Dienstag, 16. März 2010
60 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen
Heimatlose sind Fremdlinge auf dieser Erde. Dieser schlichte Satz habe sie besonders berührt, da er die Gefühlslage von Flüchtlingen und Vertriebenen ausdrücke, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Jahresempfang des Bundes der Vertriebenen. Aus ihm sei ein wegweisendes Dokument voller Hoffnung entstanden - die Charta der deutschen Heimatvertriebenen.
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Erika Steinbach und Bundeskanzlerin Merkel
Foto: REGIERUNGonline/Guido Bergmann
In der Charta spiegele sich das Selbstverständnis der deutschen Heimatvertriebenen: aus der Erinnerung an die eigenen Wurzeln heraus Brücken zu schlagen in die Gesellschaft hineín, in ein neues Land und nach Europa, betonte Merkel.
Weg des Miteinanders
Nach dem Leidensweg von Flucht und Vertreibung sei es alles andere als leicht gewesen, bewusst den Weg der Aussöhnung und Verständigung zu beschreiten, machte die Kanzlerin deutlich. Denn die Wunden, die Gewalt, Flucht und Vertreibung damals geschlagen hätten, seien noch sehr frisch gewesen.
Aber die Charta habe vor 60 Jahren den zukunftsgerichteten Weg vorgegeben: den Weg der Integration und den Weg des gemeinsamen Wiederaufbaus unseres Landes, würdigte Merkel den historischen Beitrag der Charta. Gleichzeitig erinnerte sie an die schwierige Lage von Flüchtlingen und Vertriebenen in der DDR: "Flucht und Vertreibung - das war in der ehemaligen DDR ein Tabu. Bestenfalls wurde, ganz neutral, das Wort Umsiedlung gewählt."
Umso wichtiger sei es gewesen, dass sich die damalige Bundesregierung sofort nach der deutschen Wiedervereinigung dieser Frage gewidmet habe, unterstrich die Kanzlerin. Und das mit Erfolg. Die Erinnerung an Flucht und Vertreibung sei heute Teil des gemeinsamen Geschichtsverständnisses der Bundesrepublik Deutschland.
Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Deshalb sei es unabdingbar, die Geschichte von Flucht und Vertreibung als Teil deutscher und europäischer Geschichte historisch angemessen darzustellen, forderte die Kanzlerin und verwies auf die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. "Es lohnt sich, dass wir uns dafür eingesetzt haben", zeigte sie sich überzeugt.
Ziel der staatlichen Stiftung ist: Im Geiste der Versöhnung die Erinnerung und das Gedenken an Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert im historischen Kontext des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Expansions- und Vernichtungspolitik und ihrer Folgen wach zu halten. Hierbei werden über die Flucht und Vertreibung von Deutschen hinaus auch die Schicksale von Vertriebenen anderer Nationen in Europa einbezogen.
Ein friedliches, freiheitliches und geeintes Europa - dieser in der Charta manifestierte Wunsch und Auftrag sei Wirklichkeit geworden, stellte die Kanzlerin fest: "Und er wäre nicht Wirklichkeit geworden, ohne dass die Vertriebenen einen solchen Wunsch in ihrer Charta schon angelegt hätten."
Der Bund der Vertriebenen ging 1957 aus dem Zusammenschluss zweier Verbände der aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten vertriebenen Deutschen hervor. Heute gehören zu dem Verband 20 Landsmannschaften, 16 Landesverbände und 4 angeschlossene Mitgliedsorganisationen. Zu seinen Aufgaben gehört es, die Integration von Spätaussiedlern zu fördern und sich für die die Verständigung und Zusammenarbeit mit den Nachbarvölkern zu engagieren. Er pflegt auch das Kulturgut der Vertriebenen und Flüchtlinge als Teil des deutschen und europäischen Erbes. Hierfür wird der Verband mit Bundesmitteln unterstützt.
