Selma Mufungu steht, ihre Tochter auf dem Arm, im Vorraum des Clay House Büros, Partner von SODI im Lehmhausbauprojekt. Sie wartet darauf, auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch von Tertu Shilongo, Büroleiterin des Clay House Projektes, Platz nehmen zu können. Noch sind drei Frauen vor ihr in der Reihe, die sich ebenfalls in dem Interessentenbuch eintragen möchten. Mit dem Eintrag in das Buch dokumentiert Selma Mufungu ihre Hoffnung, irgendwann Besitzerin eines Lehmhauses werden zu können.
Auf der Suche nach Arbeit ist sie vor einigen Jahren nach Otjiwarongo gekommen. Aus Bauabfällen baute sich Selma ein kleine Hütte, die in der Nacht zu kalt und am Tag zu heiß ist. Die Temperaturwechsel und unhygienischen Bedingungen will sie ihrer kleinen Tochter nun nicht mehr zumuten. Viel zu viele Kinder sterben noch bevor sie das 5. Lebensjahr erreicht haben, an vermeidbaren Infektionskrankheiten.
Als sie endlich an der Reihe ist, werden ihre persönlichen Daten sowie die ihrer Familie in das Buch aufgenommen und dort zusammen mit der Nummer ihres Personalausweises dokumentiert. Während der Prozedur erklärt Tertu Shilongo, dass mit der Aufnahme in das Buch keinerlei Rechte auf ein Lehmhaus abgeleitet werden können. Doch das hat sich in Otjiwarongo längst herumgesprochen. Die Menschen wissen, dass es darum geht ihren Bedarf an Wohnraum zu dokumentieren.
Fast alle Menschen, die sich in das Buch eingetragen haben, leben zur Zeit noch in einem sogenannten „Shack“. Einer Behausung, die aus Wellblechteilen und Plastik notdürftig zusammengezimmert ist. Obwohl sie wissen, dass es nicht um einen Rechtsanspruch geht, verbinden viele mit dem Buch die Hoffnung bei einem der nächsten Hausbauprojekte begünstigt zu werden. Aus diesem Grunde haben sich bisher fast 1.500 Familien, Lebensgemeinschaften und alleinerziehende Frauen in das Buch eingetragen.
Immer wieder kommt es dazu, dass Tertu Shilongo Anzahlungen, die Interessenten bei der Eintragung gleich leisten wollen, zurückweisen muss. Diese Bereitschaft der Menschen sich durch eine Anzahlung das Recht auf ein Lehmhaus sichern zu wollen, ist einer der größten Erfolge für das Projekt. Denn damit zeigt sich, welchen Wert die Menschen mittlerweile einem Lehmhaus beimessen. Das war noch vor wenigen Jahren ganz anders.
Bereits im derzeit auslaufenden SODI-Lehmhausprojekt mussten die Begünstigten 7.500 Namibia Dollar (650 Euro) als Barleistung erbringen. Weitere 22.000 Namibia Dollar (1.900 Euro) sind für das Grundstück und die zum Haus gehörige Toilette als Kredit an die Kommune Otjiwarongo zurückzuzahlen. Finanziell unterstützt wird das Projekt durch das Bundesentwicklungsministerium und private Spenden.
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Kosten sparen durch Eigenleistungen
Foto: SODI
Trotz der hohen Eigenleistungen standen die Menschen, als es um die Eintragung in die Liste der Hausbewerber ging, in einer langen Reihe an. Nicht zuletzt diese Eigenleistungen sind es, die dazu führen, dass die neuen Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer dringend auf eine Erwerbstätigkeit angewiesen sind. Ohne bezahlten Job ist der Kredit der Stadt kaum zu tilgen. Wer Probleme dabei hat, die Eigenleistungen aufzubringen, kann jedoch als bezahlte Hilfskraft auf der Lehmhaus-Baustelle Beschäftigung finden.
Wer bereit ist, seine Ersparnisse in ein Lehmhaus zu investieren, zeigt Vertrauen in die angewandte Technologie. Bis vor einigen Jahren galt die Technologie noch als rückständig und minderwertig. Für das Clay House Project bedeutet dieses Vertrauen, dass das jahrelange Ringen um Akzeptanz nun von Erfolg gekrönt ist. Dazu haben auch die SODI-Projekte entscheidend beigetragen.
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Auch Dachziegel werden aus Lehm hergestellt
Foto: SODI
Bereits in den Jahren 2002 bis 2005 hat SODI gemeinsam mit dem Clay House Project und Mitteln der Europäischen Union die ersten 160 Lehmhäuser gebaut. Mit dem Abschluss des neuen Projekts sind nun 100 weitere Häuser hinzugekommen. Über 1000 Menschen haben diese Projekte zu einem menschenwürdigen Leben verholfen.
Trotz einer enormen weltweiten Preissteigerung bei Rohstoffen, die für das Haus nötig sind, konnten die Häuser mit zusätzlichen Mitteln der Bundesregierung fertig gestellt werden.
(Autoren: Alfred Hensel, Mitarbeiter im Clay House Project, Susanne Laudahn, Projektmanagerin, SODI)