Ausstellung

Puppenspiel - mehr als nur Unterhaltung 

Wer erinnert sich nicht an den bärenstarken Lokomotivführer Lukas mit seinem Freund Jim Knopf oder die Melodie zum Lied "Eine Insel mit zwei Bergen"?

Die Augsburger Puppenkiste ist in Deutschland seit langem ein Begriff für gute und pädagogisch wertvolle Kinderunterhaltung. Ihre spannenden Themen finden mit Leichtigkeit Zugang in die Phantasiewelt nicht nur von Kindern.

Eine Sonderausstellung des Museums der Puppenkiste zeigt nun, dass Puppenspiel gerade in armen Ländern wesentlich mehr ist als Unterhaltung.

Gerade in Entwicklungsländern, in denen viele Menschen weder lesen noch schreiben können, hat sich das Puppenspiel als Medium hervorragend bewährt. Sei es bei der Aids-Aufklärung, bei Erklärungen zu Gesundheit und Verhütung oder auch bei der Warnung vor Minen und Blindgängern. Die Kinder dieser Länder gerade durch Puppenspiel über diese Gefahren aufzuklären, kommt hervorragend an.

Lachen als Medizin

Die vielen kleinen lokalen Puppenspiel-Initiativen in den Armuts- und Katastrophenregionen bringen es immer wieder fertig, mit einfachen Mitteln Kinder zum Lachen zu bringen. Mit viel Herz, Phantasie und Einfühlungsvermögen hauchen sie ihren Puppen Leben ein. Die Marionetten und Handpuppen sind in der Sonderausstellung des Puppenkistenmuseums erstmals zu sehen.

"Topolino" beispielsweise half den Psychiatern des muslimischen Roten Halbmondes, die Traumata von Kindern in Erdbebengebieten zu behandeln. Ein farbenprächtiges Aids-Monster einer Gesundheitsinitiative aus Uganda hat die Aufgabe, die dortige Bevölkerung aufzuklären. Aber auch Puppen aus dem Müll der Favelas Brasiliens erzählen eindrucksvoll ihre Geschichten.

"Das Engagement und Wirken unserer Kolleginnen und Kollegen in den armen Regionen der Welt, in Katastrophen- und Krisengebieten verdient viel Lob und Anerkennung", sagt Oliver Seitz, Leiter des Museums der Augsburger Puppenkiste. "Sie lindern nicht nur das Leid der Opfer und machen ihre Not erträglich. Sie klären mit ihrer Arbeit auch auf und versuchen, Denkanstöße zu geben."

Puppen als Mahner und Schlichter

Das dies funktioniert, hat Heike Kammer in der Sonderausstellung vor Augsburger Grundschulkindern bewiesen. Die Deutsche ist Friedensfachkraft und Puppenspielerin in Mexiko.

Mit dem Indianermädchen Lupita und dem Hasen Rodolfo erklärt sie den Kindern das einfache Leben in einem der armen Indianerdörfer Mexikos. So ganz nebenbei erfahren die Kinder aber auch, dass ihr selbstverständlicher Wohlstand bei weitem nicht selbstverständlich ist.

Die Friedensfachkraft berichtet, dass ihr Publikum in Mexiko aus vielen Erwachsenen besteht. Ihr Puppentheater wirkt auch in Dörfern, die von gewalttätigen Auseinandersetzungen oder politischen Konflikten geprägt sind. In einem ihrer Stücke streiten sich unterschiedliche religiöse und politische Gruppen, die sich dann später versöhnen.

Manch einer erkennt seine eigene Situation wieder. Mut gehört zu Heike Kammers Arbeit, wenn ihre Puppen in ihren Handlungen beherzt Probleme anprangern und Lösungen vorschlagen. Für ihre Verdienste wurde sie 1999 mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Weimar ausgezeichnet.

Eine Ausstellung für die ganze Familie 

Die "Sonderausstellung Vereinte Nationen Puppenspiel" der Augsburger Puppenkiste zeigt noch bis zum 6. Mai in vielfältiger Weise Figuren aus unterschiedlichsten Nationen, Kulturen und Ländern. Leihgaben aus 17 Ländern – viele aus Krisengebieten und Entwicklungsländern – bereichern neben der Marionettenfamilie der Puppenkiste die Ausstellung.

Zu sehen sind auch vier Puppentheaterformen, die die Unesco als Güter des immateriellen Weltkulturerbes ausgezeichnet hat. So zum Beispiel Exponate des "Sbek Thom"-Schattentheaters aus Kambodscha, Wayang-Kulit-Stabfiguren aus Indonesien und Bali und mehr.

Begleitend zur Sonderschau präsentiert das Museum eine Ausstellung mit Leder-Schattenfiguren der Khmer (Einwohnerinnen und Einwohner Kambodschas). Dies gilt als Sensation, da diese Kunstform durch die Schreckensherrschaft der Roten Khmer fast vollständig vernichtet wurde. Aufgrund einer Initiative der Deutsch-Kambodschanischen Gesellschaft können junge Menschen seit einigen Jahren wieder lernen, die Lederskulpturen herzustellen. Die Begleitausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Unesco-Kommission.

Eine weitere Besonderheit der Sonderausstellung sind die Handpuppen aus Afghanistan. Seitz: "Besonders freut uns, dass Kinder in Afghanistan speziell für unsere Ausstellung mit großem Elan Handpuppen gebastelt haben. Wir wollen den kleinen Künstlern am Hindukusch ebenfalls eine Freude bereiten und haben alle Augsburger Kinder zu einem Handpuppenbauwettbewerb für Afghanistan aufgerufen."

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