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Arbeit und Soziales

"Mehr altersgerechte Arbeitsplätze entwickeln"

Do, 15.03.2007
Blick auf den Monitor
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Foto: REGIERUNGonline
Blick auf den Live-Chat
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering hat in einem Live-Chat Fragen zur Initiative "Erfahrung 50plus" beantwortet. Die Chat-Teilnehmerinnen und Teilnehmer  wollten unter anderem wissen, ob Ältere auch noch ein Recht auf Umschulung hätten.
Chatprotokoll
 
Moderator:
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Chat-Besucherinnen und -Besucher!
 
Ab 12.00 Uhr steht Ihnen der Bundesminister für Arbeit und Soziales, Franz Müntefering, in unserem init- Live-Chat zum Thema "Initiative 50plus" zur Verfügung. Mit der Initiative 50plus verbessert die Bundesregierung die Beschäftigungschancen Älterer. Welche Maßnahmen gibt es im Einzelnen? Und was haben die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland davon?
 
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering beantwortet hier Ihre Fragen zur Initiative 50plus. Wir freuen uns über Ihre Beteiligung.
 
Sie können Ihre Fragen bereits jetzt abschicken! Wir werden diese kurz vor Chatbeginn veröffentlichen.
 
Moderator:
Bundesminister Franz Müntefering ist nun eingetroffen und wird ab 12.00 Uhr Ihre Fragen beantworten.
 
Sie haben nun die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Wir freuen uns auf einen spannenden und informativen Chat zum Thema "Initiative 50plus".
 
Franz Müntefering:
Guten Tag an alle die mitmachen. Ich hoffe auf ein gutes Gespräch über Erfahrung die Zukunft.
 
Blade_Nü:
Hallo Herr Müntefering,
Gilt das Motto "lebenslang lernen" auch für Sie? Auf welchen Gebieten bilden Sie sich fort und wie machen Sie das?
 
Franz Müntefering:
Ich lerne täglich im Büro, in den Rücksprachen mit den Fachleuten und Experten. Eben hatte ich ein Gespräch mit dem Zentralverband des Bauhauptgewerbes und versuche nun, deren Sorgen aufzunehmen und gute politische Antworten zu finden. Man wird täglich klüger.
 
samum:
Sehr geehrter Herr Müntefering. Im Tagesspiegel war diese Woche zu lesen, dass nur 45 % der über 50 Jährigen Arbeit haben. Vor dem Hintergrund der Renteneintrittsaltererhöhung auf 67 würde mich folgendes interessieren: Was müsste passieren, damit die Unternehmen anfangen deutlich mehr ArbeitnehmerInnen ab 50 einzustellen? Was kann die Politik dafür tun?
 
Franz Müntefering:
1999 waren 39 % der 55-Jährigen und Älteren in Deutschland in Beschäftigung. Inzwischen sind es rund 48 %. Bis 2010 sollen es mindestens 50% sein. Wir kommen voran. Das gilt auch für Europa insgesamt.
 
Hank82:
Als Familienvater ist meine Hauptsorge, dass ich finanziell zwischen den Kosten für meine Eltern (Pflege- und Medikamente) und der Finanzierung der Ausbildungskosten für meine Kinder aufgerieben werde. Gibt es hier Lösungsansätze, wie dies vermieden werden kann?
 
Franz Müntefering:
Wir haben die Pflegeversicherung und wir haben Regelung in Bezug Bafög. Beides sollten Sie nutzen. Das löst nicht alle Probleme, aber es hilft weitgehend. Ich verstehe Sie gut. Ich glaube auch, dass unsere Familien mit aufwachsenden Kindern die größten Probleme haben und deshalb auch besondere Aufmerksamkeit verdienen.
 
Caro:
Ich bin 48 Jahre alt und suche schon seit einem halben Jahr eine neue Stelle. Aber ich bekomme nur Absagen. Bezahlt mir denn die Arbeitsagentur in diesem Alter noch Weiterbildungen?
 
