklung ausgeben. Die bislang angesetzten zusätzlich 6 Milliarden Euro bis zum Ende der Legislaturperiode werden entsprechend erhöht. Bereits im kommenden Jahr steigt die Quote auf 2,7 Prozent des BIP. 

Arbeitsmöglichkeiten für ausländische Fachkräfte erleichtern

Ein weiterer Schwerpunkt der Kabinettsklausur liegt in der Gewinnung von zusätzlichen Fachkräften aus dem Ausland. Um Talente wird weltweit geworben. Der Konkurrenzdruck erhöht sich. Alleine in der EU wird der Bedarf auf 500.000 Fachkräfte zusätzlich beziffert.

Zum einen will die Bundesregierung für deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschafter und Experten die Rückkehr attraktiver machen. Durch ein „Wissenschaftsfreiheitsgesetz“ sollen für sie die Rahmenbedingungen verbessert werden. Mehr Forschungspreise werden ausgelobt. Auch für die Familie und den Lebenspartner sind attraktive Lebens- und Karriereangebote geplant.

Zusätzlich sollen nach dem Beschluss des Bundeskabinetts in Meseberg in Deutschland ausgebildete Fachkräfte zukünftig für 3 Jahre eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis erhalten. Die Prüfung, ob die freie Stelle nicht durch einen Inländer besetzt werden kann, soll in diesen Fällen entfallen.

Außerdem soll für ausländische Fachkräfte der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtert werden. Es geht hier um Ingenieure im Maschinenbau und in der Elektrotechnik, die aus den neuen mittel- und osteuropäischen Beitrittstaaten der EU kommen. Diese beiden ersten Schritte sollen bereits zum 1. November 2007 in Kraft treten.

Zur Beseitigung des mittel- und langfristigen Fachkräftebedarfs wurden die Bundesministerien für Wirtschaft, für Arbeit  und Soziales, für Bildung und Forschung sowie das Bundesministerium des Inneren darüber hinaus mit der Entwicklung eines langfristigen Zuwanderungskonzeptes für die Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes beauftragt.