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Mittwoch, 12. Januar 2011

Gebündelte Forschung gegen Volkskrankheiten

Die Bundesregierung startet das Rahmenprogramm Gesundheitsforschung. Es ist einer der Schwerpunkte der Hightech-Strategie in dieser Legislaturperiode.

"Jedes zweite Mädchen, das heute auf die Welt kommt, wird über 100 Jahre alt". Diese Botschaft verkündete Professor Karl Max Einhäupl, der Vorstandsvorsitzende der Charité, auf einer Pressekonferenz zusammen mit Bundesforschungsministerin Annette Schavan und Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler.

Tatsächlich wollen wir alt werden und dabei gesund bleiben. Bessere Lebensbedingungen und bessere medizinische Versorgung machen es möglich. Gleichzeitig jedoch stellt uns die alternde Gesellschaft vor Probleme. Volkskrankheiten wie Krebs, Krankheiten des Gehirns oder des Herz-Kreislauf-Systems werden zunehmen. Es bedarf großer Forschungsanstrengungen, um dieser Entwicklung zu begegnen.

Aktivitäten bündeln

Deshalb hat die Bundesregierung ihr Rahmenprogramm Gesundheitsforschung vorgelegt, dass die Aktivitäten aller Akteure im Gesundheitswesen bündelt. "Jeder Fortschritt der Gesundheitsforschung wird von den Bürgerinnen und Bürgern unmittelbarer erlebt als in jedem anderen Bereich," sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan. "Deshalb wünschen wir uns einen zügigen Transfer der Forschungsergebnisse in die ärztliche Praxis".

Im Zentrum des Programms stehen Volkskrankheiten und ihre Bekämpfung. Insgesamt stellt das Bundesforschungsministerium der Gesundheitsforschung in den kommenden vier Jahren mehr als 5,5 Milliarden Euro bereit. Hinzu kommen seitens des Bundes weitere erhebliche Ausgaben anderer Ressorts für Projektförderung, institutionelle Förderung und Ressortforschung.

Sechs Zentren für Gesundheitsforschung

Im neuen Gesundheitsforschungsprogramm sieht das Bundesforschungsministerium sechs Zentren für die Erforschung der wichtigsten Volkskrankheiten vor. Sie werden in den kommenden vier Jahren mit insgesamt 500 Millionen Euro gefördert. Zusätzlich fließen 1,5 Milliarden Euro in die Projektförderung dieser Einrichtungen.

Zwei dieser Zentren gibt es bereits, weitere vier kommen bis zum Sommer 2011 hinzu. Im Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen arbeiten Forscherinnen und Forscher aus acht universitären und außeruniversitären Einrichtungen mit unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten und zahlreichen Kooperationspartnern eng zusammen.

Es geht um Krankheiten des Gehirns - etwa die Parkinson-Krankheit oder Demenzerkrankungen wie Alzheimer. Die Zahl der Erkrankten nimmt zu, was nicht zuletzt damit zusammen hängt, dass wir immer älter werden. Als neurodegenerative Erkrankungen bezeichnen Mediziner solche fortschreitenden Schädigungen des Nervensystems, bei denen Nervenzellen absterben.

Ein zweites Zentrum, das sich der Diabetesforschung widmet, gibt es ebenfalls bereits. Weitere Krankheiten, für deren Erforschung neue Zentren entstehen, sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infektionskrankheiten, Krebs und Lungenerkrankungen.

Sechs Aktionsfelder

Neben der Erforschung der Volkskrankheiten sieht das Programm weitere fünf Aktionsfelder vor. Dabei geht es darum, die Medizin stärker auf das Individuum auszurichten, um Vorsorge und Ernährung sowie um Fragen der Wirtschaftlichkeit und internationalen Zusammenarbeit.