Erstmalig in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft wird das Sportereignis 2010 auf afrikanischem Boden ausgetragen. Südafrika wird für vier Wochen und stellvertretend für den gesamten Kontinent tausende internationale Gäste, Fans und Journalisten willkommen heißen.
Aber was bleibt dem Land und dem Kontinent, wenn das Mega-Event vorbei sein wird? Diese mit dem Begriff "Legacy 2010" umrissene Diskussion treibt bereits jetzt die Planer und Organisatoren in Südafrika um.
Eine ernsthafte Antwort auf diese Frage müsste gleichermaßen spekulativ wie vielschichtig ausfallen. Eine Annäherung erlaubt ein Blick zurück auf das Jahr 2006, das sich in Deutschland als Sommermärchen in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingeprägt hat.
Eine Fußball-WM ist mehr als nur ein sportlicher Wettstreit zwischen 32 Teams. Eine Vielzahl positiver Impulse kann noch über Jahre und auf verschiedenen Ebenen wirken. Vor diesem Hintergrund verständigte sich die Bundesregierung bereits im Herbst 2006 mit Südafrika über ein ganzes Maßnahmenpaket im Hinblick auf die WM.
Die Servicestelle „Kommunen in der Einen Welt“ von InWEnt (Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH) setzt das Projekt "Jetzt lasst uns Freunde bleiben" um. Dabei geht es im Kern um eine beratende Unterstützung südafrikanischer Planungsstäbe, vorwiegend auf kommunaler Ebene.
Daneben unterstützt InWEnt Südafrika in den Bereichen Umwelt und dem Greening der Fußball-WM, also der Berücksichtigung der umweltschutzrechtlichen Maßnahmen. Weitere Unterstützung gibt es beim Ausbau von Sportplätzen sowie einer Jugend- und Straßenfußballinitiative.
Mehr als 40 Experten aus elf ehemaligen deutschen Gastgeber-Städten, dem DFB und anderen Stellen sind seither zu ihren Kollegen nach Südafrika gereist. In einem vertrauensvollen Dialog werden Erfahrungen, Konzepte und Strategien ausgetauscht, diskutiert und angepasst.
Einerseits ist völlig klar, dass die deutschen Konzepte nicht eins zu eins übertragen und umgesetzt werden können. Andererseits sind eine Vielzahl von Anforderungen, Abläufen und Gesetzmäßigkeiten einer Fußball-WM international identisch - und genau hier setzt das Projekt an.
Dabei steht die erfolgreiche Durchführung der Fußball-WM zwar augenscheinlich im Vordergrund. Aus entwicklungspolitischer Sicht ist es jedoch viel bedeutsamer zu fragen, wie eine Stadt langfristig den maximalen Nutzen aus einem Event dieser Größenordnung ziehen kann. "Wir wollen die WM als Vehikel zur Stärkung und Fortentwicklung unserer Stadt in punkto Infrastruktur und Kompetenz unserer Mitarbeiter nutzen“, beschrieb Ian Neilson, Leiter des Finanzausschusses von Kapstadt, zu Beginn seine Erwartungen an die Zusammenarbeit mit den deutschen Kollegen.
Die Beratungsanfragen aus Südafrika sind in den ersten anderthalb Jahren des Projekts, das vom Bundesentwicklungsministerium finanziert wird, deutlich gestiegen. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf den Bereichen Transport und Verkehr, Stadtmarketing und Tourismus, Fanfeste, Rettungsdienste und Sicherheit.
Auch in Südafrika wird die Fußball-WM letztlich nicht als Heilsbringer für die unterschiedlichen Herausforderungen und Probleme des Landes dienen können. Viele soziale, politische und ökonomische Missstände werden auch nach 2010 Bestand haben. In einigen Bereichen können mit Hilfe der Fußball-WM positive Impulse gesetzt werden, die langfristig den Entwicklungsprozess Südafrikas voranbringen.
Als anschauliches Beispiel dient die intensive Zusammenarbeit der Feuerwehren beider Länder. In vielen Bereichen bietet die Fußball-WM die Möglichkeit, für den Alltag längst überfällige Gerätschaften und Fahrzeuge neu zu beschaffen und zu modernisieren sowie Personal einzustellen und fortzubilden. Realistische Übungs- und Einsatzkonzepte für Großveranstaltungen werden gemeinsam erarbeitet und durchgeführt.
Dies soll die südafrikanischen Einsatzkräfte langfristig besser auf die alltäglichen Herausforderungen der Brandbekämpfung und des Katastrophenschutzes vorbereiten. Rückmeldungen der deutschen Kollegen zeigen, dass die Einsätze eine Vielzahl von fachlichen sowie interkulturellen Erfahrungen mit sich bringen. Diese sind auch für die Arbeit in Deutschland von hohem Wert.
So ist beispielsweise die gemeinsame Einsatzzentrale von Polizei und Feuerwehr in Durban auf einem international hohem Niveau. Der Vernetzungsgrad an Informationen und Bildern von Einsatzkräften, der Verkehrsüberwachung und Sicherheitssystemen ist international kaum zu finden.
In der Summe verzeichnet das Projekt also bereits heute die ersten positiven Auswirkungen der Fußball-WM getreu dem Motto „Jetzt lasst uns Freunde bleiben“: Die deutsch-südafrikanischen Beziehungen und der Austausch zwischen Kollegen von Stadt zu Stadt konnten intensiviert werden. Auch die Kooperation mit südafrikanischen Partnern in Deutschland hat einen deutlichen Aufwind erfahren.
(Autor: Ramin Soufiani, Projektleiter WM-2010 Projekt, Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH)