Bei allen Unschärfen des Begriffs und Abgrenzungsschwierigkeiten zu anderen Wirtschaftszweigen: Die Kultur- und Kreativwirtschaft wächst. Ihr Umsatz beträgt über 117 Milliarden. Gut 800.000 Beschäftigte sind hier mittlerweile tätig. Um ungefähr drei Prozent jährlich stieg die Zahl der Arbeitsplätze in den letzten zehn Jahren.
Kein Wunder, dass diese Branche stärkere Aufmerksamkeit erfährt. Nicht nur national, sondern auch international. Im Jahr 2006 hatte die Europäische Kommission eine Studie zur Bedeutung der Kulturwirtschaft in Europa vorgelegt. Ein beeindruckendes Bild wurde sichtbar: 654 Milliarden Euro Umsatz, 5,8 Millionen Beschäftigte europaweit, beträchtliche Wachstumsraten.
Kultur- und Kreativwirtschaft: Was genau gehört dazu?
Eine allgemein verbindliche Definition gibt es noch nicht – weder auf europäischer Ebene noch auf nationaler. Der privat organisierte Verein Kulturstatistik hat ein Abgrenzungsmodell entwickelt. Inwieweit es tragfähig ist, muss noch geklärt werden. Nach dieser Definition zählen zum Kernbereich der Kulturwirtschaft in Deutschland: Verlagsgewerbe, Filmwirtschaft, Rundfunk- und Fernsehwirtschaft, darstellende und bildende Künste, Literatur, Musik, Journalisten- und Nachrichtenbüros, Buch- und Zeitschriftenhandel, Museen und Kunstausstellungen, Architektur sowie Designwirtschaft.
Auch unter deutscher Ratspräsidentschaft in der ersten Hälfte des Jahres 2007 war die Kultur- und Kreativwirtschaft ein Thema. Sie konnte erfolgreich als ein wesentlicher Programmpunkt für die künftige europäische Kulturpolitik verankert werden. In der Berliner Erklärung der europäischen Staats- und Regierungschefs vom 25. März 2007 heißt es: „Europas Reichtum liegt im Wissen und Können seiner Menschen; dies ist der Schlüssel zu Wachstum, Beschäftigung und sozialem Zusammenhalt. Wissen, Können und Kreativität, diese Ressourcen haben wir weiterzuentwickeln und auszubauen.“
Die nun von der Bundesregierung ins Leben gerufene Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft kommt dieser Aufforderung nach.
Die Initiative will die Bedeutung des Wirtschaftszweiges stärker ins politische Bewusstsein rücken. Denn immer mehr verdient er die gleiche Anerkennung wie etablierte Wirtschaftszweige. Die Initiative will die Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der Branche verbessern. Es ist wichtig, das Potenzial der Kulturwirtschaft mit ihrem Zusammenspiel von Kreativität und Innovation zu nutzen. Das schafft Arbeitsplätze und fördert das Wirtschaftswachstum. Die Kulturwirtschaft hat beste Chancen, im internationalen Wettbewerb zu bestehen.
Die Initiative will die Strukturen und Potenziale der Kultur- und Kreativwirtschaft herausarbeiten. Eine verbesserte kulturwissenschaftliche Nutzung öffentlicher Informationen wird angestrebt. Zum Beispiel durch eine Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums. Kompetenzen sollen gestärkt und die Vernetzung der Kultur- und Kreativbranche verbessert werden. Auf den Prüfstand gehören alle bereits vorhandenen Förderinstrumente.
Die Initiative steht für interessierte Beteiligte und Akteure offen. An ihr beteiligen sich neben Bund, Ländern und der Europäischen Union Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Eingeladen sind auch Wirtschaftsverbände und Vertreterinnen und Vertreter der Teilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft, beispielsweise aus dem Verlagsgewerbe und der Filmwirtschaft. Sie können ihr Wissen und ihre Erfahrung beisteuern. Außerdem startete das Bundeswirtschaftsministerium übergreifende Branchendialoge mit Workshops und Fachforen: Im Verlauf des Jahres 2008 wird es eine Reihe von themenspezifischen Veranstaltungen geben.
Die Ergebnisse der Initiative werden im Frühjahr 2009 in einem Bericht präsentiert. Gesteuert und koordiniert wird die Initiative von der Arbeitsgruppe „Kulturwirtschaft“, die im Bundeswirtschaftsministerium angesiedelt ist.
Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundeswirtschaftsministerium, Dagmar Wöhrl, fasst die Ziele der Initiative zusammen: "Wir wollen konkrete Hilfestellungen dort geben, wo es aus Bundessicht notwendig und sinnvoll ist. Dies betrifft beispielsweise die Verbesserung der Außendarstellung und des Standortmarketings. Generell geht es darum, neue positive Zukunftsperspektiven für die Kreativwirtschaft zur Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu erschließen."