Franz Müntefering:
Ich kann nur raten: Weiter suchen. Die Chancen wachsen. Die Arbeitslosigkeit nimmt ab. In unserem neuen Gesetz Initiative 50plus ist auch eine Hilfe für Weiterbildung enthalten für 45-Jährige und Ältere in Betrieben bis zu 250 Beschäftigten. Das hilft im Unternehmen. Unabhängig davon stehen Ihnen natürlich die Instrumente der Agentur oder der ARGE zur Verfügung.
 
Blade_Nü:
Ihr BMAS engagiert sich mit Initiativen und Kampagnen für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer. Wie messen Sie den Erfolg dieser Initiativen? Gibt es dazu konkrete Zahlen?
 
Franz Müntefering:
Im vergangenen Jahr ist die Zahl der älteren Arbeitslosen um rund 170.000 gesunken. Das löst noch nicht alle Probleme, zeigt aber, positive Entwicklungen sind möglich.
 
bepo185:
Sehr geehrte Herr Müntefering, ich bin 51 Jahre alt und gelernter Maurer. Aus gesundheitlichen Gründen kann ich meinen Beruf nicht mehr ausüben. Bezahlt mir das Arbeitsamt in meinem Alter noch Umschulungen?
 
Franz Müntefering:
Ja, das tut das Arbeitsamt. Es sei denn, Sie sind invalide und können Erwerbsminderungsrente in Anspruch nehmen.
 
Blade_Nü:
Gesundheitsvorsorge ist auch ein großes Thema der Erfahrungskampagne. Sind Sie auf dem Gebiet selbst aktiv? Wie sorgen Sie für Ihre Gesundheit vor?
 
Franz Müntefering:
Unzureichend. Ich jogge manchmal, aber sicher zu wenig. Ich will mich bessern.
 
HeikoJan:
In welchen Beschäftigungsfeldern sind die Chancen auf eine Anstellung für Menschen ab 50 am besten?
 
Franz Müntefering:
Das kann man generell so nicht sagen. Es sind sicher nicht die extremen, schweren und körperlich belastenden Arbeitsplätze. Ansonsten ist vieles denkbar. Aber wir müssen auch daran arbeiten, noch mehr altengerechte Arbeitsplätze zu entwickeln. Ich bin sicher, zu tun gibt es eine Menge, z.B. im Bereich der Dienstleistungen Mensch für Mensch.
 
M.fritz:
Hallo Herr Müntefering, mich interessiert besonders Ihre Einschätzung zu dem Punkt, ob eine solche Initiative allein überhaupt etwas an dem Jugendwahn in vielen Unternehmen ändern kann?
 
Franz Müntefering:
Das mit dem Jugendwahn relativiere ich. Manche Unternehmen sind inzwischen klüger und wissen, wie sinnvoll ein vernünftiger Altersmix in ihrem Betrieb ist. Trotzdem bleibt noch viel zu tun: Etwa die Hälfte der Unternehmen beschäftigt niemanden der älter ist als 50. Aber wir sind auf dem Weg zur Besserung. Einige Zahlen habe ich ja vorhin schon genannt.
 
reval 11:
Sehr geehrter Herr Müntefering, können Sie mir bitte darüber Auskunft geben, wie die Initiative 50plus neue Jobs für Ältere schaffen soll?
elisabeth9:
Der Name Initiative 50plus klingt ja ganz gut, aber was genau verbirgt sich dahinter?
 
Franz Müntefering:
Die Initiative 50plus läuft in über sechzig ARGEn. Sie unterstützt das Bemühen Äterer wieder in Beschäftigung zu kommen durch individuelle Vermittlungsbemühungen. Neu ist unser Gesetz, das wir am vergangenen Freitag im Bundestag beschlossen haben: Es enthält einen Kombilohn und Eingliederungszuschüsse und Weiterbildungsangebote für die über 50-Jährigen bzw. die Unternehmen, die sie einstellen. Außerdem gibt es eine Regelung für befristete Beschäftigung für Ältere für einen Zeitraum von fünf Jahren. Ich spreche nun die Arbeitgeber und die Gewerkschaften und die Bundesagentur und die Arbeitlosen selbst an und hoffe ermutige, diese Instrumente auch zu nutzen.
 
quark:
Hallo Herr Müntefering. Ich arbeite schon seit Jahren in der Baubranche, bin 53 Jahre alt und habe ab und zu Rückenprobleme bei der schweren Arbeit. Ich möchte meine Gesundheit nicht weiter gefährden und denke über eine Weiterbildung nach. Was gibt es da für mich noch für Möglichkeiten.
 
