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Donnerstag, 11. Februar 2010

Umwelttechnik "Made in Germany"

In der Umwelttechnik genießen deutsche Produkte weltweit ein Ansehen, wie man es aus der Zeit des Wirtschaftswunders kennt. Bundesumweltminister Norbert Röttgen hob bei der Verleihung des "Innovationspreises für Klima und Umwelt" die Innovationskraft der deutschen Industrie in diesem Bereich hervor.

Ramona Munch, Mitarbeiterin der Firma Deutsche Solar AG in Freiberg Solar, Solarstrom, Solarenergie D2009 Marlene HrubeschBild vergrößern Deutsche Solar AG Foto: Marlene Hrubesch

Deutschland ist Marktführer in der Umwelttechnologie. Mit nur einem Prozent der Weltbevölkerung stellt Deutschland 16 Prozent der Umwelttechnik her, ein Markt der sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln wird. Seit 2005 ist er bereits um 25 Prozent gewachsen. Fast 300.000 Menschen arbeiten in Deutschland in dieser Branche.

Umweltschutz als "konkrete Wachstumsstrategie"

Ökologie und Ökonomie würden längst nicht mehr als Gegensätze aufgefasst, sagte der Minister. Dies machen nicht zuletzt die Wachstumsraten in der Umwelttechnologie deutlich, die in der Krise sogar Einbrüche in anderen Produktionsbereichen auffangen konnten. Außerdem beeinträchtige Umweltzerstörung langfristig ökonomische Entwicklungschancen. "Wer die Ressourcen heute verbraucht, wird morgen keine ökonomische Entwicklung haben", so Röttgen.

Er nannte es die größte Herausforderung unserer Zeit, zu einem ressourcenschonenden und klimaverträglichen Wachstum zu kommen. Der einzige Weg dahin sei Innovation.

Der Staat müsse dabei den Rahmen setzen. Er kann der Wirtschaft Anreiz geben, in Zukunftsmärkte zu investieren. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist ein solches Beispiel. Es sei ein Markteinführungsinstrument, solle aber nicht zur Dauersubvention führen. Überförderung zum Beispiel in der Photovoltaik müsse vermieden werden.

Die Preisträger im Einzelnen

  • In der Kategorie "Prozessinnovationen für den Klimaschutz" siegte die Zenergy Power GmbH: Sie hat ein Verfahren entwickelt, das durch eine induktive Blockerwärmung auf Basis von Supraleittechnologie den Energieverbrauch bei der Metallerwärmung halbiert.
  • Die BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH erreicht mit einem Zeolith nutzenden Trocknungssystem höchste Energieeffizienz von Geschirrspülern. Um 20 Prozent können mit dem neuen Verfahren die Energiekosten gesenkt werden. Dafür wurde sie in der Kategorie "Produkt- und Dienstleistungsinnovationen für den Klimaschutz" ausgezeichnet.
  • Im Bereich "Umweltfreundliche Technologien" gab es gleich zwei Preisträger: Die Dr.-Ing. Werner Neu Verfahrenstechnik GmbH erfand ein energiesparendes und wirtschaftliches Polymerverarbeitungsverfahren zur Herstellung von Kunststoffteilen. Nur ein Bruchteil der herkömmlichen Energie wird bei dieser Technik bei der Verschmelzung von Granulaten benötigt.
    Professor Peer Haller von der Technischen Universität Dresden entwickelte ein Fertigungsverfahren für faser- und textilbewehrte Formholzprofile. Holz wird damit so leistungsfähig, das es zum Beispiel als Baumaterial teilweise Metalle ersetzen kann.


  • Die Kategorie „Umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen“ entschied die Siemens AG mit der derzeit größten und effizientesten Gasturbine der Welt für sich. Die Turbine ist mit einem Wirkungsgrad von 60 Prozent nicht nur besonders ressourcenschonend. Sie ist auch für das Zusammenspiel mit Wind- und Sonnenenergie besonders geeignet, weil sie so flexibel ist, dass sie ganz schnell Strom liefern kann. Das kann ein wichtiger Bestandteil beim Aufbau intelligenter Stromnetze sein.


  • Der Preis für "Klima- und Umweltschutztechnologietransfer in Entwicklungs- und Schwellenländer und Staaten Osteuropas" ging an die Powitec Intelligent Technologies GmbH: Für eine selbstlernende Software, die in Kombination mit optischen und akustischen Sensoren eine Optimierung von Großkraftwerken ermöglicht. 1,5 bis 3 Millionen Tonnen CO2 könnten bei einem flächendeckenden Einsatz dieses Verfahrens eingespart werden.

Eine zehnköpfige Jury unter dem Vorsitz von Klaus Töpfer wählte die sechs Preisträger aus, die wissenschaftliche Bewertung erfolgte durch das Karlsruher Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI.

Das Bundesumweltministerium und der Bund der deutschen Industrie (BDI)  zeichnen mit dem Innovationspreis für Klima und Umwelt herausragende Leistungen in der Umwelttechnologie aus. Insgesamt waren 145 Bewerbungen von Unternehmen und Forschungseinrichtungen für den ersten Iku eingegangen. Der Preis wird mit Förderung der Klimaschutzinitiative des BMU in insgesamt fünf mit jeweils 25.000 Euro dotierten Kategorien vergeben.