Mittwoch, 10. März 2010
"In Deutschland sind viele Medikamente zu teuer"
- Interviewter:
- Philipp Rösler
- Medium:
- in "Bild"
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler möchte Vertragsverhandlungen zwischen Pharmafirmen und Krankenkassen herbeiführen, um Medikamentenpreise zu senken. Im Interview mit der "Bild" erklärte der Minister: "Um dauerhaft Verbesserungen zu erzielen, müssen wir an die Struktur des Arzneisystems herangehen".
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Rösler möchte ein besseres Preissystem für Medikamente schaffen
Foto: REGIERUNGonline/Kugler
Das Interview im Wortlaut:
Bildzeitung: Herr Rösler, Sie als FDP-Minister wollen massiv bei Pharmaherstellern sparen. Ein Bluff?
Phillip Rösler: Im Gegenteil. Ich habe immer gesagt, dass ich hart an die Pharmaindustrie und deren Preise herangehen werde. Das mache ich jetzt.
Bild: Wann wird Ihr Vorstoß Gesetz?
Rösler: Meine Pläne werde ich schon bald den Koalitionsfraktionen vorstellen. Dann geht es los. Spätestens bis Ende des Jahres soll das Gesetz kommen.
Bild: Welche kurzfristigen Maßnahmen gibt es?
Rösler: In Deutschland sind viele Medikamente zu teuer. Deshalb werden wir die Pharmafirmen in Vertragsverhandlungen mit den Krankenkassen zwingen. Wenn Hersteller ihre Produkte auf den Markt bringen, müssen sie zudem über eine Studie den Zusatznutzen für Patienten wissenschaftlich belegen. Das wird dann noch mal genau geprüft. So können wir erkennen, ob es schon vergleichbare Medikamente gibt.
Bild: Wie schnell drückt das die Preise?
Rösler: So schnell wie möglich. Um dauerhaft Verbesserungen zu erzielen, müssen wir an die Struktur des Arzneisystems herangehen. Ich sorge dafür, dass Pharmahersteller und Kassen zukünftig kurz nach Markteinführung eines Medikamentes über den Preis verhandeln. Bis es soweit ist, muss es kurzfristige Kostenbremsen geben. Das sind Zwangsrabatte und Preismoratorien.
Bild: Das ist ein staatlicher Eingriff in den freien Wettbewerb – eher untypisch für die FDP, oder?
Rösler: Als Liberale geben wir dem Wettbewerb den Vortritt. Das ist doch klar. Aber wenn es nicht anders geht, dann müssen wir im Interesse der Versicherten handeln.
Bild: Die Kassen bezahlen über 30 Milliarden Euro für Medikamente. Wie viel davon soll eingespart werden?
Rösler: Das hängt von den Verhandlungsergebnissen ab. Die Einsparchancen liegen bei 2 Milliarden Euro.
Bild: Bei ihren Amtsvorgängern ist der Spareffekt immer schnell verpufft. Was ist jetzt anders?
Rösler: Meine Vorgänger haben einzig auf kurzfristige Kostendämpfung gesetzt. Ich denke weiter. Ich möchte ein System schaffen, in dem die Preise dauerhaft besser im Griff sind. Mit dem Mix aus kurzfristigen und langfristigen Maßnahmen handele ich für Gegenwart und Zukunft.
Bild: Wo merkt der Patient einen Vorteil?
Rösler: Die Krankenkassen sparen durch die Arzneimaßnahmen wirklich sehr viel Geld. Das hilft am Ende auch den Versicherten. Und übrigens: Für die Menschen ist es eine große Beruhigung, dass die Medikamente für ihre Gesundheit auch in Zukunft bezahlbar bleiben.
Bild: Warum lassen Sie nicht große Apotheken-Ketten wie im Ausland zu, die auf Augenhöhe mit den Pharma-Konzernen günstigere Preise aushandeln könnten?
Rösler: Das ist keine Lösung. Das ist Aufgabe der Krankenkassen. Das Problem ist, dass momentan bei innovativen Arzneimitteln noch gar nicht verhandelt wird. Das will ich ändern. So breche ich das Preismonopol der Pharmaindustrie.
Das Interview führte Angi Baldauf.
