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Mittwoch, 30. September 2009

Prag, 30. September 1989: Genschers erlösende Botschaft

"Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise...". Der Rest des Satzes geht im Jubel von fast 6.000 DDR-Flüchtlingen unter – Flüchtlingen, die seit Tagen unter katastrophalen Bedingungen auf dem Gelände der bundesdeutschen Botschaft in Prag ausharren. Die Worte von Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher sind das Ticket in die Freiheit.

Die Bilder von der abendlichen Balkonszene gehen in alle Welt. Die Ausreiseerlaubnis für die Botschaftsflüchtlinge aus der DDR gilt als eins der Schlüsselereignisse auf dem Weg Mauerfall am 9. November 1989.

Am Rande der UN-Vollversammlung in New York war es Genscher gelungen, vom sowjetischen Außenminister Eduard Schewardnadse die Zustimmung zur Ausreise der Flüchtlinge zu bekommen.

In den ersten Oktobertagen werden die Flüchtlinge mit Sonderzügen von Prag nach Hof gebracht. Das SED-Regimes besteht auf einer Route durch die DDR, versucht die genaue Strecke aber geheimzuhalten. Zahlreiche Bahnhöfe und Gleise sind gesperrt, Winken und Grüßen ist den Flüchtlingen streng verboten. Doch die Rechnung der DDR-Machthaber geht nicht auf, wie sich bald zeigen wird.

Und der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab. Kaum sind die Züge im Westen angekommen, füllt sich das Botschaftsgelände erneut. Bereits am 4. Oktober sind es wieder 5.000 Menschen, die den Weg in die Freiheit suchen. Und immer wieder kommen neue. Ab Anfang November lässt die Tschechoslowakei die Flüchtlinge direkt in die Bundesrepublik ausreisen.