Franz Müntefering:
Ich kann nur empfehlen, sich bei der Bundesagentur zu informieren über Angebot in Ihrer Region und Perspektiven in Berufen, die Ihren Vorstellungen entsprechen. Ich will Sie aber ausdrücklich ermutigen und finde Ihre Frage besonders wichtig. Wir müssen in der Gesellschaft lernen, dass man mit 50, 55 und 60 nicht zum alten Eisen gehört, sondern noch etwas leisten kann, eventuell in einem anderen Beruf als bisher. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.
 
kalle:
Hallo Herr Müntefering, stellt die Bundesregierung eigentlich auch Ältere ein?
 
Franz Müntefering:
Ja. Ich selbst bin übrigens 67.
 
petti:
Wer profitiert eigentlich besonders von der Initiative 50plus?
 
Franz Müntefering:
Ich hoffe, die älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitieren. Auch weil wir ihre Erfahrung dringend brauchen, müssen sie in unsere Gesellschaft und im Erwerbsleben eine Chance erhalten. Und unser Bemühen zeigt auch inzwischen gute Ergebnisse. Siehe oben.
 
Fred:
Lieber Herr Müntefering, ich bin mittelständischer Unternehmer, 2 Kinder, Frau, die in der Firma mitarbeitet und die Oma versorgt und drei Angestellte. Zwei Angestellte sind über 50. Jetzt senken Sie die Steuern für internationale Konzerne in Deutschland. Was machen Sie für Mittelständler? Besonders für die, die auch ältere Angestellte haben und sich Gedanken machen müssen, wie es mit dem Betrieb weitergeht?
 
Franz Müntefering:
Wir haben die Steuersätze deutlich gesenkt. Das auch dem Mittelstand geholfen. Die Abschreibungsbedingung für Investitionen sind auch in diesem Jahr besonders günstig. In der neuen Unternehmenssteuerreform profitieren auch die Gesellschaften. Und wir versuchen durch Entbürokratisierung gerade den kleinen und mittleren Unternehmen Hilfestellung zu geben. Wir wissen, bei ihnen haben wir Arbeitsplätze zu erwarten. Ich hoffe sehr auf den Mittelstand und unterstütze alles, was uns hier voran bringt. Im Baugewerbe ganz speziell haben wir im Jahre 2006 durch unsere Aktivitäten eine Menge in Bewegung setzen können. Die ganz großen haben 2006 viele Arbeitsplätze gestrichen, die KMU haben viele neu geschaffen. Das haben wir schon registriert.
 
neukoellner:
Sehr geehrter Herr Minister. ich habe eine Arbeit, darüber sollte man ja froh sein heute. Aber ich muss schwer heben und viel stehen irgendwann kann ich das sicher nicht mehr. ich will ja arbeiten. Muss mir mein Arbeitgeber nicht eine leichtere Arbeit geben Danke
 
Franz Müntefering:
Erzwingen kann man das nicht. Aber Sie sollten mit Ihrem Arbeitgeber darüber sprechen und es gibt auch Betriebsärzte oder Ärzte die von den Betrieben genutzt werden können, um in solchen Fällen zu einer klaren Diagnose zu kommen. Letztlich muss es aber möglich sein, sich nach alternsgerechter Arbeit umzusehen. Arbeitsschutz bleibt ganz wichtig. Melden Sie sich rechtzeitig und verschleppen Sie die Sache nicht.
 
walter2000:
Guten Tag Herr Müntefering. Ich bin 48 Jahre alt und habe von der Initiative 50plus von Kollegen gehört. Habe ich auch etwas von der Initiative? Wie kann ich von ihr profitieren?
 
Franz Müntefering:
Sie können z.B. die verbesserten Bildungsangebote in Anspruch nehmen, wenn Sie in einem Unternehmen bis 250 Beschäftigten sind. Ab 50 haben Sie nötigenfalls dann auch den Kombilohn und den Eingliederungszuschuss als Hilfe zur Verfügung, wenn es nötig ist.
 
elisabeth9:
In meiner Firma kriegen vor allem junge Mitarbeiter Schulungsmaßnahmen, weil sie neu in der Firma sind. Wie überzeuge ich meinen Chef, dass er mich mit meinen 55 Jahren auch noch auf Weiterbildungen schickt?
 
