Dienstag, 13. Dezember 2011
Zusammen mehr bewegen - Frauenentwicklungsräte in Badakhshan
Mariam ist im Frauenentwicklungsrat. Sie redet mit, wenn eine neue Flutschutzmauer nötig ist. So können Frauen direkten Einfluss auf die Entwicklung in ihrer Gemeinde nehmen.
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Junge Frauen vertreten ihre Gemeinde im Dorfentwicklungsrat
Foto: GIZ
Frauen äußern sich öffentlich und stellen Ansprüche – das ist neu in der jüngeren afghanischen Geschichte. Mariam ist eine dieser Frauen. Sie engagiert sich im Frauenentwicklungsrat ihrer Gemeinde Saraja. Der Ort liegt in der nordafghanischen Provinz Badakhshan.
Zusammen mit vier weiteren Frauen hat sie einen Antrag geschrieben. In ihrem Dorf sollen endlich eine Flutschutzmauer gebaut und Küchengärten eingerichtet werden. Über den Antrag entscheiden die lokalen Regierungsvertreter. Sie sind die Repräsentanten des Departements für ländliche Entwicklung, des Departements für Frauenangelegenheiten, des Provinzrates oder des Gouverneursbüros.
In der Shura werden die Projekte beraten
Seit Januar treffen sich Mariam und ihre Kolleginnen regelmäßig zu Fortbildungen. Sie diskutieren die Probleme von Frauen in ihren Gemeinden und suchen nach Lösungen. Sie bilden einen Frauenentwicklungsrat, eine so genannte "Shura": Dass sie sich austauschen und gemeinsam Projekte entwickeln, war bisher nicht selbstverständlich.
Entwicklungsräte bestehen aus jeweils fünf Frauen und Männern. Sie wurden in den letzten Jahren überall in Afghanistan gewählt, unterstützt durch das Ministerium für ländliche Entwicklung. Ein Entwicklungsrat vertritt im Durchschnitt etwa 300 Familien. Damit spricht er für sehr viele Menschen, denn eine durchschnittliche Familie hat hier etwa sechs Mitglieder. Die Räte sollen die Entwicklung besonders in ländlichen Gemeinden voranbringen. Sie identifizieren Entwicklungspotentiale und unterbreiten Projektvorschläge.
So wird sichergestellt, dass die Maßnahmen konkret an den Bedarf der Bevölkerung anknüpfen. Außerdem übernehmen die Menschen in den Gemeinden erfahrungsgemäß mehr Verantwortung für Projekte, die aus ihrer Mitte kommen.
Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit unterstützt diese Entwicklung. Das geschieht im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In 16 Frauenentwicklungsräten der nordafghanischen Provinz Badakhshan läuft ein Projekt, um den Frauen mehr Mitsprache einzuräumen.
Mitsprache macht selbstbewusst
In Empowerment- und Managementkursen lernen die Gemeinderätinnen, welche Rechte ihnen als Frau zustehen. Außerdem arbeiten sie sich in ihre Aufgaben im Entwicklungsrat ein, um dann eigene Projekte auszuarbeiten. Früher sprachen die weiblichen und männlichen Mitglieder der Dorfentwicklungsräte selten miteinander. Heute werden die Frauen um Rat gefragt, da sie wichtige Fähigkeiten für die Entwicklung ihrer Gemeinde erworben haben.
"Wir sind sehr stolz auf deine Tochter und freuen uns, dass wir so eine aktive Frau in unserer Gemeinde haben", sagte der Mullah von Saraja zum Vater von Bilqis. Bilqis hatte drei Anträge für ihre Gemeinde in den Dorfentwicklungsrat eingebracht. Auch Bilqis selbst profitiert von der neuen Wertschätzung. Früher gab ihr der Vater nur selten die Erlaubnis, in die Stadt zu gehen. Das ist heute anders. Als sie ihrem Vater sagte, dass sie in der Provinzhauptstadt für eines ihrer Projekte werben wolle, ließ er sie ohne Murren gehen, berichtet Bilqis. "So frei bin ich heute."
