Die Welt blickt in diesen Tagen auf China. Die Olympischen Spiele machen es möglich. Doch China hat mehr zu bieten. Das Land ist eine bedeutende Wirtschaftsnation und ein wichtiger Kooperationspartner.
Auch wenn Deutschland 2008 Exportweltmeister bleiben wird, China steht als viertgrößte Volkswirtschaft und drittgrößte Handelsnation der Welt kurz dahinter. Die Volksrepublik meldet Wirtschaftsdaten, um die sie ihre Nachbarstaaten und Konkurrenten beneiden.
Doch das Riesenland steht auch nach 30 Jahren der "Reform- und Öffnungspolitik" und der anhaltenden wirtschaftlichen Öffnung unverändert vor gewaltigen Aufgaben:
Allein 800 Millionen Chinesinnen und Chinesen leben auf dem Land und machen damit über die Hälfte der Gesamtbevölkerung des Landes aus. Die beträgt 1,3 Milliarden Menschen (Stand: 2005). Die Hälfte der Landbevölkerung - also etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung - ernährt sich noch immer von der Landwirtschaft. Allerdings ist deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) gewaltig geschrumpft. Den größten Anteil am BIP erbringen Industrie und Dienstleistungen mit fast 90 Prozent, Tendenz weiter steigend.
Wegen des daraus entstehenden Wohlstandsgefälle zwischen Stadt und Land wird die Wahrung des sozialen Stabilität immer schwieriger. Dies ist jedoch das Hauptziel der chinesichen Wirtschaftspolitik. Die Regierung will in den nächsten Jahren viele Milliarden in die Infrastruktur der armen westlichen Provinzen stecken. Außerdem will sie die traditionelle Industriegebiete im Nordosten rundum erneuern. Gleichzeitig muss China das unzureichende Sozialversicherungssystem stärken, was den Staatshaushalt auf mittlere Sicht beträchtlich belasten dürfte.
1972 nahmen die Bundesrepublik Deutschland und die Volksrepublik China diplomatische Beziehungen auf. Seitdem haben sich die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern mit atemberaubendem Tempo zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt.
Deutsche Unternehmen exportieren heute über 150-mal mehr Waren nach China und führen sogar über 400-mal mehr aus China ein als 1972. Sie beziehen wesentlich mehr Waren aus China als sie dorthin liefern. Für 2007 beträgt das deutsche Handelsdefizit 24,7 Milliarden Euro oder 29 Prozent des beiderseitigen Handelsvolumens.
Seit 2002 ist China nach den USA der zweitwichtigste deutsche Exportmarkt außerhalb Europas. Deutschland ist mit Abstand Chinas größter europäischer Handelspartner und steht weltweit auf Rang sechs (ohne Hongkong und Taiwan auf Platz vier).
Deutsche Unternehmen verkaufen hauptsächlich Maschinen und Anlagen, elektrotechnische Produkte und Spezialgeräte sowie Kraftfahrzeuge nach China. Importiert werden vor allem elektrotechnische Erzeugnisse, Textilien, Bekleidung sowie ebenfalls Maschinen und Anlagen.
Deutschland ist seit 1999 Chinas größter europäischer Investor gemessen an den jährlichen Neuinvestitionen. Bis Ende 2007 haben deutsche Unternehmen Direktinvestitionen in Höhe von rund 15 Milliarden US Dollar in China getätigt.
Investiert wird vor allem in die chemische Industrie (BASF und Bayer investieren in Milliardenhöhe) und traditionell in den Automobilbau (VW, BMW und Daimler) sowie den Maschinen- und Anlagenbau. Auch deutsche mittelständische Unternehmen haben sich in den letzten Jahren verstärkt in China engagiert.
Deutschland muss aufgrund seiner außenwirtschaftlichen Stärke den Wettbewerb mit China nicht scheuen. China bietet der deutschen Wirtschaft hervorragende Chancen. Allerdings muss China die rechtlichen Rahmenbedingungen noch verbessern.
Bessere Wirtschaftsbeziehungen erfordern mehr Rechtssicherheit und mehr Vertragsfreiheit. Ausländische Unternehmen müssen außerdem in China denselben Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen erhalten wie chinesische Unternehmen.
Produktpiraterie und unerlaubter Technologietransfer muss wirksam bekämpft werden. Der gesetzliche Rahmen in China entspricht inzwischen weitgehend internationalen Standards. Nun geht es darum, diese Standards in der Praxis auch anzuwenden. Dazu gibt es viele gemeinsame deutsch-chinesische Projekte, zum Beispiel die Zusammenarbeit zwischen den Patentämtern.
"Mein Eindruck ist, dass auch Teile der chinesischen Wirtschaft zunehmend ein eigenes Interesse an effektiven Schutzrechten erkennen. Denn die Zahl der Patentanmeldungen von chinesischen Firmen steigt zum Beispiel rapide an", erklärte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos.
Im Jahr 2001 ist China der Welthandelsorganisation WTO beigetreten. Seitdem hat China geregelten Zugang auf die internationalen Märkte. Nun muss China seine eigene Verpflichtung erfüllen und den heimischen Markt öffnen.
Leider haben die WTO-Mitgliedstaaten ihre Verhandlungen im Juli 2008 in Genf über die Kernmodalitäten der Doha - Runde abgebrochen. Insbesondere konnte man sich nicht darüber einigen, in welchem Ausmaß Industrieländer und Entwicklungsländer Verpflichtungen zur Öffnung ihrer Märkte übernehmen. Der Hauptgrund: Große und wettbewerbsfähige Schwellenländer - vor allem China und Indien – haben sich hinter dem selbst gewählten Status als Entwicklungsland versteckt. Sie wollten so eigene Zugeständnisse vermeiden.