Franz Müntefering:
Dieses Problem ist leider nicht selten. Das Dringlichste wäre wohl, wenn Ihr Chef eine Weiterbildung bekommt. 55-Jährige können was und sind lernfähig. Das beweist sich täglich tausende Mal.
 
Frau Holle:
Die Initiative 50plus sieht ja verschiedene Fördermöglichkeiten für Unternehmen vor, wenn sie Ältere einstellen. Werden diese Angebote überhaupt angenommen?
 
Franz Müntefering:
Wir haben alte Instrumente überarbeitet und handhabbarer gemacht. Das Gesetz tritt voraussichtlich zum 1. Mai in Kraft. Und dann wird sich zeigen, wie sehr es angenommen wird. Wir werden intensiv dafür werben. Ich hoffe dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich diese Möglichkeiten sind nicht entgehen lassen.
 
JM:
Ich bin 55 und war seit Beginn meiner Arbeitslosigkeit viele Male beim Arbeitsamt, habe aber nicht das Gefühl, es bringt etwas in meinem Alter. An wen kann ich mich denn noch wenden, um meine Chancen auf einen neuen Job zu verbessern?
 
Franz Müntefering:
Die Zahl der Arbeitslosen ist immer noch sehr hoch, in den verschiedenen Städten und Regionen unterschiedlich. Im vergangenen Jahr sind es aber 825.000 weniger geworden. Es bewegt sich also was. Es gibt rund 600.000 offene Stellen. Lassen Sie bei Ihren Bemühungen nicht nach und vielleicht ergreifen Sie auch selbst die Initiative auf Grund von Zeitungsanzeigen oder durch direkte Vorsprache in Betrieben.
 
Spa300:
Sehr geehrter Herr Müntefering, ich wüsste gern was Sie mit Ihrer Initiative 50plus erreichen wollen. Gibt es konkrete Ziele? Und wenn ja, welche Maßnahmen werden zur Kontrolle eingesetzt um zu sehen ob die Ziele auch erreicht wurden?
 
Franz Müntefering:
Es sollen 50-Jährige und Ältere eine bessere Chance am Arbeitsmarkt haben. Dafür werben wir und dafür stellen wir konkrete Instrumente zur Verfügung. Mit dem Kombilohnen bezahlen wir z.B. die Differenz zwischen dem früheren Lohn und einer eventuellen neuen Arbeit im ersten Jahr mit 50 %, wenn diese neue Arbeit schlechter bezahlt ist. Im zweiten Jahr gibt es dann 30 %. So ähnlich funktioniert das mit den Eingliederungszuschüssen nach. Die richten sich dann allerdings an den Arbeitgeber. Ich bin sicher, wir werden Erfolge haben.
 
M.fritz:
Hallo Herr Müntefering, ich Stelle meine Frage einfach nochmal. Ich war wohl ein wenig früh dran.
Mich interessiert besonders Ihre Einschätzung zu dem Punkt, ob eine solche Initiative allein überhaupt etwas an dem Jugendwahn in vielen Unternehmen ändern kann?
 
Franz Müntefering:
Ich sehe das differenziert. Nicht alle Betriebe und alle Chefs sind jugendwahnsinnig. Immer mehr gehen sogar mit gutem Beispiel voran, entlassen die Leute nicht mehr mit 50 oder 55 und stellen in dieser Altersgruppe neu ein. In über 60 Arbeitsamtsbereichen gibt es schon seit zwei Jahren diesbezüglich besondere Bemühungen um die Vermittlung Älterer und auch da zeigt sich ein positiver Trend. Aber die Probleme lösen sich natürlich nicht alle sofort. Man muss sich nachdrücklich bemühen. Das tun wir auch weiterhin.
 
Waldmann:
Ich leite ein kleines Bauunternehmen und leider merke ich in letzter Zeit häufiger, dass im Betrieb oft Jüngere Vorurteile gegenüber Älteren haben. Andersrum ist es genauso. Wie kann man denn das Miteinander fördern?
 
