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Dienstag, 2. November 2010

Kurzarbeit: "Nichts zu meckern"

Viele Unternehmen haben während der Wirtschaftskrise vom verbesserten Kurzarbeitergeld profitiert. So hat die Bundesregierung ihnen über das Konjunkturtal hinweg geholfen – und Arbeitsplätze gesichert: zum Beispiel einem Kunststoffhersteller im brandenburgischen Neuruppin.

Arbeiter beim RohrschweißenBild vergrößern Mit Kurzarbeit durch die Krise Foto: G. Neubauer

Die Rea Plastik Tech produziert Komponenten für Entschwefelungsanlagen für Kohlekraft- und Zementwerke sowie Rückstandverbrennungsanlagen. Der Zulieferer beschäftigt rund 50 Mitarbeiter und beliefert Kunden auf der ganzen Welt. Dieses Jahr feiert  das Unternehmen sein fünfjähriges Bestehen.

"Es geht mit uns aufwärts", sagt Geschäftsführer Georg Neubauer. Die Firma hat sogar eine Forschung- und Entwicklungsabteilung und schon mehrere Patente angemeldet.

Mit Kurzarbeit die Krise überstanden

Doch die Aussichten für das junge Industrieunternehmen sahen nicht immer gut aus. Rea Plastik Tech wurde hart von der Wirtschaftskrise getroffen. "Die Einkäufer unserer Kunden zögerten. Irgendwann waren unsere Auftragsbücher leer", erklärt Neubauer. Etwa zehn Mitarbeiter mussten entlassen werden. Der Wirtschaftsingenieur Neubauer meint: "Ohne Kurzarbeit hätte ich noch mehr Mitarbeitern kündigen müssen." Das Risiko der Pleite wäre sonst zu groß geworden  

Konjunkturelle Kurzarbeit - so funktioniert es 

Wenn Arbeitnehmer kurz arbeiten, übernimmt die Bundesagentur für Arbeit (BA) einen Teil der Personalkosten. Sie arbeiten monatlich weniger Stunden als bisher. Für diese ausgefallene Arbeitszeit erhalten sie 60 Prozent ihres Nettolohns. Arbeitnehmer mit Kind bekommen 67 Prozent. Die BA erstattet den Arbeitgebern auch die Hälfte der auf das Kurzarbeitergeld entfallenden Sozialversicherungsbeiträge. Unternehmen, die länger als sechs Monate kurz arbeiten, können ab dem siebten Monat die Sozialversicherungsbeiträge voll ersetzt bekommen. Bei Weiterbildung der Beschäftigten bereits ab dem ersten Tag. Für konjunkturelle Kurzarbeit, die im Jahr 2010 beginnt, kann bis zu 18 Monate Kurzarbeitergeld gezahlt werden.

Flexible Gestaltung der Kurzarbeit

Bei Rea Plastik Tech arbeiteten die Produktionsmitarbeiter von Oktober bis Dezember 2009 kurz. Die Angestellten hatten sogar zwischen März und November 2009 Kurzarbeit. Die Mitarbeiter blieben zeitweise die Hälfte ihrer normalen Arbeitszeit zu Hause. Das Unternehmen stellte von drei auf zwei Schichten in der Produktion um. So kamen die gewerblichen Mitarbeiter abwechselnd eine Woche zur Arbeit und hatten eine Woche frei. Einige Monate war für viele Mitarbeiter sogar gar keine Arbeit vorhanden – 100 Prozent Kurzarbeit.

Rea Plastik Tech nutzte die Gelegenheit zur Fortbildung. Susanne Pekrul, zuständig für Personal, absolvierte zum Beispiel einen dreimonatigen Englischkurs der Bundesagentur für Arbeit – ein spezielles Angebot für Mitarbeiter in Kurzarbeit. "Englisch ist in meinem Arbeitsalltag wichtig. So war die Kurzarbeit Glück im Unglück für mich. Es war gut, dass ich für den Kurs Zeit hatte", so Pekrul.  

Viel weniger Kurzarbeiter als vor einem Jahr

Nach vorläufigen Daten – auf der Basis eines neuen Statistikverfahrens – wurde im August an 173.000 Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Das waren 97.000 weniger als im Vormonat und 849.000 weniger als ein Jahr zuvor. Im Mai 2009 hatte es sogar noch 1.443.000 konjunkturelle Kurzarbeiter gegeben. Die Kurzarbeit war als Brücke ein voller Erfolg. Mit dem Ende des Konjunkturtiefs sank auch die Zahl der Kurzarbeiter wieder. Gleichzeitig sind erheblich weniger Jobs verloren gegangen als in anderen Ländern.

"Viele Unternehmer haben die Kurzarbeit als Mechanismus genutzt, um qualifizierte Mitarbeiter in Krisenzeiten zu behalten", so Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen. In der jetzigen Aufschwungphase sinkt die Arbeitslosenquote stetig. Im Oktober lag sie nur bei sieben Prozent, so niedrig wie zuletzt Anfang der 90-er Jahre.

Georg Neubauer konnte die Kurzarbeit in seinem Unternehmen durch einen Großauftrag aus den USA beenden. "Da brauchte ich dringend meine eingearbeiteten Fachkräfte", sagt der 52-Jährige. Schon im Frühjahr 2010 stellte er zusätzlich neues Personal ein. Sein Fazit: "An der Kurzarbeit habe ich nichts zu meckern. So konnten wir uns über Wasser halten."