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Freitag, 29. Januar 2010

Rösler: Zusatzbeiträge sind unsozial

Interviewter:
Philipp Rösler
Medium:
in "Bild"

Für Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler sind die Zusatzbeiträge in der jetzigen Form unsozial. "Ob Gering- oder Gutverdiener, alle zahlen dieselbe Summe", sagte er der "Bild". Jede Krankenkasse stehe deshalb in der Pflicht alles zu tun, um Zusatzbeiträge für ihre Versicherten zu vermeiden.

Das Interview im Wortlaut:

 

Bild: Herr Minister, die Zusatzbeiträge sorgen für Verärgerung. Können Sie sie nicht stoppen?

 

Philipp Rösler: Erstmal: Ich habe die Zusatzbeiträge nicht erfunden. Zweitens: Für mich ist klar: Wir brauchen einen neuen Ansatz. In der jetzigen Form sind die Zusatzbeiträge unsozial.

 

Bild: Was heißt das?

 

Rösler: Nun, bis 8 Euro im Monat findet kein Sozialausgleich statt. Ob Gering- oder Gutverdiener, alle zahlen dieselbe Summe. Das empfinden die Menschen als ungerecht. Jede Krankenkasse steht deshalb in der Pflicht, alles zu tun, um Zusatzbeiträge für ihre Versicherten zu vermeiden. Hier müssen sich die Kassen mehr anstrengen. Das erwarte ich. Im Übrigen: Es gibt ja noch genügend Kassen ohne Zusatzbeitrag.

 

Bild: Raten Sie zum Wechsel?

 

Rösler: Das sollte jeder für sich selbst entscheiden. In anderen Bereichen ist der Wechsel längst üblich. Wenn mir mein Stromanbieter zu teuer ist, sehe ich mich ja auch nach einem anderen um.

 

Bild: Wozu dann eine Reform?

 

Rösler: Rumdoktern bringt nichts. Auf Dauer brauchen wir ein besseres System, das automatisch einen Sozialausgleich über Steuern vornimmt. Damit wird sich ab März die von mir eingesetzte Regierungskommission beschäftigen.

 

Bild: Kommt dann die Radikalreform?

 

Rösler: Wir werden die Reform so gestalten, dass kein Versicherter überfordert wird. Wie groß die Schritte sein werden, hängt deshalb auch davon ab. Wir wollen, dass die Menschen den notwendigen Weg mitgehen können.

 

Bild: Wird Gesundheit jemals wieder billiger?

 

Rösler: Wir freuen uns, dass die Menschen älter werden. Und wir wollen, dass den Menschen die Segnungen des medizinischen Fortschritts zugute kommen. Insofern wird das schwierig. Aber fest steht: Die Versicherten dürfen nicht mehr bezahlen, als wirklich unbedingt notwendig ist. Und ich stehe dafür, dass im Gesundheitswesen kein Geld verschwendet werden darf.

 

Bild: Wollen Sie mehr Kontrollen? Muss der Staat stärker eingreifen?

 

Rösler: Nein, ich will mehr Wettbewerb. Und der muss funktionieren. Dafür schaffe ich die Voraussetzung. Damit die Menschen ein bezahlbares, gutes Gesundheitssystem auch in Zukunft behalten. Dafür haben uns die Bürger gewählt.

 

Das Interview führten N. Blome und A. Baldauf. - Quelle: www.bild.de