Franz Müntefering:
Vor allen Dingen über die gute Beispiele reden. Ich kenne viele Situationen in denen Jüngere und Ältere gut und kameradschaftlich zusammen arbeiten. Einige Firmen habe ich schon ausgezeichnet, die diese Idee besonders erfolgreich verfolgen. Übrigens sind nicht immer die Älteren die Chefs in solchen Teams. Das ist auch ein wichtiger Punkt. Das Prinzip der Seniorität, also das immer der Ältere den wichtigeren Job hat, wird immer löcheriger werden. Das ist eine wichtige Wahrheit, an die wir Älteren uns auch gewöhnen müssen.
 
ulla:
Sehr geehrter Herr Müntefering, ich berate ein mittelständisches Unternehmen zu Weiterbildungsmaßnahmen für Mitarbeiter 45+. Ab wann kann das Unternehmen Fördermöglichkeiten für Weiterbildung für diese Zielgruppe beantragen, wo ist das zu tun und wie ist das Procedere?
 
Franz Müntefering:
Ich hoffe dass die Initiative 50plus ab 1. Mai 07 in Kraft ist, dann können die Weiterbildungsmöglichkeiten, die sich mit diesem Gesetz verbinden aktiv genutzt werden in Betrieben mit bis zu 250 Beschäftigten. Sie müssen sich dann an die Arbeitsagentur wenden.
 
Peter:
In den Medien heißt es immer, viel zu wenige Ältere würden sich Die weiterbilden in Deutschland. Was tut die Bundesregierung dagegen?
 
Franz Müntefering:
Die Wahrheit, dass es nicht mehr reicht, in der Jugend eine Ausbildung zu machen und damit lebenslang auszukommen, wird immer wichtiger. Kluge Chefs wissen das. Kluge Arbeitnehmer auch. Es ist zum Nutzen der Betriebe wenn sie ihre Mitarbeiter rechtzeitig weiterqualifizieren. Beide Seiten müssen sich da bewegen.
 
karim.:
Guten tag Herr Minister, bin diplom Ing der elektrotechnik 41 jahr und bei der Vestische arbeit in castrop-rauxel schwer unvermittelbar...ich kriege kein stellenangebot vom meinem Arbeitsvermittler habe beim Teamleietre beschwerde gelegt erfolglos nun prüfe ich einen kalge beim sozialgerich wegen ausgrenzung. was nun herr Müntefering?
 
Franz Müntefering:
Das ist eine sehr spezielle Frage, die ich hier nicht beantworten kann. Ich schlage vor, Sie schreiben mir einen Brief an das Ministerium und ich melde mich dann. Einfach an info@bmas.bund.de.
 
HeikoJan:
Gibt es eine Plattform auf der speziell Jobs für ältere Menschen vermittelt werden?
 
Franz Müntefering:
Ich kenne keine, empfehle Ihnen aber bei der Agentur oder der ARGE nachzufragen.
 
chatman:
Ich bin 34 Jahre und Angestellter und frage mich, wann wohl meine Rentenzeit bis dahin beginnt. Mit 72?
 
Franz Müntefering:
Sie sollten ans Arbeiten denken, nicht an die Rente. Das hat noch Zeit. Im Ernst: Wichtig ist vor allem, dass wir durch Bildung und Qualifizierung, Forschung und Entwicklung in Deutschland hochleistungsfähig bleiben. Dann werden wir auch in Zukunft - die Alten und die Jungen - auf einem ordentlichen Wohlstandsniveau leben können und es wird auch hinreichend Möglichkeiten geben, flexibel auf das Rentenalter zuzugehen. Ab 2029 dann 67 Jahre, nicht mehr.
 
Moderator:
Liebe Chat-Besucherinnen und -Besucher, es gab bereits sehr viele Fragen - Sie haben jetzt noch etwa 15 Minuten Zeit, Ihre Fragen an Herrn Bundesminister Franz Müntefering zu stellen. Der Chat geht noch bis 13.00 Uhr.
 
walter2000:
Herr Müntefering, ich hoffe Sie schaffen es auch noch eine zweite Frage von mir zu beantworten. In Zeitungen lese ich, dass Facharbeiter in bestimmten Branchen fehlen und gleichzeitig finden "ältere" Qualifizierte keinen Job. Wie erklären Sie sich das?
 
