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Freitag, 15. Mai 2009

„Ich gehöre einfach hierhin“

Der 17-jährige Tufan Avci ist als Kind mit türkischen Wurzeln in Duisburg geboren. Jetzt erhält er die deutsche Staatsbürgerschaft. "Mein Vater wollte, dass ich mich selbst für eine Staatsbürgerschaft entscheide“, erzählt Tufan. "Es ist der richtige Entschluss, denn ich gehöre einfach hierhin.“

Angela Merkel übergibt Tuvan Avci die EinbürgerungsurkundeBild vergrößern Tuvan Avci Foto: RegierungOnline

Auf seinen "schwarzen Gürtel“ ist Tufan Avci besonders stolz. Beim Taekwando ist der 17-jährige einer der Besten in seiner Altersklasse. Schon seit neun Jahren ist die Kampfsportart sein großes Hobby. Fast täglich trainiert er, um noch besser zu werden. Ehrgeizig ist der sympathische Duisburger mit türkischen Wurzeln auch in anderen Bereichen. Tufan ist ein Sprachentalent. Deutsch, Türkisch und Englisch spricht er fließend, Grundkenntnisse besitzt er in Französisch und Spanisch. Kein Wunder, dass er die 11. Stufe eines bilingualen Gymnasiums in Duisburg lockern meistern wird. Tufan weiß auch schon, wie es nach dem Abitur weitergehen soll: "Entweder ich werde Umweltingenieur oder ich mache etwas mit Design“, ist sich der 17-Jährige sicher.

Eine klare Vorstellung hat Tufan Avci auch, wenn es um die Frage seiner Staatsangehörigkeit geht. "Ich bin in Deutschland geboren, ich gehöre hierhin, deshalb möchte ich auch den deutschen Pass“, erzählt er. Sämtliche Rechte und Pflichten als Staatsbürger erwerben- darum geht es dem jungen Duisburger. "Ich habe all meine Freunde hier. Für mich ist das eigentlich selbstverständlich, dass ich jetzt deutscher Staatsbürger werde“, betont Tufan.

Wenn Sevket Avci seinen Sohn so sprechen hört, wird er ein wenig verlegen. Er ist nämlich sehr stolz auf Tufan. "Ich bin froh, dass er diese Entscheidung getroffen hat, sich einbürgern zu lassen“, erzählt der Vater. Die Familie zog 1981 aus der Türkei nach Duisburg. Bald war klar,dass sie langfristig in Deutschland bleibt. Ende der 80-iger und Anfang der 90-iger Jahre kamen die beiden Söhne zur Welt, Tufan und sein vier Jahre älterer Bruder Idris. Doch zunächst war ein deutscher Pass für die beiden Kinder kein Thema. "Ich wollte, dass sich meine Söhne wirklich selbst entscheiden können, welche Staatsangehörigkeit sie haben möchten. Deshalb haben wir so lange gewartet“, berichtet Sevket Avci. Zunächst entschied sich Tufans Bruder für den deutschen Pass. "Mein Bruder ist ein Vorbild für mich“, sagt Tufan. Idris studiert erfolgreich als Deutscher in der Türkei Medizin- in einem englischsprachigen Studiengang.

Sevket Avci ist sich sicher, dass auch Tufan seinen Weg gehen wird. Denn ihn zeichnen nicht nur sein Ehrgeiz und sein fester Wille aus. Auch soziale Kompetenz bringt er mit. In seinem Verein bringt Tufan Kindern die besten Griffe in Taekwondo bei. Sich engagieren und einbringen- das scheint das Motto in der Familie zu sein. Denn Vater Sevket Avci ist nicht nur Unternehmer mit 400 Angestellten. Der 44-jährige setzt sich zugleich als Vorsitzender des Beirates für Zuwanderung und Integration der Stadt Duisburg für ein gutes Zusammenleben der Menschen ein. In dieser Funktion ist er für 162.000 Migranten aus 143 Nationen zuständig. "Ich versuche täglich den Zuwanderern in Duisburg klar zu machen: Lernt die deutsche Sprache, setzt Euch für Eure Kinder ein, integriert Euch.“ Und auch der Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit ist aus seiner Sicht für die länger hier lebenden Ausländer ein wichtiges Ziel. Und wie sieht es bei ihm selbst mit dem deutschen Pass aus? Bei dieser Frage zögert Sevket Avci kurz. Vor allem aus geschäftlichen Gründen besitze er selbst noch die türkische Staatsangehörigkeit. "Doch nachdem nun Tufan eingebürgert ist, bin ich auch bald an der Reihe“, sagt er und fügt schmunzelnd hinzu: "Jetzt habe ich wirklich keine Ausrede mehr.“ Sein Sohn ist wieder mal schneller gewesen. Genauso wie beim Taekwando.