Freitag, 3. September 2010
Gesundheitssystem muss allen etwas wert sein
Die Bundesregierung setzt sich für eine flächendeckende medizinische Versorgung ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel wies bei ihrem Klinikbesuch in Sommerfeld auf die gute medizinische Versorgung in Deutschland hin.
Bild vergrößern
Solidarisches Gesundheitssystem in Deutschland erhalten
Foto: REGIERUNGonline/Kugler
Anlass des Besuchs der Sana-Kliniken in Sommerfeld (Brandenburg) war der Abschluss von Sanierungsarbeiten an einem der denkmalgeschützten Häuser des Komplexes. „Was ich hier gesehen habe, hat mich in der Tat beeindruckt“, sagte die Kanzlerin in ihrer Festrede.
„Wir können alle miteinander froh sein, dass wir in der Bundesrepublik Deutschland ein Gesundheitswesen haben, das auf der Welt seinesgleichen sucht und in dem jeder ein Anrecht darauf hat, mit guten medizinischen Methoden behandelt zu werden.“
Fortschritt und Demografie treiben Gesundheitskosten
Merkel unterstrich auch den Reformbedarf in der Gesundheitsfinanzierung: „In einer älter werdenden Gesellschaft mit mehr medizinischen Möglichkeiten ist es außerordentlich unwahrscheinlich ‑ um nicht zu sagen unmöglich ‑, dass es dauernd billiger wird.“
Dennoch gelte, „dass uns dieses Gesundheitswesen etwas wert sein muss“. Es verdiene eine große Wertschätzung, aber es koste eben auch Geld, so die Bundeskanzlerin. „Wer das Gesundheitswesen in Deutschland als ein solidarisches Gesundheitswesen erhalten will, der muss diese Grundthese akzeptieren.“
Lohnkosten von Gesundheitskosten entkoppeln
Die Arbeitskosten und Gesundheitskosten in Form des paritätischen Gesundheitsbeitrages aneinander zu koppeln, sei in der Vergangenheit sicherlich in sehr solidarisch gewesen. „Aber diesen Weg können wir in Zukunft nicht unverändert weiter beschreiten.“ Ansonsten würden die Arbeitskosten steigen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit sinken.
Eine andere Möglichkeit sei, die Gesundheitskosten künstlich so niedrig zu halten, dass man sich Schritt für Schritt auf eine Zwei-Klassen-Medizin zubewege. „Das möchte ich nicht, denn es widerspricht dem Grundgedanken unserer Gesellschaft“, verdeutlichte Merkel.
Neue Wege gehen
Die Bundeskanzlerin plädierte dafür, die ansteigenden Kosten so zu verteilen, dass niemand überfordert wird. „Deshalb sind wir auch dafür, dass wir zu hohe Kosten in Zukunft durch einen steuerlichen Sozialausgleich ausgleichen und nicht mehr nur an die Lohnnebenkosten binden.“ Dieser Weg sei neu, hob Merkel hervor. Aber die Bundesregierung werde hierfür kämpfen.
Die Sana-Kliniken Sommerfeld wurden 1912 bis 1914 am Ufer des Beetzer Sees erbaut. Als architektonische Form für die weitläufige Lungenheilstätte wählte der Architekt Seeling die Gestalt einer dörflichen Alpenidylle mit verschiedenen Pavillons und offenen, separaten Liegehallen. Die historischen Gebäude der Kliniken stehen seit 1995 unter Denkmalschutz.
Chefarzt Hellmuth Ulrici verschaffte der Einrichtung in den 20er und 30er Jahren weltweite Anerkennung durch die wissenschaftlichen Erforschung und Einführung neuer Therapien der Tuberkulose. Mit dem generellen Rückgang der Tuberkulose übernahm das Haus neue Aufgaben, die Lungenklinik wurde 2003 geschlossen.
Der Bereich der manuellen Medizin und die Endoprothetik wurde 1987 in Betrieb genommen, die Reha-Klinik in neuen Gebäuden im Jahr 1997. Mit über 450 Beschäftigten sind die Kliniken heute der größte Arbeitgeber der Region. Seit 1993 wurden in die Kliniken etwa 125 Millionen Euro für Erweiterung, Modernisierung und Sanierung investiert. Neu eingeweiht wurden unter anderem die historischen Gebäude der Klinik für Manuelle Medizin, der Klinik für Endoprothetik.