Franz Müntefering:
Das lese ich auch und darum kümmere ich mich. Es fehlen z.B. Maschinenbauingeniere. Es sind aber gleichzeitig auch Maschinenbauingenieure arbeitslos. Alle Beteiligten müssen versuchen dies zu einander zu bringen. Solche Qualifizierungslücken sind aber auch ein wichtiger Hinweis an die jungen Menschen, in welchen Bereichen es besondere Berufschancen gibt. Naturwissenschaftliche und technische Bereiche gehören ganz sicher dazu.
 
pethil:
Herr Minister, wie lange wird es Ihrer Meinung nach dauern, bis sich die Integrationsquote älterer Arbeitnehmer in die Betriebe deutlich erhöht. Wird dies im Gleichschritt mit dem Anstieg der Renteneintrittsalters geschehen?
 
Franz Müntefering:
Ich glaube, das gelingt schneller. Wie gesagt: 1999 rund 39 % der 55-Jährigen in Beschäftigung, heute rund 48 %. Wir wollen bald die 50 % erreichen. Es bewegt sich was.
 
meierle:
Guten Tag,
ich habe vor einiger Zeit ein neues Unternehmen gegründet und würde gerne eine Mitarbeiterin über 50 einstellen. Gibt es für MitarbeiterInnen über 50 eine "Einstellungs-Förderung"? Wenn ja, in welcher Höhe und wo kann diese beantragt werden?
Danke!
 
Franz Müntefering:
Ja, erkunden Sie sich bei der Agentur. Und ab 1. Mai gibt es sogar die Fördermöglichkeit ab dem neuen Gesetz. Ich ermutige Sie.
 
HeikoJan:
Was sollte Ihrer Meinung nach Menschen über 50 zugemutet werden, um in Beschäftigung zu kommen? Ich denke da an Wohnortwechsel, etc.
 
Franz Müntefering:
Was auch den Jüngeren zugemutet wird. Das je nach Lebensumstände auch ein gewisses Maß an Mobilität dazu gehören kann. Die konkreten Situationen der Betroffenen sind natürlich immer zu bedenken. Übrigens habe ich viele gute Eindrücke was die Mobilität der Arbeitslosen angeht.
 
Caro:
Noch eine kurze Frage, Herr Müntefering: Worin sehen Sie die besonderen Kompetenzen von Älteren? Was haben Ältere Jüngeren voraus?
 
Franz Müntefering:
Die Palette ist bunt. Pauschal: Die Jungen sind innovativer und kreativer und näher bei den neuen Techniken. Die Älteren sind teamfähig, haben Erfahrung und Ausdauer und Geduld. Und eine gute Mischung ist das Optimale.
 
annablume:
Hallo Herr Müntefering, das Thema 50plus ist für jüngere Menschen relativ weit weg. Was ist die Relevanz für mich als 30jährige? Wie bringen Sie das Thema jüngeren Leuten näher?
 
Franz Müntefering:
Ja, denken Sie an jetzt. Aber begreifen Sie auch dass man weiter lernen muss um auch mit 50 plus noch fit und einsatzfähig zu sein. Und das macht ja auch Spaß Neues hinzuzulernen.
 
schattenkanzler:
Welche Unterstützung zur weiteren Qualifizierung von älteren Arbeitnehmern wird es geben?
 
Franz Müntefering:
Die Instrumente erfahren Sie bei der Agentur und der ARGE. Neu kommt hinzu, dass ab 1. Mai bereits 45-Jährige in Betrieben bis zu250 Beschäftigten eine Weiterbildungsförderung erhalten können. Bisher galt das für 50-Jährige in Betrieben mit bis zu 100 Beschäftigten.
 
Hank82:
Glauben Sie, dass Kombilohnmodelle die Beschäftigung Älterer fördern können? Sind hier nicht massive Mitnahmeeffekte durch die Unternehmen zu befürchten?
 
Franz Müntefering:
Man kann Mitnahmeeffekte nicht völlig ausschließen. Aber wenn es den Älteren Arbeitnehmern nutzt und in den meisten Fällen ehrlich gespielt wird, muss man mit Ihnen leben.
 
curtlife:
Hallo Herr Müntefering,
 
Franz Müntefering:
Hallo curtlife.
 
bepo185:
Sehr geehrter Herr Müntefering, kontrollieren Sie, ob Ihre Initiative 50plus funktioniert und nicht Geld zum Fenster herausgeworfen wird?
 
Franz Müntefering:
Antwort: Natürlich. Alle diese Programme werden evaluiert und kontrolliert und der Bundesrechnungshof schaut uns auch auf die Finger und das ist auch in Ordnung. Insgesamt kommt das Geld gezielt an den richtigen Stellen an.
 
newsreporter2007:
Auswandern aus Deutschland ist eine Chance für Arbeitnehmer und Deutschland. Insbesondere für Menschen, die keine Arbeit in Deutschland finden können. Wie werden Menschen finanziell unterstützt, Deutschland zu verlassen, weil diese keinen Arbeitsplatz in Deutschland finden können?
 
Franz Müntefering:
Gute Frage. Ich kann Ihnen keine präzise Antwort geben. Das ist so ein Fall, wo ich alter Mann dazu lernen muss. Ich sehe mich um und besorge Ihnen eine belastbare Antwort. Wir melden uns dazu.
 
Ferguson:
Hallo Herr Müntefering, können Sie die Lücke in der Lebensarbeitszeit zwischen zukünftig 67 Jahren und den Vorruhestands- und Pensionsregelungen von Politikern und Beamten verantworten ?
 
Franz Müntefering:
Die Lücke wirs's nicht geben. Auch im öffentlichen Bereich und auch bei Abgeordneten und Ministern wir die 67-Regelung gelten.
 
chatman:
Ist so etwas wie Altersteilzeit vorgesehen?
 
Franz Müntefering:
Ja, es gibt auch in Zukunft die klassische Form der Altersteilzeit. Also: Der Betrieb eine Aufstockung von rund 20 %. Diese Aufstockung ist beitrags- und steuerfrei. Die Rentenversicherung wird mit 90 % bedient und bis einschließlich 2009 gibt es auch noch die besondere Form einer ergänzenden Aufstockung aus der Staatskasse, wenn sich eine Neuanstellung mit der konkreten Altersteilzeit verbindet.
 
newsreporter2007:
In der Rhein-Neckar-Region haben viele Unternehmer, Mitarbeiter der Sozial-Behörden und Arbeitnehmer noch nichts von der "Initiative 50 plus" der BR gehört. Wie werden Sie handeln, dass Ihre Aktion auch in Mannheim, Ludwighafen und Heidelberg bekannt wird?
 
Franz Müntefering:
Ich schreibe in diesen Tagen die Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften an und natürlich sorgen auch die BA und die ARGEn dafür, dass die neuen Regelungen populär werden. Dann wird man auch in der Rhein-Neckar-Region bald die Feinheiten der neuen gesetzlichen Regelung kennen.
 
Franz Müntefering:
Hallo lieber Teilnehmerinnen und Teilnehmer, vielen Dank für Ihre Fragen. Ich hoffe ein paar Dinge konnte ich klären. Manche Details mussten hier ausgespart bleiben. Wenn Sie mehr wissen wollen, melden Sie sich bei uns. Entschuldigung, wenn ich jetzt los muss und nicht mehr alle Fragen beantworten kann. Schönen Tag noch aus dem sonnigen Berlin.
 
Moderator:
Liebe Chat-Besucherinnen und -Besucher, der Chat ist nun beendet! Herr Bundesminister Franz Müntefering konnte viele Fragen beantworten – leider haben wir aber nicht alle geschafft. Sollten Sie noch eine offene Frage haben, können Sie diese gerne an die E-Mail Adresse info@bmas.bund.de senden und wir werden versuchen, diese zu beantworten.
 
Wir bedanken uns bei Ihnen und natürlich bei Franz Müntefering, Bundesminister für Arbeit und Soziales, für die interessante Diskussion. Das Protokoll zu dem Chat und weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite www.erfahrung-ist-zukunft.de.

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